Altöttinger Liebfrauenbote

Papst Franziskus veröffentlicht erstmals monatliche Gebetsmeinung als Videobotschaft

"Wir sind alle Kinder Gottes"

Für jeden Monat formuliert der Hl. Vater zwei Meinungen, die er den Gläubigen zum Gebet empfiehlt. Bereits seit Jahren begleiten wir diese Papstworte mit einem Kommentar von Prälat Bertram Meier. Seit diesem Jahr gibt es die Gebetsmeinung nicht mehr nur in schriftlicher Form: Um mehr Menschen – vor allem auch Internet-Nutzer – zu erreichen, will Franziskus sein Gebetsanliegen jeden Monat in einer Videobotschaft senden. In seiner ersten Botschaft rief er zum Dialog der Religionen auf.

Papst Franziskus in Screenshots seiner Videobotschaft.
Papst Franziskus in Screenshots seiner ...
... Videobotschaft zum Gebetsanliegen für den Januar.

"Für den Dialog der Religionen: er führe zu Frieden und Gerechtigkeit", lautet das erste der beiden Gebetsanliegen für den Monat Januar. "Viele denken anders, fühlen anders, sie suchen und finden Gott auf unterschiedliche Weise", erklärt also Franziskus in seiner am 6. Januar veröffentlichten Videobotschaft. "In dieser Vielfalt, in dieser Auffächerung der Religionen, gibt es eine einzige Gewissheit, an der wir für alle festhalten: wir sind alle Kinder Gottes." Der "aufrichtige Dialog zwischen Männern und Frauen der verschiedenen Religionen" möge "Früchte des Friedens und der Gerechtigkeit" hervorbringen, wünscht der Hl. Vater und fügt an die Zuschauer gewandt hinzu: "Ich vertraue auf dein Gebet."

Der Einsatz der katholischen Kirche für einen interreligiösen Dialog ist freilich nichts Neues. Weltweite Aufmerksamkeit erhalten die 1986 von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufenen Weltgebetstreffen der Religionen in Assisi. Bereits im Oktober 1965 erklärte die Kirche im Rahmen des II. Vatikanischen Konzils in der Erklärung "Nostra aetate" ihr Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen; kurz zusammengefasst: trotz all der wesentlichen Unterschiede gilt es nach Gemeinsamkeiten zu suchen, um "Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern". Die dogmatische Konstitution "Lumen gentium" hält in Kapitel II über "Das Volk Gottes" fest: "Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes, die den allumfassenden Frieden bezeichnet und fördert, sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind."

"Ich glaube an die Liebe"

Szene aus der Papstbotschaft: eine buddhistische Priesterin, ein Muslim, ein katholischer Priester und ein jüdischer Rabbi halten Symbole ihres Glaubens in den Händen.
Szene aus der Papstbotschaft: eine buddhistische Priesterin, ein Muslim, ein katholischer Priester und ein jüdischer Rabbi halten Symbole ihres Glaubens in den Händen.

Jenseits der lehramtlichen Festlegungen gilt es jedoch den angestrebten Dialog der Religionen mit Leben zu füllen – erst recht, seit religiös aufgeladene Konflikte weltweit auch in Deutschland und Europa das friedliche Zusammenleben bedrohen. Geschickt nutzt Papst Franziskus den Freiraum, den ihm eine Gebetsmeinung bietet, um auch andere Religionen mit ins Boot zu holen: In dem anderthalb-minütigen Video treten auch eine buddhistische Priesterin, ein Muslim, ein katholischer Priester und ein jüdischer Rabbi auf, die sich jeweils zu ihrer religiösen Überzeugung bekennen. Die Unterschiede sind hiermit genannt, erst recht da der Christ in dem Video klar bekennt: "Ich glaube an Jesus Christus". Das Gemeinsame tritt hervor, als alle vier bekennen: "Ich glaube an die Liebe". Am Ende des Videos hält jeder von ihnen ein Symbol für seine Religion in die Kamera: eine Buddha-Figur, einen siebenarmigen Leuchter, eine muslimische Gebetskette und ein Jesuskind. Die Botschaft: Nur über gegenseitigen Respekt kann ein Dialog zum Ziel führen: zu "Friede und Gerechtigkeit".

Text: Michael Glaß, Screenshots: red

Die Videobotschaft ist im Internet unter http://bit.ly/Papstbotschaft abrufbar.