Altöttinger Liebfrauenbote

Geistliches zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes

Die Bibel und das Bier

In Bayern bildet seit jeher Kirche und Wirtshaus eine gesellschaftlich relevante Einheit. Nach dem sonntäglichen Messbesuch gehört der anschließende Stammtisch mit ein, zwei Maß Bier traditionsgemäß dazu. Im Gedenkjahr des 500. Geburtstages des "Bayerischen Reinheitsgebotes" stellte sich Regensburgs Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak die Frage: "Kommt Bier eigentlich in der Bibel vor?"

Stillleben Bibel und Bier.
Genau 16-mal kommt das Bier in der Bibel vor, dreimal sogar sehr wohlwollend.

"Wein in der Bibel, so wie im Wunder bei der Hochzeit zu Kana, ist jedermann im Bewusstsein", stellt Chrobak fest, "aber beim Bier müssen viele passen". Tatsächlich kommt Bier 16-mal in der Bibel vor, Wein genau 1.543-mal. "Man muss dann gleich noch dazu bemerken, an den 16 Stellen, an denen das Bier genannt wird, kommt der Wein ebenfalls vor, von zwei berauschenden Getränken ist da die Rede".

Das Reinheitsgebot ist jetzt 500 Jahre alt, Bier selbst gibt es aber im Zweistromland Mesopotamien schon seit rund 4.000 Jahren, manche Wissenschaftler sprechen sogar von 7.000 Jahren. Im Umland von Israel, z.B. in Ägypten und Assyrien, gibt es auch bildliche Darstellungen vom Bier und von der Herstellung und vom Verzehr des Bieres sowie auch von ägyptischen Bierbrauern und ihren Helfern.

Wirft man nun einen genauen Blick auf die 16 Stellen in der Heiligen Schrift, allesamt übrigens im Alten Testament, dann ergibt sich folgende Verteilung: Drei bewerten das Bier positiv, unter anderem als Quelle der Lebensfreude, so z.B. im Buch Sirach 40,20: "Wein und Bier erfreuen das Herz, doch mehr als beide die Freundesliebe". Im 5. Buch Mose 14,26 wird es in die Reihe der Luxusgüter eingereiht: "... dort für das Silber alles kaufen, worauf du Appetit hast – Rinder, Schafe, Ziegen, Wein und Bier, alles, wonach es deinen Gaumen verlangt –, und dann sollst du vor dem Herrn, deinem Gott, Mahl halten und fröhlich sein". Beide Getränke gehören in der Bibel zu einem festlichen Mahl dazu. Dabei besteht aber die Gefahr der Grenzüberschreitung.

Lebensfreude und Gefahr für den Charakter

Regensburgs Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak.
Regensburgs Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak wirft im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes einen Blick auf das Bier in der Heiligen Schrift.

Der Prophet Jesaja beschreibt im Kapitel 56, Vers 12 die berauschende Wirkung beider Getränke: "Kommt her, ich hole Wein. Wir trinken uns voll mit Bier. Und wie heute, so soll es auch morgen sein; hoch soll es hergehen". Das Buch der Sprüche 20,1 weist auf die Gefahren des zu hohen Bierkonsums für den Menschen hin: "Ein Zuchtloser ist der Wein, ein Lärmer das Bier; wer sich hierin verfehlt, wird nie weise." Und Jesaja 5,11 warnt: "Weh euch, die ihr schon früh am Morgen hinter dem Bier her seid und sitzen bleibt bis spät in die Nacht, wenn euch der Wein erhitzt." Die Priester des Alten Bundes werden streng vor Bierkonsum vor dem Tempeldienst gewarnt: "Wenn ihr zum Offenbarungszelt kommt, dürft ihr, du und deine Söhne, weder Wein noch Bier trinken, sonst müsst ihr sterben. Das gelte bei euch als feste Regel von Generation zu Generation. Ihr sollt zwischen heilig und profan, zwischen unrein und rein unterscheiden" (3. Buch Mose 10,9-10).

In der alten Bischofsstadt Regensburg gibt es die Brauerei Bischofshof, die jahrhundertelang in der Nähe des Domes und der Bischöflichen Residenz untergebracht war. Von 1649 bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie dort zu Hause, bis zur Umsiedlung in die Dechbettener Straße. "Interessant ist, dass das Bischofshofbier", so Stadtheimatpfleger Chrobak, "noch einen Bezug zum Priesternachwuchs im Bistum Regensburg hat". Der Gewinn aus der Bischofshofbrauerei fällt nämlich der Bischöflichen Knabenseminarstiftung St. Wolfgang von 1844 zu. Bischof Valentin von Riedel (1842-1857) hatte im Jahre 1852 die Bischofshofbrauerei, die sich seit der Säkularisation in Staats- oder Privatbesitz befunden hatte, nebst Gaststätte zum Preis von 80.000 Gulden erworben und 1853 der Stiftung zukommen lassen.

Text und Fotos: Carl Prämaßing