Altöttinger Liebfrauenbote

Einkehrtage der Marianischen Männerkongregation mit Jesuitenpater Peter Linster

"Barmherzigkeit ist eine Gnade"

Insgesamt über 370 Sodalen kamen heuer zu den vier Einkehrtagen der Marianischen Männerkongregation (MC) ins Franziskushaus nach Altötting. 105 waren es allein am 30. Januar, als der Münchner MMK-Präses, Jesuitenpater Peter Linster, zum Thema "Barmherzigkeit" referierte.

P. Peter Linster bei der Lichtfeier am Nachmittag.
P. Peter Linster (M.) bei der Lichtfeier am Nachmittag.

Ein Thema, das sich ja im "Hl. Jahr der Barmherzigkeit" geradezu aufdrängte, doch P. Peter Linster verdeutlichte eindrucksvoll, wie grundsätzlich die Barmherzigkeit für das Christentum ist. Dieses Thema sei ja "nicht vom Himmel gefallen", erklärte er. Er verwies auf über 300 Treffer zum Thema Barmherzigkeit in der Bibel, vor allem auf die Wunder Jesu kam P. Peter Linster immer wieder zu sprechen: "Jesus wollte uns zeigen, was durch Vertrauen bewirkt werden kann", stellte er fest. Ausführlicher ging er auch auf die berühmten Gleichnisse "Vom verlorenen Sohn" (Lk 15, 11-32) und "Vom barmherzigen Samariter" (Lk 10, 25-37) ein, und er empfahl u.a. den Psalm 103, einen der "schönsten Texte der Bibel zum Thema Barmherzigkeit".

Außerdem verwies P. Peter Linster auf die Päpste, so z.B. auf die Enzyklika "Dives in misericordia" ("Reich an Erbarmen", 1980) von Papst Johannes Paul II., und er zitierte aus der Eröffnungsrede zum II. Vatikanischen Konzil von Papst Johannes XXIII.: "Die Kirche hat Irrtümern zu allen Zeiten widerstanden, oft hat sie sie auch verurteilt, manchmal mit großer Strenge. Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffen der Strenge." Vor allem aber berichtete der Pater immer wieder aus seinem eigenen Alltag: 12 bis 16 Stunden höre er jede Woche Beichte in der Kirche St. Michael in München, und gerade hier sei Barmherzigkeit wirklich gefragt, erzählte er.

"Gott führt kein Sündenregister"

Sodalen bei der Lichterfeier am Nachmittag.
MC-Sodalen bei der Lichterfeier am Nachmittag.

"Barmherzigkeit ist eine Gnade, ein Geschenk Gottes an die Menschen", betonte P. Peter Linster mit Blick auf die sieben leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit (vgl. Mt 25, 34-46, "Vom Weltgericht"), die er mit den Sodalen eingehender betrachtete. Dabei ging er auch auf "Sieben Werke der Barmherzigkeit für Thüringen heute" ein, die Bischof Joachim Wanke 2006 bekanntgab. Diese "Neuübersetzung" entstand basierend auf einer Umfrage im Bistum Erfurt, "welche Werke der Barmherzigkeit heute besonders notwendig seien".

P. Peter Linster riet den Sodalen: "Geht auch mit euch selbst gütig um." Manche Menschen seien "so verhärtet"; gerade hier empfehle sich der Gang zur Beichte, um "Belastungen hinter sich zu lassen". Ganz allgemein empfahl er "Gefühle nicht zu unterdrücken", und "sich dem Erbarmen zu stellen". P. Peter Linster verwies auf die biblischen Propheten, die oft mit Gott haderten, und stellte fest: "Der Herrgott verzeiht, wenn wir bekennen." Mit Blick auf das Evangelium zum "Weltgericht" stellte er fest: "Gott führt kein Sündenregister, Gott empfängt uns mit bedingungsloser Liebe!" Es gebe keine Sünde, die Gott nicht vergeben könne, nur seien wir oft "zu bequem, uns unsere Sünden einzugestehen". Dabei gehe es nicht um Anklage und Verurteilung, dies sei "Sache des Widersachers". Gott hingegen sei "Erbarmen". Mehr noch: Jesus habe sogar die Nähe zu den Sündern gesucht und zugelassen, stellte P. Peter Linster fest mit Blick auf "Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern" (Mt 9, 9-13): "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken", zitiert er Jesu Worte. Der Jesuitenpater betonte: Wer seine Sünden aufrichtig bekenne, der dürfe immer wieder "neu beginnen".

"Jesus will nicht nur erzählen wie barmherzig sein Vater ist – er will, dass wir ihn nachahmen"

Andacht vor der Gnadenkapelle.
Andacht vor der Gnadenkapelle.

"Jesus will nicht nur erzählen wie barmherzig sein Vater ist – er will, dass wir ihn nachahmen", erklärte P. Peter Linster weiter (vgl. Mt 5, 48). Dies sei schwierig, doch Gott gebe uns Zeit. Die bald beginnende Fastenzeit biete eine gute Gelegenheit, mit sich selbst ins Gespräch zu kommen, sagte er, und empfahl den Sodalen, andere Menschen "nicht zu verurteilen, sondern anzuschauen mit einem liebenden Blick".

Am Ende des Einkehrtages feierten die Sodalen mit P. Peter Linster eine hl. Messe in der St. Magdalenakirche; anschließend zogen sie in einer Lichterfeier über den Kapellplatz. Zwei der vier Einkehrtage gestaltete P. Peter Linster, die beiden anderen Kapuzinerpater Siegbert Mayer.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner