Altöttinger Liebfrauenbote

740 Jahre St. Blasius-Kirche in Immenstadt-Diepolz

"Heiligentreffen" im Gotteshaus

Zum Dorfmittelpunkt in 1037 Metern Höhe gehört der weithin sichtbare, wohl aus dem 13. Jahrhundert stammende Turm der St. Blasius-Kirche in Immenstadt-Diepolz. Das "Gotteshaus mit den vielen Heiligen" steht unmittelbar neben dem Bergbauernmuseum, wird "in den ältesten Verzeichnissen der Allgäuer Pfarreien von 1275 erwähnt" und galt lange Zeit als höchstgelegene katholische Pfarrkirche Deutschlands, bevor Balderschwang diesen Rang einnahm.

Blick auf die St. Blasius-Kirche in Immenstadt-Diepolz.
Blick auf die St. Blasius-Kirche in Immenstadt-Diepolz.

Während des nunmehr 740-jährigen Bestehens von St. Michael erfolgten öfter Umbauten und neue Eindeckungen mit Schindeln, eine Restaurierung in neugotischer Form im Jahr 1889, die Erhöhung des Turmes um sechs Meter sowie eine weitere Restaurierung vor zehn Jahren. Die Diözese Augsburg, die Stadt Immenstadt, der Landkreis sowie der Bezirk Schwaben und auch Spendengelder finanzierten die Instandsetzungen. Vor einiger Zeit schnitzte ein gläubiger Bewohner des Ortes sogar einen neuen Altar für das Kircheninnere.

Im Vorraum der Kirche "empfangen" den Gläubigen die Skulpturen des hl. Blasius als Schutzpatron des Gotteshauses, zugleich einer der vierzehn Nothelfer. Ihm gegenüber steht der hl. Laurentius – mit dem Rost in der Hand als Zeichen seines Martyriums. Mit einer Kerze als Attribut in seiner Hand wurde der hl. Blasius, im Kalender einen Tag nach Lichtmess, zum Symbol für die nunmehr mit jedem Tag zunehmende Helligkeit und damit zum wichtigen Verkünder des bevorstehenden Frühlings.

Schutzpatron und Nothelfer

Blick auf den neugotischen Innenraum Pfarrkirche St. Blasius Diepholz.
Blick auf den neugotischen Innenraum
Pfarrkirche St. Blasius Diepholz.
Darstellung des Kirchenpatrons St. Blasius.
Darstellung des Kirchenpatrons St. Blasius.

Der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geborene Arzt und Bischof Blasius von Sebaste wurde unter Kaiser Licinius im römischen Reich im Jahr 316 hingerichtet, wirkte aber als Märtyrer im Glauben weiter. Legenden zufolge suchten die wilden Tiere in seiner Höhle Schutz, einmal konnte er während seines Eremitenlebens einen Buben, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, durch Gebete und seine Fürsprache bei Gott vor dem Tod bewahren. Noch heute wird St. Blasius als Nothelfer von Gläubigen angerufen, die an Angina, Husten oder Blasenerkrankungen leiden. An seinem Namenstag, dem 3. Februar, wird der Heilige während des Gottesdienstes noch immer in der Blasiuskirche Diepolz mit den Worten "auf die Fürsprache des hl. Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheiten und allem Bösen" angerufen. Der vom Pfarrer erteilte Blasiussegen soll wie in alten Zeiten vor Krankheiten schützen.

Der Heilige gilt als Patron des Viehs auf der Wiese und im Stall. Er bewahrt Bäcker, Maurer, Schuh- und Hutmacher sowie Gerber, Hirten und auch auf tüchtigen Wind angewiesene Windmüller vor Ungemach. "St. Blasius verkürzt dem Bauern das Winterende", heißt es noch heute auf dem Land im Allgäu wie in ganz Bayern. Neben der noch immer verbreiteten Kerzenweihe wurden früher an diesem Februartag Brot, Wein und "Blasiwasser" im Gottesdienst gesegnet. Das gab man dem Federvieh, um es vor dem Fuchs zu schützen, erklären Heimatkundler das alte Brauchtum.

Die 740 Jahre alte Blasiuskirche gehört unter Leitung von Pfarrer Heinrich Michael heute zum Dekanat Sonthofen in der Pfarreiengemeinschaft Immenstadt-Stein. Sie wurde in sogenannter "Schreinergotik" ausgestattet, so dass das hölzerne Inventar wie "ausgesägt, bemalt und geschreinert" erscheint.

Ausstattung in "Schreinergotik"

Die Kassettendecke – neugotisch – zeigt die Verkündigung an Maria, das Pfingstwunder und die Auferstehung Christi.
Die Kassettendecke – neugotisch – zeigt die Verkündigung an Maria, das Pfingstwunder und die Auferstehung Christi.
Darstellung des hl. Hieronymus, der Einsiedler am Schreibpult.
Darstellung des hl. Hieronymus, der Einsiedler am Schreibpult.
Die Kassettendecke zeigt Lukas mit dem Stier.
Die Kassettendecke zeigt Lukas mit dem Stier.
Der Taufstein, versehen mit der Jahreszahl 1490.
Der Taufstein, versehen mit der Jahreszahl 1490.

Das Innere des Gotteshauses weist einige Besonderheiten auf. Zunächst erblickt man eine neugotische Kassettendecke und stilgleiche Altäre in der Diepolzer Kirche, in ihren Mittelfeldern die Auferstehung Christi, das Pfingstwunder und die Verkündigung an Maria zeigend. Zwölf Tierkreiszeichen umgeben die Bilder, womit verdeutlicht wird, dass der Geist Gottes "über alle Zeiten und Welten ausgegossen wird, getragen vom Wort Gottes", das die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes verkünden. Papst Gregor mit Tiara, Ambrosius mit Mitra und Pult, Hieronymus mit Hut und Buch und Augustinus mit Mitra, Pult und Stift schmücken als die vier Kirchenväter die Kanzel. Dazu sind die im Allgäu einst als Missionare wirkenden St. Gallus und St. Magnus mit ihren Attributen an der Rückwand zu sehen. Johannes der Täufer, der hl. Blasius und schließlich der hl. Antonius als Patron der Metzger, Sauhirten und Pestkranken schließen sich an.

Eindrucksvoll ist das Sterngewölbe im Chorraum, ebenso wie die gotische Sakramentsnische mit Rautengitter, Kielbogen und Kreuzblume, auf der anderen Seite der achteckige Taufstein mit der Jahreszahl 1490. Neben dem Hochaltar sind der Kirchenpatron und die hl. Maria Magdalena mit dem Salbgefäß zu erblicken, die bekanntlich die Füße Jesu mit ihren Tränen benetzte, mit ihren Haaren trocknete und die Füße Jesu mit ihrem Öl salbte. Die Heiligen Georg, Blasius, Katharina und Barbara mit ihren "Beigaben", die auf Lebensgeschichte, Beruf und Werk, auf Wundertaten und Martyrium hinweisen, finden sich im Hochaltar unter dem Kreuz mit Maria und Johannes. Sowohl der Marien- und der Josefsaltar als auch die Bilder der 14 Nothelfer und auf beiden Seiten der Kreuzweg geleiten den Besucher des Gotteshauses zum Ausgang mit Blick auf die Orgelempore. Diese zieren die drei Heiligen der Kirchenmusik: König David, die hl. Cäcilia und den hl. Papst Gregor den Großen.

Text: Karl-Heinz Wiedner, Fotos: Mechthild Wiedner
((Quelle: Kirchenführer von Pfarrer Rudolf Kieser, Missen, im Auftrag des Katholischen Pfarramtes Missen (vergriffen))

In vielen Pfarreien wird auch heute noch der Blasiussegen erteilt – beispielsweise in:

  • Altötting: Sonntag, 31. Januar 2016 in allen Gottesdiensten; Dienstag, 2. Februar 7 Uhr Gnadenkapelle, 9 Uhr St. Magdalena, 10 Uhr Gnadenkapelle, 10 Uhr St. Konrad, 15 Uhr St. Magdalena.
  • Maria Vesperbild: Dienstag, 2. Februar in allen Gottesdiensten: 7.30 Uhr, 10.15 Uhr und 14.45 Uhr.