Altöttinger Liebfrauenbote

Mariazell und Altötting besiegeln Städtepartnerschaft

Eng verbunden

"Im Geiste" sind sie eigentlich schon lange miteinander verbunden, nun haben die beiden Marienwallfahrtsorte Altötting und Mariazell in der Steiermark auch ihre bürgerschaftliche Verbindung offiziell besiegelt: am 16. Juli unterzeichneten die beiden Bürgermeister Herbert Hofauer (FW, Altötting) und Manfred Seebacher (SPÖ, Mariazell) im Altöttinger Rathaus die Partnerschaftsurkunden. Vieles deutet darauf hin, dass die Partnerschaft auch mit Leben gefüllt wird: Sprachliche Barrieren gibt es kaum, die Mentalität ist ähnlich und im Engagement für die Wallfahrt arbeiten die beiden Städte schon seit längerem zusammen.

Eng verbunden – wie auf diesem Plakat – sind Altötting und Mariazell nun auch durch die besiegelte Städtepartnerschaft.
Eng verbunden – wie auf diesem Plakat – sind Altötting und Mariazell nun auch durch die besiegelte Städtepartnerschaft.

Rund 400 Kilometer Pilgerweg liegen zwischen "Unserer Lieben Frau von Altötting" und der "Magna Mater Austriae", der kleinen hölzernen Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert in der Basilika Mariä Geburt in Mariazell. Der Pilgerweg "Via Maria" verspricht eine "Wanderung durch abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaften" und wurde bereits im Jahr 2013 vom Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting (WVB) und vom Tourismusverband Mariazeller Land (TVB) vorgestellt. Das Pilgerweg-Projekt ist eines von mehreren Beispielen einer funktionierenden Kooperation. Altötting und Mariazell arbeiten darüber hinaus mit weiteren bedeutenden europäischen Marienwallfahrtsorten (Fátima, Loreto, Lourdes, Tschenstochau) in der 1996 gegründeten Arbeitsgemeinschaft "Shrines of Europe" zusammen.

Beide Bürgermeister betonten in ihren Ansprachen vor mehreren geladenen Gästen aus Altötting und Mariazell – darunter u.a. auch Bischof em. Wilhelm Schraml, Altöttings Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Mariazells Stadtpfarrer Pater Mag. Dr. Michael Staberl OSB – das gemeinsame geistige Fundament der beiden Wallfahrtsorte, ihre Verantwortung für die zahlreichen Pilger, "die sich durch Maria, die Mutter unseres Herrn, zu Christus führen lassen möchten" (Hofauer) und die enge Verbindung durch zwei Päpste, die beide Wallfahrtsorte besucht hatten (Johannes Paul II. war 1980 in Altötting und 1983 in Mariazell; Benedikt XVI. war 2006 in Altötting und 2007 in Mariazell).

Reger Austausch – MdB Mayer: "Renaissance Europas" über die Kommunen

Die beiden Bürgermeister Herbert Hofauer (l.) und Manfred Seebacher unterzeichneten die Urkunden ...
Die beiden Bürgermeister Herbert Hofauer (l.) und Manfred Seebacher unterzeichneten die Urkunden ...
... Beide erhielten jeweils die Goldene Ehrennadel, ...
... Beide erhielten jeweils die Goldene Ehrennadel, ...
... ebenso wie Presidente da Câmara Municipal aus Ourém/Fátima, Paulo Fonseca.
... ebenso wie Presidente da Câmara Municipal aus Ourém/Fátima, Paulo Fonseca.

Darüber hinaus bestehen bereits seit längerem freundschaftliche Verbindungen nicht nur über die beiden Bürgermeister: Seebacher würdigte "enge Kontakte zwischen Vereinen und Institutionen" und zeigte sich überzeugt: "Diese Partnerschaft werden wir auch leben!" U.a. gibt es bereits einen regen Austausch der beiden Berufsfachschulen für Musik, der "Musikschule Mariazellerland" und der Altöttinger Max-Keller-Schule (BfM) – Schüler der BfM begleiteten auch den Festakt im Rathaus. Auch Hofauer würdigte "die bisher schon sehr erfolgreiche und fruchtbare Zusammenarbeit unserer beiden Städte und die seit vielen Jahren bestehenden freundschaftlichen Bande". Insbesondere versprach er auch eine "besondere Aufmerksamkeit für die Jugend".

Dass die bayerisch-österreichische Partnerschaft funktionieren wird, davon zeigten sich auch die Gastredner Staatsminister und MdL Dr. Marcel Huber (CSU), MdB Stephan Mayer (CSU), Landrat Erwin Schneider (CSU) und der österreichische Generalkonsul für Bayern und Baden Württemberg, Dr. Helmut Koller, überzeugt.

Huber erinnerte an 138 bereits bestehende Gemeindepartnerschaften, die Bayern und Österreich verbinden. Koller würdigte Städtepartnerschaften als wesentliche "Basis, auf der gute staatliche Beziehungen wachsen können". "Ein besseres Fundament für Städtepartnerschaften als die Marienverehrung gibt es nicht", meinte Schneider, und Huber stellte fest: "Der gemeinsame Glaube an Maria vereint auch Europa."

Mayer wandelte ein Zitat von Konrad Adenauer, der von "heimlichen Hauptstädten" sprach, ab und sagte: "Vielleicht sollten Wallfahrtsorte zu den richtigen Hauptstädten Europas werden", denn: "Wir brauchen mehr Christentum und Gläubigkeit in Europa!" Mayer äußerte gerade jetzt, da "nationale Egoismen auch in Deutschland und Österreich" erwachen, die Hoffnung, dass eine "Renaissance Europas" vor allem über die Kommunen entstehen könne. Mayer: "Europa ist nicht nur eine schnöde Währungs- und Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Werte- und Friedensgemeinschaft – auch durch das Kreuz verbunden." Zuvor hatte bereits auch Hofauer vor "Kirchturmdenken" und "nationalem Egoismus" gewarnt und festgestellt, "dass gerade wir Vertreter von Marienwallfahrtsorten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Friede, Freiheit, Toleranz, Solidarität, Menschlichkeit und Freundschaft zwischen den Menschen das Bild Europas in besonderer Weise prägen".

Pontifikalamt, Salutschüsse und Ehrungen

Salutschüsse vor dem Rathaus.
Salutschüsse vor dem Rathaus.
Vor dem Rathaus: Paulo Fonseca, MdL Marcel Huber, Bürgermeister Herbert Hofauer, Bürgermeister Manfred Seebacher, Angelika Hofauer und Landrat Erwin Schneider.
Vor dem Rathaus (v.l.): Paulo Fonseca, MdL Marcel Huber, Bürgermeister Herbert Hofauer, Bürgermeister Manfred Seebacher, Angelika Hofauer und Landrat Erwin Schneider.

Bevor die beiden Bürgermeister die Partnerschaftsurkunden unterzeichneten, verlieh Hofauer im Namen der Stadt die "Goldene Ehrennadel" sowohl an Seebacher für seinen hohen persönlichen Einsatz für die Begründung einer Städtepartnerschaft als auch an den anwesenden Presidente da Câmara Municipal aus Ourém/Fátima, Paulo Fonseca, für seine herausragenden Verdienste um die Arbeitsgemeinschaft "Shrines-of-Europe" und um die Städtepartnerschaft Altötting-Fatima. Auch Hofauer selbst bekam überraschend die Ehrennadel angesteckt – von Bürgermeister Seebacher im Namen der Stadt Mariazell.

Bereits vor dem Festakt fand in der Stiftspfarrkirche eine feierliche Pontifikalmesse statt (siehe unten). Vor dem Rathaus spielte die Musikkapelle Altötting u.a. vier Hymnen: die österreichische, die bayerische, die deutsche und die europäische. Die Schützen feuerten einen dreifachen Salut ab.

Dass beiden Städten ihr "geistiges Fundament" besonders wichtig ist, zeigte auch der Rahmen für den Festakt: Ganz bewusst fand dieser während des 13. Altöttinger Klostermarktes statt. Eine erste Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden gab es bereits im Juni in Mariazell – auch hier während des dort stattfindenden Klostermarkts.

Text: Michael Glaß, Fotos: Michael Glaß 3, Roswitha Dorfner 3

Unter dem Schutz Mariens – Pontifikalamt mit Bischof em. Schraml

Pontifikalmesse in der Stiftspfarrkirche, vorne Bischof em. Wilhelm Schraml.
Pontifikalmesse in der Stiftspfarrkirche, vorne Bischof em. Wilhelm Schraml.
Die Mariazeller Messe brachten Kapellchor und -orchester zu Gehör.
Die Mariazeller Messe brachten Kapellchor und -orchester zu Gehör.

Der Festakt zur Städtepartnerschaft ist am 16. Juli mit einem festlichen Pontifikalamt in der Stiftspfarrkirche eröffnet worden. Hauptzelebrant Bischof em. Wilhelm Schraml stellte die Partnerschaft unter den Schutz Mariens und rief in seiner Predigt auf: "Macht Gott groß, damit es hell wird in der Welt."

"Gott groß machen, das heißt ihm Raum geben in der Welt, im eigenen Leben, ihn einlassen in unsere Zeit und in unser Tun – dies ist das tiefste Wesen des rechten Betens. Wo Gott groß wird, wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch groß, und die Welt wird hell", zitierte Bischof em. Schraml aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. am 11. September 2006 in Altötting. Auch aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. am 8. September 2007 in Mariazell zitierte Bischof em. Schraml. "So ist Mariazell für Österreich und weit über Österreich hinaus ein Ort des Friedens und der versöhnten Einheit geworden. Hier erfahren wir die tröstende Güte der Mutter; hier begegnen wir Jesus Christus ..." Schraml bezeichnete Mariazell als einen "geistigen Mittelpunkt Österreichs, verschwistert mit der Partnerstadt Altötting, dem Herzen Bayerns". Das Wirken Gottes werde gerade an Marienwallfahrtsorten sichtbar, stellte Bischof em. Schraml fest und betonte: "Wir brauchen Maria, um in Frieden zu leben."

Ausdrücklich vertraute er die Menschen der Gottesmutter an: "So bitten wir die Mater Magna Mater Austriae, große Mutter Österreichs, und Schutzfrau Bayerns: Maria, berge uns und dein Land unter deinem Mantel, führe uns zu Jesus, deinen Sohn, unserem Herrn und Heiland!" Auch die Städtepartnerschaft stellte Schraml unter den Schutz Mariens. Der Bischof verwies auf eine lange Geschichte und lebendige Verbindung zwischen Bayern und Österreich und betonte das kirchliche Leben und die Bedeutung der Gottesmutter in beiden Ländern. Außerdem lobte er die Arbeitsgemeinschaft "Shrines of Europe" der größten Marienwallfahrtsorte Europas; sie sei ein wichtiger Baustein und ermutigender Beitrag.

Musikalisch gestaltet wurde die hl. Messe von Kapellchor und -orchester unter der Leitung von Kapellmeister Max Brunner – passend zum Anlass mit der Mariazeller Messe.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Grüße von Vater Benedikt

Papst em. Benedikt XVI. hat zur Feier der Städtepartnerschaft Altötting-Mariazell eine Grußbotschaft übermittelt, die Bischof em. Schraml im Rahmen des Gottesdienstes verlas. Der Wortlaut:

"Mit großer Freude habe ich die Nachricht zur Kenntnis genommen, dass die beiden bedeutendsten Marienwallfahrtsorte in Österreich und Deutschland, Mariazell und Altötting, ihrer lange bestehenden, freundschaftlichen Verbindung nun die offizielle Form einer Städtepartnerschaft gegeben haben. Loreto, Fatima, Mariazell und Altötting sind nun in dieser Weise miteinander verbunden - wie eine Perlenschnur, die sich über das westliche und südliche Europa legt. Immer ist es die gleiche Madonna, die wir verehren und lieben. Immer ist es die gleiche demütige Frau, die die Weltgeschichte umgestaltet hat mit ihrem "Siehe, ich bin eine Magd des Herrn."

Und doch hat sie an jedem Ort ihr eigenes Gesicht, ist dort zu Hause geworden, eine von uns. Aus der historischen Ferne ist sie herausgetreten in unser Leben und bringt doch zugleich den ganzen Reichtum der Geschichte und das Geheimnis des lebendigen Gottes selbst zu uns. In einer ruhelosen Zeit, in der ein Großteil der Menschheit unterwegs zu sein scheint, Grenzen aufbrechen und sich andere Grenzen bilden, ist diese liebreiche Präsenz der Mutter allen von großer Bedeutung: Sie hilft uns, ineinander das Bild Gottes zu erkennen, einander nahe zu werden und die Umbrüche auf uns zu nehmen.

Möge die Madonna durch die Städtepartnerschaft hindurch in besonders spürbarer Weise Mutter sein, die uns zueinander führt indem sie uns dem Herrn zuführt.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen."

Vatikanstadt, am Pfingstsonntag, 15. Mai 2016
Benedictus