Altöttinger Liebfrauenbote

Über 1.500 Gläubige feiern Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation

"Freiheit kommt von innen"

Über 1.500 Gläubige sind auch dieses Jahr nach Altötting gekommen, um am 20. September das traditionelle Herbsthauptfest der Marianischen Männerkongregation (MC) zu feiern. Der Leiter des Referats für Männerseelsorge im Bistum Passau, Domkapitular Gerhard Auer, zelebrierte den Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika. In seiner Predigt setzte er sich mit der Frage nach einer richtig verstandenen Freiheit auseinander. Dabei äußerte er sich – ebenso wie MC-Präses Kapuzinerpater Br. Georg Greimel bei der Neuaufnahmefeier am Nachmittag – auch zu den derzeit drängenden Themen Flucht und Migration. Klar ist: Einfache Antworten gibt es nicht, dafür aber eine klare Absage an Fremdenhass, einen Aufruf zum "Bekenntnis des eigenen Glaubens" und einen deutlichen Hinweis auf die "Kraft des Gebets".

Domkapitular Georg Auer, MC-Präses Br. Georg Greimel und Diakon Georg Hifinger bei der Feier der Eucharistie.
Domkapitular Georg Auer (M.), MC-Präses Br. Georg Greimel (r.) und Diakon Georg Hifinger bei der Feier der Eucharistie.

"Wir müssen uns bewusst sein: die eigene Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit anderer schmälert und bedroht", betonte Domkapitular Auer. Das gesellschaftliche Maß an Denk- und Bewegungsfreiheit sei "wohl nirgendwo so groß wie bei uns" – darüber könne jeder froh sein, doch dieses hohe Maß an Freiheit erhöhe auch die Gefahr des Missbrauchs; Auer verurteilte "Respektlosigkeit gegen Minderheiten", "Fremdenhass", "Verleumdung" und "Respektlosigkeit gegenüber religiösen Überzeugungen", und er mahnte: "Unsere christliche Überzeugung – 'wir sind alle Kinder Gottes' – ist zugleich Aufgabe und Geschenk." Bereits in seiner Begrüßung zu Beginn des Gottesdienstes sagte Auer an die Gottesdienstbesucher gewandt: "Unsere Zeit braucht Ihr Bekenntnis zum Glauben." Zu "gegenseitigem Respekt" mahnte auch Br. Georg in seiner Predigt; mit Bezug auf den Dichter Franz Werfel und dessen berühmten Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" über den Völkermord an den Armeniern forderte er "aus der Vergangenheit zu lernen, um die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern". Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen und des großen Anteils an Muslimen unter den Flüchtlingen warnte Br. Georg vor einer Angst vor Islamisierung und ermutigte die Zuhörer, sich mit den "eigenen christlichen Wurzeln" zu befassen und sich "mutig" zum Christentum zu bekennen. Denn: Wer wisse, wer er ist, der habe auch weniger Angst. Konkret bezog er sich auf Aussagen Angela Merkels am 7. September an der Universität Bern und merkte dazu an: "Das könnte die Kanzlerin bei uns ruhig auch mal sagen." Insbesondere rief Br. Georg die Gottesdienstbesucher auf zum "Gebet für den Frieden in der Welt".

"Radikaler Blickwechsel"

MC-Präses Br. Georg Greimel mit der Monstranz – bei der feierlichen Prozession am Nachmittag hielten die MC-Sodalen Statio vor der Gnadenkapelle.
MC-Präses Br. Georg Greimel mit der Monstranz – bei der feierlichen Prozession am Nachmittag hielten die MC-Sodalen Statio vor der Gnadenkapelle.

Dass das Gebet eine ganz eigene Kraft entfalten kann, betonte zuvor auch Domkapitular Auer. Neben der Gewissenserforschung sei dieses zentrale Voraussetzung für die "Herzensbildung". "Die reife Freiheit kommt von innen", erklärte er und fügte hinzu: Zur "reifen Freiheit" gehöre auch die Einhaltung von Regeln, und erst "durch die Herzensbildung werden wir zwanglos ohne äußeren Druck". Mit Blick auf das Tagesevangelium (Mk 9,30-37) – "Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen: Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf" – forderte Auer einen "radikalen Blickwechsel": Ein Kind habe "die Logik der Welt noch nicht verinnerlicht", es lebe "nicht, weil es etwas bringt, sondern weil es Freude macht", und es liebe Gott "nicht aus Berechnung, sondern um seiner selbst willen". Jesus selbst sei dieses Kind. Jesus zeige den Weg zu einer neuen, reifen Freiheit.

Neuaufnahmen und Lebensweihe

MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) gratuliert zur Neuaufnahme in die MC.
MC-Präfekt Stefan Burghart (l.) gratuliert zur Neuaufnahme in die MC.

Beim Festgottesdienst am Vormittag war die Basilika nahezu bis auf den letzten Platz besetzt, viele folgten der feierlichen Messe – von der Altöttinger Hofmusik unter der Leitung von Karlmann Kanzler mit Liedern aus der Schubert-Messe sowie Johanna Kowatschewitsch an der Orgel musikalisch gestaltet – auch auf den Emporen. Insgesamt 47 Fahnen wurden gezählt. Als Konzelebranten unterstützten Pfr. Marco Richtschnur, MC-Präses Br. Georg Greimel, assistiert von Diakon Georg Hifinger, den Hauptzelebranten Domkapitular Auer. Unter den Gottesdienstbesuchern waren u.a. MdB Stephan Mayer, MdL Martin Huber, Landrat Erwin Schneider und Kreisräte sowie Altöttings Zweiter Bürgermeister Wolfgang Sellner und Stadträte. Nach der Aufnahmefeier am Nachmittag – sechs Männer ließen sich feierlich aufnehmen, beim Festgottesdienst am Vormittag hatten bereits zehn MC-Sodalen nach einjähriger Mitgliedschaft ihre Lebensweihe abgelegt – zogen die Sodalen in einer feierlichen Prozession über den Kapellplatz und hielten Statio vor der Gnadenkapelle.

Familienprogramm kommt gut an

Beim Familienprogramm führte u.a. Br. Ernst-Konrad durch das Br. Konradkloster.
Beim Familienprogramm führte u.a. Br. Ernst-Konrad durch das Br. Konradkloster.

Das heuer beim Frühjahrshauptfest eingeführte Familienprogramm fand auch dieses Mal mit über 20 Teilnehmern, darunter hauptsächlich Kinder – guten Anklang: Claudia Heuwieser führte durch die Dioramenschau im Gebäude des Altöttinger Marienwerks; Br. Ernst-Konrad Mackenbrock führte durch das Br. Konradkloster. Beim Treffen der Obmänner nach dem Festgottesdienst im Kongregationssaal dankte MC-Präses Georg Greimel erneut für die Unterstützung bei der Renovierung der Basilika – von den insgesamt rund 3,6 Mio. Euro an Spenden und Zuschüssen kamen über 960.000 Euro von Sodalen und Gruppen der MC, informierte er. MC-Präfekt Stefan Burghart berichtete u.a. von einem Treffen der europäischen Marianischen Kongregationen in Krakau. Deutschlandweit befänden sich diese bereits seit Jahren im Austausch; europaweit werde dieser 2017 in Rom fortgesetzt. Viele Marianische Kongregationen gebe es in Polen, informierte Burghart, der Schwerpunkt aber liege klar in Bayern. Außerdem kündigte Burghart für September 2016 eine Festwoche zum Thema "10 Jahre Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland" an; Erzbischof Georg Gänswein habe bereits als Prediger zugesagt. Schließlich dankte Burghart den MC-Sodalen, die sich in Altötting als Pilgerbetreuer zur Verfügung gestellt haben.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

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