Altöttinger Liebfrauenbote

"Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr" im Bistum Regensburg

Ein einmaliges Patronat

Ein wohl weltweit einmaliges Patronat gibt es im Bistum Regensburg. In der Pfarrei St. Bartholomäus Zeitlarn, rund zehn Kilometer nördlich von Regensburg, steht die vor 50 Jahren erbaute Filialkirche "Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr". Sie feiert am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel (15. August) ihr Patrozinium. Die Ursprünge des Patronats gehen zurück bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs in Frankreich.

Mosaik an der Außenwand der Filialkirche: "Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr", ein Werk des Regensburger Kirchenmalers Josef Jobst aus den frühen 70er Jahren.
Mosaik an der Außenwand der Filialkirche: "Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr", ein Werk des Regensburger Kirchenmalers Josef Jobst aus den frühen 70er Jahren.

Während des Ersten Weltkriegs barg ein junger Soldat aus Bayern eine Madonnen-Statue aus einer brennenden Kirche und trug sie von da an in einem Koffer immer bei sich. Als er dann in einem Gefecht unter Beschuss geriet, blieb eine Kugel im Koffer und in der Madonna stecken und rettete ihm somit das Leben. Die Statue begleitete ihn zurück in seine Heimat und wurde von der Familie sehr verehrt.

Als sein Sohn Josef (1907-1984) in den 30er-Jahren für das Bistum Regensburg zum Priester geweiht wurde, schenkte der Vater ihm die Statue. Sein Sohn hielt sie von nun an in Ehren. Nach dem Krieg trat Josef Steindl die Stelle des Pfarrers von Zeitlarn (1949-1974) an und ließ von 1964 bis 1966 im Ortsteil Laub eine Filialkirche erbauen, die Bischof Rudolf Graber am 22. Mai 1966 konsekrierte. Alleine zur Maiandacht kamen an diesem Tag 600 Gläubige nach Laub. Hier sollte auch die Madonna aus Frankreich eine neue Heimat finden.

Maria als Wegweiserin

Madonnen-Statue und Bundesverdienstkreuz, eine nicht alltägliche Kombination in einer Kirche.
Madonnen-Statue und Bundesverdienstkreuz, eine nicht alltägliche Kombination in einer Kirche.

Eingedenk der "guten Heimkehr", die die Gottesmutter Maria seinem Vater aus dem Weltkrieg beschert hatte, erhielt die Filialkirche das von Pfarrer Steindl neu geschaffene Patronat "Unsere Liebe Frau von der guten Heimkehr". Oft ist auch von "Maria zur guten Heimkehr" die Rede. Die Statue wurde im linken Seitenaltar der Kirche platziert. Da dieser Titel der Gottesmutter aber eine Neuschöpfung war, fehlte dazu der Gedenktag. "Mariä Aufnahme in den Himmel ist wohl das bekannteste Marienfest", so Zeitlarns derzeitiger Pfarrer Josef Schießl, "da ist es naheliegend, wenn es kein eigenes Marienfest im Kalender gibt, das man auch ein berühmtes Marienfest aussucht, zu dem die Bevölkerung einen Bezug hat". Es sei auch immer das große Anliegen seines Vorgängers gewesen, dass all jene, die auf dem falschen Lebensweg waren, wieder heim in die Kirche finden. Auch dieser Gedanke könne bei der Patronatswahl eine Rolle gespielt haben.

Maria als Wegweiserin, die dem Menschen eine gute Heimkehr beschert, die ihm den Weg zum himmlischen Vater in die ewige Heimat weist, ist auch das Thema des großen Mosaikes, das sich draußen über dem Kircheneingang befindet. Das Werk des Regensburger Kirchenmalers und Bildhauers Josef Jobst (1900-1980) zeigt die Gottesmutter mit Jesusknaben inmitten verschiedener Menschen. Da sieht man ein älteres Ehepaar genauso wie eine Mutter mit Kleinkind oder einen jungen Burschen mit Motorradhelm. Links von ihr kniet ein junger Soldat in Uniform, der seine Feldmütze in der rechten Hand hält. Der Bezug zum Vater des Kirchenerbauers ist wohl offenkundig.

Viele Aktivitäten

Blick auf die Kirche.
Blick auf die Kirche.

Pfarrer Josef Steindl hat sich in den 25 Jahren seiner seelsorgerischen Tätigkeit in der Pfarrei Zeitlarn sowohl um die Pfarrgemeinde als auch um die Zivilgemeinde verdient gemacht. Neben der regen kirchlichen Bautätigkeit, sowie der Anschaffung neuer Kirchenglocken und einer Orgel, initiierte er den Bau der Regenbrücke, die Regendorf mit Zeitlarn und Laub verband. Mit Schulrektor und Bürgermeister gestaltete er das Zeitlarner Gemeindewappen und stiftete der Zivilgemeinde die Amtskette des Bürgermeisters.

Bei so vielen Aktivitäten blieben die Ehrungen nicht aus. Der Regensburger Bischof ernannte ihn zum Geistlichen Rat, die Zivilgemeinde zu ihrem Ehrenbürger. Die Bundesrepublik Deutschland zeichnete ihn mit dem Bundesverdienstkreuz aus, das seinen Ehrenplatz über der Madonna seines Vaters in der Filialkirche bekam. Als Ruhestandsgeistlicher in der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg verstarb Josef Steindl am 9. März 1984 und wurde wenige Tage später im Altarraum jener Kirche beigesetzt, deren Erbauer er war.

Text und Fotos: Carl Prämaßing