Altöttinger Liebfrauenbote

Wallfahrt der Barmherzigen Brüder in Bayern – Pontifikalgottesdienst mit Bischof em. Wilhelm Schraml

Stets gastfreundlich geblieben

2015 haben die Barmherzigen Brüder in Bayern zum "Jahr der Berufung zur Hospitalität" ausgerufen. Die Hospitalität, bzw. Gastfreundschaft spigelt sich in vielen Tätigkeiten der Ordensbrüder wider. Eine herzliche Gastfreundschaft wurde nun auch den Barmherzigen Brüdern und deren Provinzial P. Benedikt Hau sowie den vielen kranken und behinderten Wallfahrtsteilnehmern aus den bayerischen Einrichtungen mit den zahlreichen Helfern am 30. September in Altötting zuteil.

Bischof em. Wilhelm Schraml predigt neben einem lebendig gestalteten Kreuz. Bei den vorgetragenen Fürbitten wurde das große Holzkreuz im Presbyterium der St. Anna-Basilika mit mitgebrachten Bildtafeln versehen.
Bischof em. Wilhelm Schraml predigt neben einem lebendig gestalteten Kreuz. Bei den vorgetragenen Fürbitten wurde das große Holzkreuz im Presbyterium der St. Anna-Basilika mit mitgebrachten Bildtafeln versehen.

Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und dessen Stellvertreter Kapuzinerpater Norbert Schlenker begrüßten die über 1.000 Pilger in der St. Anna-Basilika. Zuvor waren sie – begleitet von der Musikkapelle Altötting – über den Kapellplatz gezogen. Ein Pappe-Puzzleteil, das die Teilnehmer mit sich trugen, verwies auf das Wallfahrtsmotto: "Hospitalität: Klar, ich bin dabei!"

Mit Bischof em. Wilhelm Schraml feierten die Pilger schließlich einen festlichen Pontifikalgottesdienst in der St. Anna-Basilika; zahlreiche Konzelebranten und Ministranten unterstützten den Altbischof und Altöttinger Ehrenbürger. Erfrischend gestaltete der Chor aus Helfern und Behinderten die Festmesse. Bei den vorgetragenen Fürbitten wurde das große Holzkreuz im Presbyterium der St. Anna-Basilika mit mitgebrachten Bildtafeln versehen – Fotos mit ausdrucksvollen Bildern über das segensreiche Wirken der Barmherzigen Brüder. Diese sind mittlerweile in 53 Ländern aktiv und engagieren sich vor allem in der Alten- und Krankenpflege, in der Behindertenhilfe und Obdachlosenfürsorge. In Bayern sind sie u.a. in Regensburg, Straubing, München, Reichenbach/Opf., Algasing, Schloss Weißenstein/Gremsdorf sowie Schloss Malseneck tätig.

"Du sollst sein wie ein Fenster"

Bischof em. Wilhelm Schraml begrüßt einen Pilger.
Bischof em. Wilhelm Schraml begrüßt einen Pilger.

In seiner Predigt erinnerte Bischof em. Schraml an eine Geschichte des Jesuitenpaters und Schriftstellers Peter Lippert über einen Burschen aus dem Engadin/Schweiz, der einen verletzten jungen Mann den Berg hinauftrug. Der Mann habe darin keine Last gesehen, sondern ein Werk der Barmherzigkeit und der helfenden Liebe. Eindringlich schilderte Bischof  Schraml auch die Geschichte aus dem Johannes-Evangelium (Joh 5,2f) über den gelähmten Mann am Teich Betesda, der nach 38 Jahren von Jesus Heilung fand. Dieser Mann hätte kein Problem mit seiner Krankheit gezeigt, sondern damit, dass sich keiner fand, der ihn zum Waschen in den Teich trug. Der Ausruf: "Ich habe keinen Menschen!" – dieses "trostlose Wort des armen Behinderten" sitze tief und könne auch in die heutige Zeit übertragen werden, betonte Schraml. Der Altbischof dankte ausdrücklich für den Dienst der Mitarbeiter und Helfer in den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder und betonte die Bedeutung des mitleidigen Helfens – "dass jemand da ist der Zeit hat, anhört, mit diesen Menschen spricht und sie ans Herz drückt". Schraml erinnerte an Worte der hl. Edith Stein: "Du sollst sein wie ein Fenster, durch das Gottes Liebe in die Welt hineinleuchten will." Dadurch werde das Leben auch der Mitmenschen heller.

Bischof em. Schraml richtete ein herzliches Vergelt's Gott an die  Barmherzigen Brüder, deren Einsatz für die Armen und Behinderten, den Ausgegrenzten und Obdachlosen ein "Stück Himmel auf Erden" bedeute, ein Segen für die Menschen, die Hilfe benötigten. Die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder, von Johannes von Gott im Jahr 1539 gegründet und 1571 von Papst Pius V. offiziell anerkannt, bezeichnete Bischof Schraml als eine "Geschichte der Liebe im Zeichen des Kreuzes".

Bei der nachmittäglichen Andacht vor der Gnadenkapelle spendete Bischof em. Wilhelm Schraml abschließend mit einer Kopie des Gnadenbildes den Pilgersegen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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