Altöttinger Liebfrauenbote
Einzug mit Kranken und Behinderten über den Kapellplatz.
Einzug mit Kranken und Behinderten über den Kapellplatz.

45. Malteser Wallfahrt mit Kranken und Behinderten

Im Fremden Gott begegnen

Über 1.500 Pilger haben am 17. Juli an der 45. "Malteser Kranken- und Behindertenwallfahrt" nach Altötting teilgenommen; aus sieben bayerischen Diözesen, aus Österreich, aus der Schweiz und aus Liechtenstein kamen die Gläubigen. In seiner Predigt beim Pontifikalamt in der St. Anna Basilika betonte der Erzabt von St. Peter Salzburg, Korbinian Birnbacher OSB, die Bedeutung der Gastfreundschaft und erklärte, wie wir im Fremden Gott begegnen können.

Abt, Priester und Malteser Ritter vor der Basilika.
Abt, Priester und Malteser Ritter vor der Basilika.

Als Erzabt des "ältesten bestehenden Klosters im deutschen Sprachraum" stellte Wallfahrtsorganisator Franz Josef Freiherr von der Heydte den "Vater Abt" der Benediktiner-Abtei aus dem nahen Salzburg vor. Er erinnerte an den hl. Benedikt, der zurecht "seit 1964 auch als Patron Europas verehrt wird" und rief dazu auf, das derzeit durch "nationalistischen Ungeist gebeutelte Europa" der Gottesmutter im Gebet anzuvertrauen. Ausdrücklich dankte er nicht nur dem Abt für sein Kommen, sondern auch den Konzelebranten und nicht zuletzt den zahlreichen Helfern des Malteser Hilfsdienstes, die es auch heuer wieder vielen Kranken und Behinderten ermöglichten, an der Wallfahrt teilzunehmen. Vor dem Gottesdienst waren Priester, Pilger und Helfer, viele Malteser-Ritter in ihren schwarzen Kukullen, die Fahnenabordnungen und die Blaskapelle Mellrichstadt in einer feierlichen Prozession über den Kapellplatz zur St. Anna-Basilika gezogen, wo sie der stellvertretende Wallfahrtsrektor, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, herzlich begrüßte.

Die Auseinandersetzung mit dem Fremden "ist lebensnotwendig"

Am Nachmittag gab es den Segen mit der Gnadenbild-Kopie.
Am Nachmittag gab es den Segen mit der Gnadenbild-Kopie.

Erzabt Korbinian betonte in seiner Predigt den Wert der Gastfreundschaft. In Anlehnung an Lesung "Gott zu Gast bei Abraham" (Gen 18, 1-10a) und Evangelium "Maria und Marta" (Lk 10,38-42) führte er aus, wie Stammvater Abraham in drei reisenden Fremden Gott selbst begegnet ist und wie die zwei jüdischen Frauen Maria und Marta Jesus auf sehr unterschiedliche Weise begegneten. Im Zuhören und Offensein für Gott habe Maria den wichtigeren Part gewählt, bemerkte er. Gastfreundschaft habe "einen hohen sittlichen Stellenwert", stellte der Prediger grundsätzlich fest und erklärte: "Es spiegelt sich darin ein urreligiöses Gespür dafür wider, dass der an der Tür erscheinende Fremde ein lebendiges Gleichnis für Gott selbst darstellt." Dabei sei der Fremde sowohl "Auslöser und Impuls für lebendige Weiterentwicklung" als auch "Quelle für Störungen und Herausforderungen". Die Auseinandersetzung mit dem Fremden sei manchmal "unbequem" aber letztlich "lebensnotwendig", denn sie "durchbricht die Langeweile, das 'Braten im eigenen Saft', die Gefahr inzüchtiger Degeneration der eigenen Gesellschaft bzw. Kultur". Erzabt Korbinian betonte: "Genau darin aber wird die Begegnung mit dem Fremden zum Gleichnis für die Begegnung mit Gott, zu dessen Wesen ja gerade das Anderssein gehört: Ein Gott, der das eigene Leben nur bestätigen und in sich ruhen lassen würde, ist bestenfalls eine religiöse Beruhigungspille." Gott aber sei immer anders, er müsse "größer und weiter sein als unsere stets beschränkten Lebensperspektiven, Ziele und Glücksvorstellungen. Nur so kann er Quelle neuen, volleren Lebens sein".

Gastfreundlich bleiben

Der Erzabt von St. Peter Salzburg, Korbinian Birnbacher OSB, in der St. Anna-Basilika.
Der Erzabt von St. Peter Salzburg, Korbinian Birnbacher OSB, in der St. Anna-Basilika.

Erzabt Korbinian erinnerte: Auch Jesus sei Zeit seines öffentlichen Wirkens ein Wanderer gewesen, der auf Gastfreundschaft angewiesen war; das Christentum selbst habe sich durch umherwandernde Missionare ausgebreitet. Der Prediger gab den Gottesdienstbesuchern mit auf den Weg: Gastfreundschaft müsse "auch heute Maßgabe bleiben, damit unser Christsein und unsere Kirche lebendig bleiben kann". In Anlehnung an Joh 1,12 stellte Erzabt Korbinian abschließend fest: "Indem wir Jesus, den Fremden aufnehmen, gibt uns Jesus Macht, Kinder Gottes zu sein."

Am Nachmittag nahmen die Pilger der Malteser Wallfahrt an einer Marienandacht vor der Gnadenkapelle teil. Dabei wurde eine Jubiläums-Kerze an Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl überreichte, die Malteser aus Garmisch-Partenkirchen als Dank für ihr 20-jähriges Bestehen gespendet hatten.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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