Altöttinger Liebfrauenbote
Abschlussaktion mit der Versendung von Einladungskarten für 2017 per Luftballons.
Vom 3. bis zum 7. August zeigten die rund 1.500 Teilnehmer des 21. Internationalen Forums Altötting der Gemeinschaft Emmanuel, dass katholisches Glaubensleben durchaus von einer fröhlichen Stimmung geprägt sein kann. Davon zeugte auch die schöne Abschlussaktion mit der Versendung von Einladungskarten für 2017 per Luftballons.

21. Internationales Forum der Gemeinschaft Emmanuel

Katholisch – und fröhlich

Fünf Tage lang haben Gläubige beim 21. Internationalen Forum der Gemeinschaft Emmanuel vom 3. bis 7. August in Altötting gebetet, gefeiert und gesungen. Sie hinterließen dabei einen so lebendigen Eindruck, dass spontane Besucher sie gar für Angehörige einer Freikirche hielten.

Einzug der vielen Priester zur Abschlussmesse auf dem Kapellplatz.
Einzug der vielen Priester zur Abschlussmesse auf dem Kapellplatz.

Seit 20 Jahren laden die Stadt Altötting und die Gemeinschaft Emmanuel Anfang August zum Internationalen Forum ein. Wer hierher kommt, erlebt Kirche auf eine lockere und fröhliche Art.

Zum Tagesauftakt werden morgens unter freiem Himmel Loblieder gesungen, jeden Tag wird die hl. Messe gefeiert, es gibt Vorträge über den Glauben und Zeit für das persönliche Gebet. Rund 150 der 1.500 Teilnehmer gehören der Gemeinschaft Emmanuel an.

An einem Info-Stand auf dem Kapellplatz erkundigen sich vor allem spontane Besucher des Wallfahrtsortes, was es mit dem Treffen auf sich hat. Ein Mann ist besonders beeindruckt. "Ihr seid von der Freikirche", sagt er überzeugt. "Diese Fröhlichkeit kann nicht katholisch sein." Ist sie aber. Und sie ist ansteckend. Egal, ob es im Vortrag um schwere Themen geht oder um Leichtes, das Lob Gottes darf an keinem Tag fehlen.

Seitdem lässt er sich von Gott beschenken ...

Charlotte war eine der Teilnehmerinnen beim diesjährigen "Kinderforum".
"Wir haben viel gebastelt und gelacht ..." – Charlotte war eine der Teilnehmerinnen beim diesjährigen "Kinderforum".

Eine spektakuläre Aktion hatten die Verantwortlichen für den Abschlussgottesdienst vorgesehen. Rund 500 Luftballons stiegen in den blauen Himmel. Daran befestigt von Kindern gestaltete Einladungskarten für das Forum 2017. "Wir haben viel gebastelt und gelacht", hat einer geschrieben, "auch das Essen war lecker. Komm doch nächstes Jahr auch." In größerer Höhe erwischte offenbar günstiger Wind die Ballons, denn ein Einheimischer urteilte lachend: "Die Richtung passt. Nächstes Jahr kommen 500 Österreicher zum ersten Mal zum Forum ..."

Im Mittelpunkt der Tage stand die Barmherzigkeit. Zum Auftakt sprach ein Ehepaar darüber, wie es bei der Sexualität barmherzig miteinander umgeht. Die österreichische Politikerin Doraja Eberle erzählte, wie sie trotz ihrer Macht barmherzig sein kann. Und Brian Heasley, Gründer einer Gebetsinitiative, war zum Thema "Barmherzigkeit und Geld" zu hören. Lange hatte er im Luxus gelebt. Das änderte sich, als er gebeten wurde, sich um Benachteiligte auf Ibiza zu kümmern. Gehalt konnte er nicht erwarten, trotzdem wagte er mit seiner Familie den Schritt. Seitdem lässt er sich von Gott beschenken. Dass das Geld nicht mehr im Mittelpunkt steht, hat ihn barmherzig gemacht.

Am Samstag hatten sich die Teilnehmer auf Wallfahrt begeben. Rund um den Kapellplatz konnten sie in kleinen Gruppen Stationen ansteuern und für sich Barmherzigkeit einüben. An einer Station ging es zum Beispiel darum, was es bewirkt, über andere schlecht zu reden. Wer wollte, konnte Bittersalz probieren, um so im negativen Sinne auf den Geschmack zu kommen. An anderer Stelle ging es darum, sich einen Vorsatz für die nahe Zukunft zu nehmen. Mancher überlegte sehr lange und nahm sich viel Zeit für die Entscheidung. Zum Abschluss konnte jeder durch die "Pforte der Barmherzigkeit" in die Basilika St. Anna ziehen.

"Mitmachforum"

Bischof Stefan Oster gratuliert Nils Goretzky zu seiner Firmung.
Bischof Stefan Oster gratuliert Nils Goretzky zu seiner Firmung.

Kathrin Scheckenbach aus Stuttgart, die mit ihrem Mann Christian für das Forum verantwortlich war, freute sich, dass mehr Teilnehmer gekommen waren als ursprünglich geplant. Und das, obwohl es in diesem Jahr kein eigenes Programm für junge Erwachsene gab, um dem Weltjugendtag keine Konkurrenz zu machen. Wohl blieb es aber bei eigenen Foren für Kindergartenkinder, Schulkinder und Teenies.

Dort machte Bischof Stefan Oster einen Vormittag lang Station, beantwortete Fragen und feierte eine hl. Messe, in deren Verlauf er einen Erwachsenen firmte. Nur kurz sprach der Bischof vom Podium aus, dann ging er die wenigen Stufen hinunter im Saal des "Kultur- + Kongressforums", um mit den 13- bis 17- Jährigen auf Augenhöhe reden zu können. Es ging um die Eucharistische Anbetung, um das eigentlich "unspektakuläre Stückchen Brot in einer Monstranz, die meist viel spektakulärer zu sein scheint", sagte Bischof Oster. "Und doch ist in diesem Brot Jesus selbst." Fast wollte der Bischof schon wieder aufbrechen, als noch die Frage nach dem Leid in der Welt kam. "So viel Krieg, so viel Leid – wie kann Gott das zulassen?", fragte ein junger Mann. "Keiner von uns wird in dieser Welt vom Leid verschont", sagte Bischof Oster. Er habe die Hoffnung, dass "am Kreuz Jesu das ganze Leid der Welt gut aufgehoben ist". Und er zitierte den hl. Paulus, der versprach, dass die "Leiden der jetzigen Zeit nichts sind gegen die Freude, die uns in der Ewigkeit erwartet". Er gehe davon aus, dass diejenigen, die heute ammeisten zu leiden hätten, nach ihrem Tod die meiste Freude genießen dürften.

Dass das Forum Altötting ein "Mitmachforum" ist, zeigte sich nach dem Schlussgottesdienst. Wer kann, möge doch seine Sitzbank noch mit an die Seite räumen, hieß es. Anschließend blieben noch Freiwillige vor Ort, um innerhalb der nächsten Tage alle Spuren auf dem Kapellplatz und den übrigen Veranstaltungsorten zu beseitigen. Im Herbst beginnt dann die Planung für das nächste Jahr. 2017 findet das Forum Altötting vom 1. bis 5. August statt.

Text: Matthias Petersen, Fotos: Roswitha Dorfner

Mehr Infos im Internet unter www.forum-altoetting.de

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)