Altöttinger Liebfrauenbote

Bischof Stefan Oster weiht drei Diakone in der Altöttinger St. Anna-Basilika

Drei neue "Diener der Freude"

Über gleich drei neue "Diener der Freude" kann sich das Bistum Passau freuen: Als solche bezeichnete der Passauer Diözesanbischof Stefan Oster die drei frisch geweihten Diakone Michael Klug (41), Marco Stangl (24) und Peter Kunz (29). In seiner Predigt in der St. Anna-Basilika in Altötting am 3. Dezember erläuterte er u.a. mit Blick auf Paulus, wie dieser "Dienst der Freude" aussehen kann.

Gruppenfoto mit Bischof und den drei Diakonen.
Die drei neuen Diakone – vorne von links Peter Kunz, Michael Klug und Marco Stangl – mit – hinten von links – Regens Martin Dengler, Domdekan Dr. Hans Bauernfeind, Bischof Stefan Oster, Spiritual P. Mirko Legawiec, Subregens P. Robert Paulus (Regensburg) und Diakon Anton Cuffari.

"Ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde", zitierte Bischof Oster den Völkerapostel in der Ersten Tageslesung (1 Kor 9, 16-19.22-23). Diesen "Zwang" verglich er etwa mit dem Drang eines Malers, der so viele Bilder in sich habe, dass er einfach malen müsse. Bischof Oster erklärte: "Es ist kein Zwang in einem schlechten Sinn, kein Zwang, der versklavt, wie eine Sucht. Es ist ein tiefes Bedürfnis, das zu geben, das zu verschenken, was in einem ist." Paulus sei von Jesu Botschaft so ergriffen gewesen, "dass er es einfach verkündigen musste". Und diese Erfahrung, diese tiefe Überzeugung sei "bei Paulus etwas, was nicht nur in Worten, nicht nur in Verkündigung Ausdruck findet, sondern auch in der Liebe".

Bischof Oster resümierte: "Wirklich den Herrn verkünden, bedeutet auch, in der Fähigkeit wachsen, sich auf den Menschen einlassen können, dem ich verkünde. Ich kann zu einem Kind nicht sprechen wie zu einem Professor, zu einem Reichen oft nicht genauso wie zu einem Armen, zu einer Lehrerin nicht wie zu dem eben angekommenen jugendlichen Flüchtling. Aber die Liebe Christi in Paulus und in uns, die findet die Sprache, die verstanden wird. Und sie findet den Dienst der verstanden wird: Wirkliche Verkündigung ist vom Dienst am Anderen nicht zu trennen, nicht zu trennen von der Frage: Was hat dieser Mensch gerade am meisten nötig? Was kann ich ihm gerade jetzt geben? Und Dienst heißt: Diakonie."

"Der Diakon ist das 'Auge des Bischofs' für Menschen in sozialer Not"

Die Weihekandidaten vor dem Weiheakt in der Basilika.
Die Weihekandidaten vor dem Weiheakt in der Basilika.

Bischof Oster sprach auch die unterschiedlichen Lebenswege der Priesteramtskandidaten an, er redete darüber hinaus über Zweifel und von der Herausforderung des ehelosen Lebens; zu letzterem sagte er: "Ich darf Ihnen ehrlich sagen: Es wird eine Herausforderung bleiben. Und ja, es ist ein Verzicht auf ein hohes, ein schönes Gut." Bischof Oster sprach zu den drei Kandidaten: "Sie werden mit den Armen und den Schwachen gehen, Sie werden mit denen sein, die am Rande sind, die einsam sind, die krank sind, mit denen, die seelische Not haben und vor allem auch mit denen, die Hunger haben nach Gott, nach Jesus, die Hunger haben nach mehr. Damit gehen Sie auch an Ränder, wie es unser Heiliger Vater immer wünscht, an die Ränder unserer Gesellschaft, an die Ränder, wo Menschen sich ausgegrenzt fühlen aus der Gesellschaft, aus der Kirche." Er erinnerte: "In der alten Kirche hat man gesagt, der Diakon ist das 'Auge des Bischofs' für Menschen in sozialer Not."

Der Passauer Oberhirte gab den drei Kandidaten schließlich auch die feste Überzeugung mit auf den Weg, dass sie nicht allein sind; er erinnerte: "Jesus bekräftigt den Jüngern, er selbst werde mit ihnen sein, er selbst werde durch sie wirken. Und er selbst werde die Mission bekräftigen durch Zeichen und Wunder." Bischof Oster mahnte daher: "Meine Lieben, unsere Aufgabe als Verkündiger ist es deshalb, wirklich mit dem Herzen zu wachsen, Ihn immer mehr in unser Herz einzulassen, Ihn dort wirken zu lassen." Papst Franziskus versichere, dass "jeder Mensch, der Jesus begegnet, von der Freude des Evangeliums erfüllt sein wird", erinnerte Bischof Oster und schloss: "Ihr werdet also heute kraft meines Gebetes und kraft des Gebetes von uns allen zu Dienern geweiht, zu Dienern der Freude."

Vor der eigentlichen Weihe, der Handauflegung durch den Bischof, hatten sich die Kandidaten als Zeichen der persönlichen Hingabe auf den Boden gelegt. Danach wurden den Neudiakonen die liturgischen Gewänder, Stola und Dalmatika, angelegt und als sichtbares Zeichen das Evangelienbuch überreicht. Mit dem Friedensgruß nahm sie Bischof Oster in die Gemeinschaft der Priester und Diakone auf. Zahlreiche Gläubige nahmen an der feierlichen Pontifikalmesse, die von Kapellchor und -orchester unter der Leitung von Max Brunner mit Mozarts Piccolominimesse eindrucksvoll gestaltet wurde, teil. Nach einer feierlichen Vesper in der Stiftspfarrkirche am Nachmittag, zogen Priester, Diakone und Gläubige in einer feierlichen Prozession zur Gnadenkapelle, wo die drei neuen Diakone ein Weihegebiet an die Gottesmutter sprachen. Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl segnete dabei auch eine von den Diakonen mitgebrachte Votivkerze.

Drei Lebenswege, drei Berufungsgeschichten

Die drei neuen Diakone Marco Stangl, Peter Kunz und Michael Klug mit Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl in der Stiftspfarrkirche.
Die drei neuen Diakone (von links) Marco Stangl, Peter Kunz und Michael Klug mit Wallfahrtsrektor und Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl in der Stiftspfarrkirche.

Michael Klug ist derjenige mit der meisten Lebenserfahrung in diesem Trio. Der 41-Jährige stammt aus Gerlingen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nach seinem Abitur 1995 war er zunächst ein Jahr bei der Bundeswehr, ehe er eine Ausbildung als Hotelfachmann absolvierte. Sein Beruf führte ihn unter anderem in die Schweiz und nach Frankreich. Eigentlich schien seine berufliche Karriere in Richtung Marketing und Vertrieb weiterzugehen, doch dann kam ein entscheidender Wendepunkt in seinem Leben: der Tod der Mutter im Jahr 2000. "Es gab eine Zeit, in der die Kirche und der liebe Gott keine große Rolle in meinem Leben spielten", sagt er. Doch die Pflege und Begleitung seiner krebskranken Mutter bis zum Tod veränderten alles. "Durch diese Erfahrung stellte ich mir erneut die Frage nach Gott und dem Warum", sagt Klug. Wallfahrten nach Medjugorje taten ein übriges, damit der Entschluss reifen konnte, Theologie in Benediktbeuern zu studieren. "Die Salesianer Don Boscos, der besondere Ort und die Begegnung mit Menschen, die meine Berufung weiter geformt und unterstützt haben, festigten den Entschluss, nach dem Studium Priester zu werden", erklärt der 41-Jährige. Einer dieser Menschen war der damalige Dogmatikprofessor und heutige Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB.

Peter Kunz wohnt in Kirchdorf im Wald, ist aber in der Nähe von Bonn aufgewachsen, allerdings stammt seine Mutter aus Kirchdorf. Auch er hat bereits Auslandserfahrung gesammelt. Der 29-Jährige hat sein Abitur in Frankreich gemacht, studierte in Salamanca (Spanien), Rom, Regensburg und Buenos Aires (Argentinien). Laut seiner Eltern wollte Peter Kunz schon als Kind Priester werden. Er selber sagt, er habe mit 16 Jahren seinen Glauben wiederentdeckt. Die intensive Beschäftigung im Rahmen der Firmvorbereitung hätten einen Prozess in Gang gebracht, der ihn schließlich zum Noviziat bei den Legionären Christi geführt habe. Dort sei der Gedanke gewachsen, Priester in einer Pfarrei zu werden. Praktika während der Ausbildung im Priesterseminar (Arbeit mit Demenzkranken und in der Pfarrei) hätten diesen Entschluss gefestigt.

Der 24-Jährige Marco Stangl stammt aus Innernzell im Bayerischen Wald. Er hat aus dem Trio den direktesten Weg zum Priesteramt gewählt. Die Sehnsucht nach einem "Leben in Fülle" war in ihm schon von Jugend an grundgelegt. Die Hinführung zur Erstkommunion und das Vorbild seines Heimatpfarrers Johann Pfaffinger waren für ihn prägende Wegstationen. Beim Papstbesuch 2006 in Altötting stellte er sich konkret die Frage, was so viele Menschen bewegt, zu einem Gottesdienst zusammenzukommen. So kam er allmählich näher zur Kirche. Im Oktober 2011 begann Marco Stangl sein Theologiestudium, zunächst mit der Absicht, Pastoralreferent zu werden. Nach dem vierten Semester trat er ins Priesterseminar ein.

Als Diakone dürfen sie nun segnen, taufen, Trauungen halten und das Wort Gottes auslegen. Mit der Weihe, gehören Michael Klug, Marco Stangl und Peter Kunz als Diakone dem Klerus an, obwohl sie noch keine Priester sind.

Text: Michael Glaß / pbp, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Einzug in die Basilika.
Einzug in die Basilika.
Michael Klug leistet sein Treueversprechen an den Bischof.
Michael Klug leistet sein Treueversprechen an den Bischof.
Allerheiligenlitanei: die Weihekandidaten legen sich auf den Boden.
Allerheiligenlitanei: die Weihekandidaten legen sich auf den Boden.
Allerheiligenlitanei: die Weihekandidaten legen sich auf den Boden.
Allerheiligenlitanei: die Weihekandidaten legen sich auf den Boden.
Bischof Stefan Oster legt Marco Stangl die Hände auf und weiht ihn zum Diakon.
Bischof Stefan Oster legt Marco Stangl die Hände auf und weiht ihn zum Diakon.
Nach der Weihe werden die drei neuen Diakone eingekleidet.
Nach der Weihe werden die drei neuen Diakone eingekleidet.
Schließlich überreichte Bischof Oster den Diakonen – im Bild Peter Kunz – zur Verkündigung des Wortes Gottes das Evangeliar.
Schließlich überreichte Bischof Oster den Diakonen – im Bild Peter Kunz – zur Verkündigung des Wortes Gottes das Evangeliar.
Die drei neuen Diakone mit u.a. Bischof Stefan Oster am Altar der Basilika.
Die drei neuen Diakone mit u.a. Bischof Stefan Oster am Altar der Basilika.
In der Gnadenkapelle gaben die drei neuen Diakone ein Weiheversprechen an die Gottesmutter ab.
In der Gnadenkapelle gaben die drei neuen Diakone ein Weiheversprechen an die Gottesmutter ab.