Altöttinger Liebfrauenbote
Eine super Stimmung hatten die Pilger trotz der Strapazen beim Einzug in Altötting.
Eine super Stimmung hatten die Pilger trotz der Strapazen beim Einzug in Altötting.

Über 5.000 Passauer Diözesanfußwallfahrer erreichen Altötting

Aufbrechen und den Glauben vertiefen

90 km in zwei Tagen zu Fuß, und das auch noch bei Regen, Nässe und Kälte. Da waren Zweifel angebracht. Dennoch erreichten am 9. April weit über 5.000 "Passauer Jugendfußwallfahrer" ihr Ziel in Altötting. Was es wert war, alle Zweifel über Bord zu werfen, verdeutlichten auch die beiden Gottesdienste in der St. Anna-Basilika.

Jugendpfarrer Wolfgang de Jong zeigt, dass man manche Zweifel einfach über Bord werfen muss.
Jugendpfarrer Wolfgang de Jong zeigt, dass man manche Zweifel einfach über Bord werfen muss.

Plötzlich lagen all die Schachteln verstreut im Altarraum; Schachteln, beschriftet mit wenig frohmachenden Begriffen wie "Zorn, Eitelkeit, Coolsein, Glaubenszweifel ...". Gerade eben noch waren sie aufeinandergestapelt und versperrten den Blick auf den Altar. Jugendliche stießen sie schließlich um, und Jugendpfarrer Wolfgang de Jong zeigte auf den Altar und erklärte: "Der Altar steht für Jesus Christus, und Jesus ist es wert, alle Zweifel über Bord zu schmeißen!" Hin und wieder braucht es eben einen kräftigen Anstoß, um aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen. Predigt und Rollenspiel bei der Jugendmesse am Tag nach der Ankunft, am Vormittag des 10. April, thematisierten dabei nicht nur die Zweifel, gegen die ein Wallfahrer ankämpfen muss; sie schufen darüber hinaus einen Bezug zu längst vergangenen Aufbrüchen: zu "Abrahams Berufung und Wanderung nach Kanaan" (Gen 12,1-9, Lesung) und zur "Berufung der ersten Jünger" (Mk 1,16-20, Evangelium).

"Vorgeschmack auf den Himmel"

Einzug mit "Pauken und Trompeten".
Einzug mit "Pauken und Trompeten".
"La Ola"-Welle in der Basilika, im Vordergrund Bischof Stefan Oster.
"La Ola"-Welle in der Basilika, im Vordergrund Bischof Stefan Oster.

Dass es sich tatsächlich rentiert hat aufzubrechen, verdeutlichte die Stimmung unter den Pilgern nicht nur bei der Jugendmesse am Folgetag, sondern vor allem bei der Ankunft am Kapellplatz und in der Basilika, als immer wieder Applaus aufbrandete und "La Ola"-Wellen durch die Kirche "schwappten". "Brich auf!" war das aufmunternde Motto der diesjährigen 71. "Passauer Jugendfußwallfahrt" (seit 1946), und auch Bischof Stefan Oster ließ sich heuer ermuntern. An beiden Tagen machte er sich ein Stück mit auf den Weg, am ersten Tag schloss er sich dem Zug aus Passau an, am zweiten Tag dem Zug aus Osterhofen. Dabei entging ihm nicht der Kampf der Pilger mit "Blasen und brennenden Haxen", aber eben auch nicht die Mut machende Atmosphäre mit Gesprächen, Gebet und Gesang, die schließlich bei der Ankunft in Altötting ihren Höhepunkt erreichte: "Was für ein Anblick, wenn man hier oben steht", stellte Bischof Oster fest, als er die Wallfahrer in der Basilika begrüßte. Es sei eine große Freude hier dabei sein zu können und anzukommen. Bischof Oster: "Es ist eine wunderbare Erfahrung, wenn sich so viele Menschen aus dem Glauben heraus auf den Weg machen. Das ist ein leiser Vorgeschmack auf den Himmel, dort ist dann richtig Party!" Auch der stellvertretende Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker war begeistert: "Hier kommt Glauben zum Ausdruck, der uns miteinander verbindet", stellte er fest.

"Wir brauchen einander, um den Glauben tiefer zu verstehen und im Glauben zu bestehen"

Bischof Stefan Oster begrüßt einen Pilger mit einer "besonderen" Botschaft: "Meine Kraft liegt in Jesus" steht auf dessen T-Shirt, auf das Bischof Oster deutet.
Bischof Stefan Oster begrüßt einen Pilger mit einer "besonderen" Botschaft.
Bischof Stefan Oster bei der Predigt in der Basilika.
Bischof Stefan Oster bei der Predigt in der Basilika.
Bild des Zelebranten und der Konzelebranten.
Der stellvertretende Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker (v.l.), Jugendpfarrer Wolfgang de Jong, Bischof Stefan Oster, Dekan Heribert Schauer, Subregens P. Robert Paulus, Domkapitular Gerhard Auer.

Bei der Vorabendmesse am Tag der Ankunft, 9. April, lenkte Bischof Oster in seiner Predigt den Blick auf Petrus: Auch dieser habe mehrere "Aufbrüche im Leben als Jünger und Apostel Jesu" erlebt, stellte er fest. In Anlehnung an das Evangelium (Joh 21,1-19) betonte Bischof Oster: Nicht Petrus, der Fels, sondern der Lieblingsjünger Johannes habe den auferstandenen Jesus erkannt, als dieser sich am See von Tiberias den Aposteln offenbarte. Weiter erinnerte er: Dreimal habe Petrus den Herrn verleugnet, und doch habe ihn dieser wieder zum "Chef" der Apostel gemacht. Die Erfahrung, wie sehr Jesus liebt, könnten Gläubige auch auf einer Wallfahrt machen, zeigte sich Bischof Oster überzeugt: Aufzubrechen, "nachzufolgen", miteinander unterwegs zu sein und zu beten schaffe nicht nur ein Glücksgefühl, sondern lasse auch den Glauben vertiefen. "Wir brauchen einander, um den Glauben tiefer zu verstehen und im Glauben zu bestehen", stellte Bischof Oster fest.

Beim festlichen Abendgottesdienst mit Bischof Dr. Stefan Oster waren unter den zahlreichen Konzelebranten neben Jugendpfarrer Wolfgang de Jong auch Domkapitular Gerhard Auer, Dekan Heribert Schauer, Subregens Robert Paulus sowie die beiden Kapuziner-Guardiane P. Norbert Schlenker (St. Magdalena) und P. Berthold Oehler (St. Konrad). Nach dem Gottesdienst zogen die Pilger in einer Lichterprozession hinauf zum Kapellplatz; Bischof Stefan Oster spendete nochmals den Segen vor der Gnadenkapelle. Für die gewohnt schwungvolle Musik bei den Gottesdiensten und der Lichterprozession sorgten dieses Mal die Gruppen "SteRiJo and friends" und "Nick and friends" (aus Altötting und Umgebung). Gesammelt wurde für einen guten Zweck: für das BDKJ-Projekt "Mia san Clown", für einen Klinikclown für das Altöttinger Krankenhaus.

Organisiert hatte die Wallfahrt auch heuer wieder der Bund der Katholischen Jugend Passau (BDKJ) und das Bischöfliche Jugendamt. Insgesamt verlief diese sehr gut, nur ein Zwischenfall ereignete sich in Marktl/Inn: dort lief eine 53-jährige Pilgerin in ein Auto und musste mit "leichten Verletzungen" ins Krankenhaus gebracht werden, wie der "Alt-Neuöttinger Anzeiger" berichtete. Die Pilgerin war laut Veranstalter jedoch nicht unter dem Schutz des großen Wallfahrtszugs unterwegs, sondern hatte sich alleine auf den Weg gemacht.

Text: Michael Glaß/Roswitha Dorfner, Fotos: Roswitha Dorfner 33, Michael Glaß 1

Impressionen

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