Altöttinger Liebfrauenbote

Erste Altöttinger Fastenpredigt mit Spiritual Dr. Andreas Schmidt

Zwei Hände der Barmherzigkeit

"Der barmherzige Vater" (Lk 15,11-32) war Thema der ersten Altöttinger Fastenpredigt am 18. Februar in der Stiftspfarrkirche. Dr. Andreas Schmidt stellte fest, dass Gottes Barmherzigkeit zwei Seiten habe, und er erklärte, was diese beiden "Hände der Barmherzigkeit" so besonders macht.

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"Wende deine barmherzigen Augen uns zu" – Aus dem Mariengebet "Salve regina – Sei gegrüßt, o Königin" stammt das Motto für die diesjährige Predigtreihe. Zur ersten von insgesamt vier Fastenpredigten begrüßte Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl einen alten Bekannten: Drei Jahre lang war Dr. Andreas Schmidt Direktor der "Emmanuel School of Mission" in der Altöttinger Josefsburg; der Priester der Gemeinschaft Emmanuel, mittlerweile Spiritual im Priesterseminar München-Freising, freute sich sehr, "nach Altötting zurückzukehren".

Mit einem Blick auf ein kleines, aber aussagekräftiges Detail in Rembrandts Darstellung von der "Rückkehr des verlorenen Sohnes" (siehe Bild rechts) leitete Schmidt seine Predigt ein: sind die Hände des Vaters, der seinen heimgekehrten Sohn empfängt, doch sehr unterschiedlich; zart und weiblich die rechte, kräftig und männlich die linke.

Ebenso verhalte es sich mit der Barmherzigkeit Gottes, wie der Prediger ausführte. Auch sie habe eine weibliche und eine männliche Seite. Eine Beobachtung, die auch in zwei hebräischen Entsprechungen für das deutsche Wort Barmherzigkeit zum Ausdruck komme, wie Schmidt feststellte: so habe das hebräische Wort "rachamim" für "Erbarmen", wurzelverwandt mit dem hebräischen Wort "rächäm" für "Mutterschoß", eine klare weibliche Konnotation; auf der anderen Seite stehe das hebräische Wort "hesed", "Huld", für eine "starke, unerschütterliche männliche Liebe", drücke es in der Bibel doch den Bund zwischen dem Herrn und seinem Volk sowie Gottes Treue aus.

"Gott fühlt mit uns mit"

Spiritual Dr. Andreas Schmidt mit Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl und Stiftskanonikus August Sparrer bei der Feier der Eucharistie.
Spiritual Dr. Andreas Schmidt (M.) mit Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl (l.) und Stiftskanonikus August Sparrer bei der Feier der Eucharistie (nicht im Bild die Stiftskanoniker Alois Schießl und Elmar Hess, die ebenfalls konzelebrierten).

Dass Gott die Menschen niemals im Stich lasse, erst recht dann nicht, wenn sie leiden, erklärte Schmidt mit dem Verweis auf "Gottes Trost für Zion" im Buch Jesaja: "Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht" (Jes 49,15). "Gott fühlt mit uns mit", versicherte Schmidt, und erklärte mit Blick auf die Geschichte vom "Barmherzigen Samariter" (Lk 10,25-37), dass Gottes Barmherzigkeit nicht nur eine Gabe, sondern eine Aufgabe sei, und jeden zu tätiger Hilfe aufrufe. Gottes Bundestreue veranschaulichte Schmidt an dem Beispiel des Apostel Petrus: Obwohl dieser Jesus dreimal verleugnete, habe Jesus ihm nicht nur vergeben, sondern ihn darüber hinaus als Hirten neu eingesetzt: "Weide meine Schafe!" (vgl. Joh 21, 15-17) Auch im Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater kommen laut Schmidt sowohl die weibliche wie die männliche Seite von Gottes Barmherzigkeit zum Ausdruck: Die weibliche in der Umarmung des Sohnes, die männliche, als der Vater dem Sohn den Ring an die Hand steckt – als Zeichen dafür, dass der Sohn als Erbe mit all den damit verbundenen Aufgaben wieder eingesetzt ist. Für Schmidt ergeben sich daraus zwei wesentliche Erkenntnisse: "Ich kann immer wieder zu Gott zurückkommen, und ich darf immer wieder neu meine Berufung aufnehmen." Erst auf dieser Grundlage sei es möglich, zu Gott "Ja" zu sagen und alles für "Ihn" zu geben.

"Barmherzigkeit zu leben" , empfahl Schmidt denn auch den Gottesdienstbesuchern. Barmherzig zu sein wie der Vater (vgl. Lk 6,36) bedeute daher, mütterlich zu sein, in dem  "wir Menschen bedingungslos annehmen", und väterlich, in dem "wir den Menschen eine zweite Chance und den Mut zu einem Neubeginn geben". Je mehr Menschen die Barmherzigkeit Gottes annehmen, desto besser könnten sie diese auch weitergeben, zeigte sich Schmidt überzeugt.

Text und Foto: Michael Glaß, Screenshot: red