Altöttinger Liebfrauenbote

Gerhard Dorfner aus Winzer an der Donau ging schon 115 Mal nach Altötting

Über 10.000 km gepilgert

Es ist eigentlich unvorstellbar – und doch ist es wahr. Gerhard Dorfner aus Winzer an der Donau ist vor wenigen Tagen zum sage und schreibe 115. Mal zu Fuß nach Altötting marschiert.

Gerhard Dorfner feierte bei seiner 115. Wallfahrt nach Altötting bei Elfriede und Jakob Bumeder ein kleines Jubiläum: Zum 25. Mal kehrte er bei "seinen Herbergsleit" zum Übernachten ein.
Gerhard Dorfner (M.) feierte bei seiner 115. Wallfahrt nach Altötting bei Elfriede und Jakob Bumeder ein kleines Jubiläum: Zum 25. Mal kehrte er bei "seinen Herbergsleit" zum Übernachten ein.

Daheim ist er in Bergham bei Winzer, ist 73 Jahre alt und gelernter Bäcker, mittlerweile natürlich in Rente. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Sohn lebt als Franziskanerbruder in Rom. Alle seine Fußwallfahrten hat er fein säuberlich niedergeschrieben. Das erste Mal ging er die 90 Kilometer lange Strecke im Jahre 1995 mit den Winzerer Wallfahrern. Während er in den folgenden Jahren jeweils einmal an den Fußwallfahrten teilnahm, steigerte er sich ab dem Jahr 2003; da nahm er die Strapazen schon zweimal auf sich. Blättert man in seinen Aufzeichnungen, stellt man fest, dass er im Jahr 2009 insgesamt zwölf Mal und 2012 gar 17 Mal in den Gnadenort gepilgert ist. Sein 100. Jubiläum feierte er am 19. und 20. Mai 2014. Zählt man die Wallfahrten in diesem Jahr zusammen, so kommt man immerhin schon auf acht. "Mindestens noch zwei- dreimal möcht' i heuer schon no geh", spornt er sich selbst an.

Der Streckenverlauf: Von Osterhofen geht er über Vierhöfen und Göttersdorf nach Münchsdorf, wo er so gegen 6 Uhr morgens seine erste Rast macht. "Da hat die Bäckerei schon offen und des Haferl Kaffee und die zwei Brötchen schmecken besonders gut." Nachdem er noch zwei Flaschen Wasser in den Rucksack gepackt hat, geht es weiter über Kudlhub nach Schönau, das er zur frühen Mittagszeit erreicht. Hier geht er zuerst in die Kirche und dann zur Metzgerei Stallhofer zum Brotzeit machen. Etwa um 15 Uhr erreicht er den stattlichen Bauernhof von Elfriede und Jakob Bumeder in Fuchsberg, der gleich nach Eggenfelden in südlicher Richtung liegt. Seit der Schließung des Franziskanerklosters schlägt er hier sein Nachtquartier auf. "Den Platz haben mir die Winzerer Wallfahrer verraten und am 14. August 2013 war ich das erste Mal da", erinnert sich der 73-Jährige, der sich "Beim Fuchsberger" schon wie zu Hause fühlt – auch dank der leckeren Speisen, liebevoll zubereitet von der "Herbergsmutter" Elfriede. Natürlich hält er mit dem Jakob noch den einen oder anderen Plausch, dann aber geht es ab "in die Federn". Gegen ein Uhr nachts wird der Wallfahrer wieder geweckt. Zum "mitternächtlichen Frühstück" gibt es "a Mille und a Brot zum Eibrocka", worauf sich der Pilger jedes Mal besonders freut. Kurz vor zwei Uhr erfolgt der Abmarsch nach Altötting, das er gegen 8 Uhr erreicht. Hier führt ihn der erste Weg in die Gnadenkapelle zur hl. Messe "und dann geh i no zum Bruder Konrad". Mit dem Zug fährt er wieder zurück in die Heimat, die er – wenn es glatt läuft – am Nachmittag erreicht.

"Ich bin kein Wanderer, ich bin ein Wallfahrer. Da wird gebetet."

Auf die Frage, was ihm denn beim Gehen so alles durch den Kopf geht, sagt Gerhard Dorfner: "Ich bin kein Wanderer, ich bin ein Wallfahrer. Da wird gebetet." Und dennoch: "Ich bete nicht einen Rosenkranz nach dem anderen, nein, ich halte auch Zwiesprache mit meinem Herrgott und bringe meine Anliegen vor."
Apropos Anliegen. "Das erste Mal bin ich gegangen, damit wir überhaupt einmal ein Enkelkind kriegen", erinnert sich der Pilger. Später dann, als er im Jahr 2008 beim Obsternten von der Leiter fiel und haarscharf an einer Querschnittslähmung vorbeischrammte, kam die Gesundheit noch zu den Bitten an den Herrgott hinzu. Besonders dankbar ist Gerhard Dorfner, dass er sich nicht jedes Mal eine neue Übernachtungsstätte suchen muss. So ruft er immer, bevor er von zu Hause weggeht, bei den Bumeders an, die sich freuen, wenn sie "ihren" Wallfahrer wieder beherbergen dürfen. Diese haben viel Erfahrung mit Wallfahrern, kommen doch jedes Jahr am Freitag vor Pfingsten 32 Pilger aus Winzer und am nächsten Tag noch einmal so viel aus Straubing, die alle auf dem Weg nach Altötting sind. Zu Ehren ihres Wallfahrers hat Elfriede Bumeder sogar einen Liedtext gedichtet: "Da Dorfner Gerhard, a eiserne Natur, is scho über hundert Moi auf Eding ganga, da ghört was dazua. Und seit er in Rente is, so hod a uns gsagt, hod a s'Wallfahrtn zum Beruf a glei gmacht."

Text und Foto: Franz-Xaver Eder