Altöttinger Liebfrauenbote

70. Sudetendeutsche Wallfahrt nach Altötting

Ort der Gottesberührung

Unter dem Wallfahrtsmotto "Heimat im Glauben" stand die 70. Jubiläumswallfahrt der Sudetendeutschen, zu der die Ackermann-Gemeinde der Diözese München am Sonntag, 3. Juli, nach Altötting eingeladen hatte.

Feierlicher Auszug der Sudetendeutschen aus der Basilika St. Anna.
Feierlicher Auszug der Sudetendeutschen aus der Basilika St. Anna.

Zum Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika mit Hauptzelebrant und Prediger Dr. Reinhard Hauke, Erfurt, dem Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für die Aussiedlerseelsorge, konnte die Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde für die Diözese Passau, Ilse Estermaier, neben mehreren Konzelebranten aus der Vertriebenenseelsorge auch Benediktiner-Abt em. Gregor Zippel von Rohr herzlich begrüßen. Die Benediktiner von Rohr seien es letztendlich gewesen, die vor 70 Jahren als "Gründungsväter" der Sudetendeutschen Wallfahrt nach Altötting genannt werden müssten. Auch der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, war zur Jubiläumswallfahrt nach Altötting gekommen. Ein herzliches Vergelt's Gott fürs Kommen galt vor allem den vielen Sudetendeutschen Landsleuten aus der alten Heimat, aus Böhmen, Mähren und Schlesien, teils in der schönen Tracht des Braunauer Ländchens, aus dem Böhmer- und Egerland.

"Hier geht’s lang!"

Festzelebrant und -prediger Weihbischof Reinhard Hauke.
Festzelebrant und -prediger Weihbischof Reinhard Hauke.

Obwohl es heute wieder möglich sei, Wallfahrtsorte in der alten Heimat zu besuchen, sei der Wunsch zur Danksagung bei der Gnadenmutter von Altötting als einem Ort der Glaubensbezeugung und der Begegnung mit den Landsleuten ungebrochen, betonte llse Estermaier. Das bezeugten auch die "Hauptaktiven" in Tracht aus Altötting: Familie Scholz, Walter Horaczek aus Tyrlaching sowie Georg Najok aus Furth im Wald, der die Bischofteinitz-Fahne mitführte. Ihre Freude mit dabei sein zu können taten auch Richard Heinrich aus Mühldorf in der Jägerndorfer Tracht aus dem Ostsudetenland nahe der polnischen Grenze kund wie auch Peter Leitner (zum 25. Mal als Fahnenträger) und Eva Dietrich aus Fridolfing, die als Fahnenabordnung für das Egerland/Karlsbad die alte Heimat präsentierten.

Herzliche Grußworte entbot auch der Hauptzelebrant und Prediger Weihbischof Hauke an die Sudetendeutschen Pilger: "Es ist gut, dass wir hier wieder zusammentreffen, zum Lobe Gottes und der Gottesmutter Maria!" Vergangenes Erlebtes, aber auch die Zukunft im Blick – diese Lebensspuren seien von Gott gelegt, nach dem Motto: "Hier geht's lang!". Wallfahrtsorte bezeichnete Weihbischof Hauke als Orte der "Gottesberührung" und der intensiven Gottesbeziehung – Gott wolle uns Menschen nahe sein. Das Lukas-Evangelium berichte, dass Jesus seine 72 Jünger mit einem "Auftrag" ausgesandt habe. Was sollten diese Männer bewirken? "Krankenheilung und Gottes Reich verkünden." Krankenheilungen seien nicht nur zur Zeit Jesu spektakulär gewesen, sondern zeichneten auch einen Wallfahrtsort wie Altötting aus – viele Votivtafeln an der Gnadenkapelle kündeten davon.

"Wallfahrt geistig lebendig erhalten"

Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl begrüßt Abt em. Gregor Zippel OSB vor der Gnadenkapelle.
Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl (l.) begrüßt Abt em. Gregor Zippel OSB vor der Gnadenkapelle.

Mit dem zweiten Auftrag Jesu an die Apostel, zu verkünden, dass Gottes Reich nahe sei, verhalte es sich schon schwieriger, so Weihbischof Hauke. Am Beispiel Thüringen, mit einer zu 70 Prozent konfessionslosen Bevölkerung, stehe dennoch die Frage nach einer Religion im Raum. Glaube – egal, welcher Religionsangehörigkeit – verbinde und biete Heimat, auch für Flüchtlinge. Weihbischof Hauke berichtete von einem gemeinsamen Mahl mit Schiiten in seiner Gemeinde Erfurt – deren Imam aus dem Irak habe über die Bedeutung der Menschenwerte wie Demut, Einfachheit und Rücksichtnahme gesprochen. Gerade für Altötting, als einen Ort der Gottesberührung mit seinen erlebten Glaubenszeugnissen und Bekenntnissen über Jahrhunderte, sei es notwendig die Wallfahrt geistig lebendig zu erhalten. Jesus brauche dazu Männer und Frauen, um "reiche Ernte einzufahren". Gottesberührung zwischen Himmel und Erde sei immer spürbar und finde allzeit statt, auch in unserer Zeit.

Nach der feierlichen Andacht am Nachmittag in der St. Konradkirche mit Abt em. Gregor Zippel OSB, Rohr, zogen die noch anwesenden Sudetendeutschen Pilger in einer Prozession hinauf zur Gnadenkapelle. Dort wurden sie nach einer kurzen Andacht von Altöttings Wallfahrtsrektor, Prälat Günther Mandl, mit dem Segen und guten Wünschen, auch im nächsten Jahr wiederzukommen, entlassen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

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