Altöttinger Liebfrauenbote
Einzug der donauschwäbischen Pilger über den Kapellplatz.
Einzug der donauschwäbischen Pilger über den Kapellplatz.

57. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben

Heimat, Glaube und Identität

Zum 57. Mal fand am 10. Juli die Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben statt, heuer unter dem Motto "Siehe da, deine Mutter" (Joh 19,25-27). Zum Pontifikalamt mit Bischof em. Wilhelm Schraml kamen 1.000 donauschwäbische Pilger mit ihren Trachtengruppen und Fahnenabordnungen, die in Bayern und Österreich eine neue Heimat gefunden haben; auch Pilger aus Ungarn, Rumänien und dem ehemaligen Jugoslawien waren zugegen.

Das Gelöbnis an die Gottesmutter Maria von P. Wendelin Gruber bleibt lebendig. Falls er das Vernichtungslager Gakowa überlebe, wolle er jährlich eine Wallfahrt machen, versprach der Pater am Festtag Mariä Verkündigung des 24. März 1946. Sowohl Bischof em. Wilhelm Schraml als auch Hartmut Koschyk MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten in Berlin erinnerten an die Bedeutung dieses Versprechens.

Hartmut Koschyk, der das "Wort der Laien" sprach.
Hartmut Koschyk, der das "Wort der Laien" sprach.

Im "Wort der Laien" verwies Koschyk auch auf den hl. Gerhard, den Namensgeber des St. Gerhardswerks, das auch heuer die Wallfahrt organisierte. Mit dabei waren u.a. Msgr. Andreas Straub EGR als Visitator em. sowie STD Peter Zillich als Präses des St. Gerhardswerks. Koschyk erinnerte: Von Stephan I. von Ungarn (um 970-1038) sei Gerhard Sagredo (980-1046) zum ersten Bischof von Tschanad/Region Banat (Südwesten Rumänien) ernannt worden; beide wurden bereits 1083 gemeinsam heiliggesprochen. In Tschanad sei zu Ehren des hl. Gerhard eine Kirche errichtet worden. Ein Denkmal vor dieser Kirche erinnere an die rund 20.000 Deutschen, die in Tschanad gelebt hätten. Das Konzilsdokument "Lumen gentium/Licht für die Völker" bezeichne die Kirche als Volk Gottes, das "zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg dahinschreitet", erinnerte Koschyk.

Die Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben lobte er als eine wertvolle Tradition, eine "Demokratie der Lebenden mit den Toten"; eine Tradition, die im Gebet und in der Tat aktiv gelebt werden müsse. "Wanderndes Volk Gottes bedeute aber nicht, dass man auf die Heimat freiwillig verzichten sollte", sagte Koschyk. Als ganz wesentliche Bedeutung für die Vertriebenen, Aussiedler und nationalen Minderheiten betonte er die enge Verbindung zwischen der Heimat, der Identität und dem Glauben. Diese drei Werte bildeten einen harmonischen Dreiklang, fehle einer dieser Laute, gehe die ganze Harmonie verloren. Übertragen auf das Bild vom "Wandernden Volk Gottes" heiße das: "Die Heimat ist der feste Grund, auf dem wir uns bewegen. Der Glaube ist der starke Motor, der uns antreibt und nach vorne bringt. Und die Identität ist gleichsam die Konstruktionszeichnung, die für das richtige Zusammenspiel der Kräfte die entscheidende Grundlage ist. Nichts funktioniert ohne das Zusammenspiel aller Komponenten."

"Geschichte des menschlichen Herzens"

Bischof em. Wilhelm Schraml bei seiner Predigt.
Bischof em. Wilhelm Schraml bei seiner Predigt.

Zur Vorbereitung seiner Predigt habe er in P. Wendelin Grubers Buch "In den Fängen des roten Drachen – 10 Jahre unter der Herrschaft Titos" gelesen – unter bewegender Anteilnahme, wie Bischof em. Schraml erzählte. Jesuitenpater Wendelin, der aus Filipowa in der Batschka (heutiges Serbien) stammte, dokumentiere in seinem Buch die brutalen Spuren der Greueltaten und das unaussprechliche Martyrium Tausender von Donauschwaben unter der Schreckensherrschaft Titos. Der moralische Abgrund, der sich hier auftue, lasse uns die Macht des "Herrschers dieser Welt" (Joh 14,30-31) mit Händen greifen: "Er vermag die Gewissen zu verführen durch die Lüge, durch die Verachtung der Würde und des Rechts des Menschen, durch den dämonischen Kult von absoluter Herrschaft und Willkür." Es bleibe übrig: Elend und Not, Qual und Folter, Verderben und Tod. Bischof Schraml berichtete weiter, dass sich P. Gruber freiwillig in die Hunger- und Todeslager begeben habe, um seinen Landsleuten wie der barmherzige Samariter im Evangelium, ganz nahe zu sein, sie mit Lebensmitteln zu versorgen und ihnen vor allem als Priester beizustehen.

Der Prediger sah im Ungeist der Tyrannei eines Hitlers, eines Stalin oder Tito nicht nur einen philosophischen Irrtum, sondern einen tiefergreifenden Grund: Totalitäre Ideologie und politischer Fanatismus gingen eine unheilvolle Koalition ein mit der Sucht nach dem ersten Platz. "Gott muss weichen, damit der Tyrann niemanden gegenüber verpflichtet ist, nur sich selber und seiner eigenen Wahnidee." Macht, die sich auf sich selbst begründet, nannte Bischof Schraml "kreuzgefährlich": "Menschen, die sich Gott nicht verantworten, werden zur tödlichen Gefahr für ihre Mitmenschen. Wer sich Gott zum Rivalen macht, der wird auch bald zum Gegner und Feind seines Bruders. Wer aber Gott einmal getötet hat, der tut sich erschreckend leicht, auch die Menschen zu töten!" Die Geschichte der Welt – im Guten wie im Bösen – nannte Schraml "eine Geschichte des menschlichen Herzens". Trotz Not und Verzweiflung hätten die Donauschwaben nicht resigniert, hob der bischöfliche Prediger hervor.

"Lichtstrahl neuer Hoffnung und Zuversicht für die Menschen"

Eucharistiefeier in der St. Anna-Basilika.
Eucharistiefeier in der St. Anna-Basilika.

Mariens Ja-Wort bezeichnete Bischof Schraml als "strahlende Morgenröte unseres Heils, als Lichtstrahl neuer Hoffnung und Zuversicht für die Menschen". Dieses "Ja-Sagen" zu Gott im Vaterunser "Dein Wille geschehe", müssten wir aber immer wieder neu erringen. "Wer ja sagt zu Gott, der erfasst seine rettende Hand. Sie mag schwer sein, aber sie ist die Hand, die uns hält und trägt und nicht loslässt, solange wir sie halten in unserem Ja", erklärte Bischof em. Schraml.

Für die musikalische Mitwirkung bei der Gelöbniswallfahrt zeichneten sich die Blaskapelle Sankt Anna sowie die donauschwäbische Singgruppe aus Landshut verantwortlich. In einem Mariensingen und einer Marienandacht am Nachmittag in der St. Anna-Basilika fand die 57. Gelöbniswallfahrt ihren Abschluss.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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