Altöttinger Liebfrauenbote

Mit Steyler Grußkarten sich besinnen – und helfen

Malen für die Mission

Wenn Bruder Roland Scheid ausspannen will, greift er zu Farbe und Pinsel. Weihnachtliche und zeitlose Motive sind nun als Grußkarten erschienen. Ihr Erlös kommt einem Steyler Projekt in Indien zugute.

"Hoffnung der Welt" heißt ein Weihnachtsmotiv, das die Heilige Familie zeigt.
"Hoffnung der Welt" heißt ein Weihnachtsmotiv, das die Heilige Familie zeigt.

Am Anfang war die Heilige Familie. Eng aneinandergeschmiegt. Unter dem Stern von Bethlehem.

Es ist das erste Bild aus dem Weihnachtszyklus von Br. Roland Scheid. Und bis heute sein liebstes. In Darstellungen anderer Künstler stehen Jesus und Maria im Mittelpunkt. Br. Rolands Herz schlägt für den heiligen Josef. Leuchtend rot ist sein Gewand, Maria lehnt sich liebevoll an seine Schulter. Und auch Jesus, der mit neugierigen Augen in die Welt schaut, wird von Josef in einer zärtlichen Umarmung gehalten. "Natürlich ist Jesus Gottes Sohn", sagt Br. Roland Scheid. "Aber auch Josef, sein irdischer Vater, hat ihm viele wichtige Dinge mitgegeben. Mir war es wichtig, Jesus, Maria und Josef als vertraute, zusammengeschweißte Einheit zu zeigen."

Einen Meter hoch, 70 Zentimeter breit ist die Leinwand, auf der Br. Roland Scheid die Szene festgehalten hat. In einem Treppenhaus des Missionshauses St. Michael in Steyl wird sie umringt von anderen weihnachtlichen Motiven, von Hirten, Engeln und den Drei Magiern. "Zu meinen persönlichen Favoriten gehört dieses Bild", sagt der Steyler Missionar und deutet auf die Darstellung eines großen Weihnachtsfensters: Auf dem Sims steht eine Kerze, über dem Fenster hängt ein Mistelzweig. Durch das Glas fällt der Blick auf eine weite, leere Landschaft. "Das Bild ist bewusst offen gehalten, jeder kann für sich etwas hineinlegen", erklärt Br. Roland. "Der Advent steht ja für eine Zeit des Wartens und der Sehnsucht. Und so lädt dieses Motiv dazu ein, aus der warmen Stube in die Weite zu schauen, zu warten und zu hoffen."

Stress und Alltag hinter sich lassen

Auf dem Sims steht eine Kerze, über dem Fenster hängt ein Mistelzweig, der Blick geht in die Weite: Dieses adventliche Motiv von Bruder Roland ist bewusst offen gehalten.
Auf dem Sims steht eine Kerze, über dem Fenster hängt ein Mistelzweig, der Blick geht in die Weite: Dieses adventliche Motiv von Bruder Roland ist bewusst offen gehalten.

Es ist gut vier Jahre her, da hat Br. Roland auch aus einem Fenster geschaut – nämlich aus jenem seines Zimmers im Missionshaus St. Michael. "Das war ein ganz trüber Wintertag", erinnert sich der gebürtige Saarländer. "In dieser Stimmung habe ich mir plötzlich einen Ruck gegeben und das gemacht, was ich schon länger vorhatte: Ich bin losgezogen, habe mir Farben und eine Leinwand gekauft." Aktiv gemalt hatte der Steyler Missionar zuletzt als Jugendlicher.

Br. Roland Scheid lebt und arbeitet seit 2001 in Steyl, seit drei Jahren steht er dem Missionshaus St. Michael als Rektor vor. Maßgeblich hat er dazu beigetragen, dass das "Centrum St. Michael" in den vergangenen Jahren zu einem gefragten Tagungs- und Veranstaltungsort geworden ist. Zu einem Ort der Begegnung und Beratung, Besinnung und Bildung.

"Jeder ist bei uns willkommen", sagt Br. Roland, während er durch einen der langen Gänge des Missionshauses spaziert. "Jeder darf sich bei uns so angenommen fühlen, wie er ist." Ein Gedanke, den Br. Roland aus den Philippinen mitgebracht hat. Sechs Jahre lang hat er dort mit den Mangyanen zusammengelebt, der Urbevölkerung auf der Insel Mindoro. Br. Roland erzählt: "Dort gibt es keine Straßen, keine Elektrizität und kein Internet – und doch sind die Menschen so viel glücklicher als hier bei uns. Hier in Steyl versuche ich, in meinem eigenen Kulturkreis etwas von dem Glück weiterzugeben, das ich damals durch die Gastfreundschaft und bedingungslose Aufnahme bei den Mangyanen erfahren habe. Wer zu uns nach Steyl kommt, soll Stress und Alltag hinter sich lassen können."

"Oase Steyl"

Ein Kreuz, das baumgleich wächst und Blätter trägt: Für Bruder Roland symbolisiert es die Auferstehung.
Ein Kreuz, das baumgleich wächst und Blätter trägt: Für Bruder Roland symbolisiert es die Auferstehung.

In der "Oase Steyl" hat sich Br. Roland mit einem Malzimmer auch seinen eigenen Rückzugsort geschaffen. Hier, in einem der oberen Stockwerke des Missionshauses, kann er über Pinseln und Acrylfarben die Zeit vergessen, wenn alle Tagungsräume bestuhlt und alle Gäste willkommen geheißen sind. Im Mittelpunkt seiner Kunstwerke steht der Mensch, der in der irdischen Schöpfung und in der Gegenwart Gottes sein Zuhause findet. Nach vielen zeitlosen und dann weihnachtlichen Motiven arbeitet Br. Roland aktuell bereits an einem Zyklus zur Osterzeit. Vorsichtig tupft er mit einem Pinsel über die Leinwand, versieht ein großes Kreuz im Zentrum mit Laub und Ranken. "Ein Kreuz, das baumgleich wächst und Blätter trägt, und mit Licht und Strahlkraft das Meer verdrängt: Für mich symbolisiert das die Auferstehung", erklärt er. "Das Bild soll zeigen: Das Kreuz ist nicht das Letzte aller Dinge, sondern ein Tor zu neuem Leben."

Die Gäste im Missionshaus freuen sich über jedes neue Kunstwerk, das die Räume und Gänge verschönert. Br. Rolands Mitbrüder stellen sich zuweilen als Modell für den Steyler Rektor zur Verfügung. "Das ist hilfreich, wenn ich zum Beispiel Hände malen oder bestimmte Körperhaltungen festhalten möchte", sagt er. Ausgewählte Motive von Br. Roland sind inzwischen über die Steyler Missionsprokur erhältlich. Das Besondere: 40 Cent von jeder verkauften Grußkarte kommen einem der weltweiten Projekte der Steyler Missionare zugute.

Hilfe für Indien

Pro Karte gehen 40 Cent an ein Steyler Projekt im indischen Bhongir.
Pro Karte gehen 40 Cent an ein Steyler Projekt im indischen Bhongir. Pater Xavier Michael SVD widmet dort sein Leben und seine ganze Kraft den mittellosen, hilflosen und schwer kranken Menschen im indischen Bhongir. 

Aktuell profitieren Patienten in einem indischen Gesundheitszentrum von jedem Pinselstrich des Steyler Missionars. "In Bhongir kümmert sich einer meiner Mitbrüder um mittellose, schwer kranke Menschen", erklärt Br. Roland. "Es sind Menschen, die an HIV/Aids, Lepra und Tuberkulose leiden und deshalb sozial ausgegrenzt werden."

Jeden Tag werden im Gesundheitszentrum von Bhongir mehrere hundert Menschen behandelt. Bis sie an der Reihe sind, müssen sie im Freien warten – einen Warteraum gibt es nicht. Mithilfe von Spenden soll nun eine solche Überdachung ermöglicht und die Laborausstattung der Einrichtung verbessert werden. Br. Roland, der eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert hat, bevor er zu den Steyler Missionaren kam, liegt dieses Projekt besonders am Herzen. "Meine Mitbrüder vor Ort leisten einen enormen Beitrag für das gesundheitliche Wohl der Menschen", sagt er. "Ich freue mich, dass jede verkaufte Karte mit meinen Motiven dabei hilft, die Situation vor Ort zu verbessern."

Text: Markus Frädrich, Fotos: Heinz Helf 2, Markus Frädrich 1, Steyler Missionare 1

Bestellen können Sie Grußkarten mit weihnachtlichen oder zeitlosen Motiven von Br. Roland telefonisch unter 0241/980998-65 oder online auf www.steyler-mission.de/grusskarten. Jede Karte kostet einzeln 1,40 Euro, im 6er-Set 7,50 Euro zuzüglich Porto und Versand.