Altöttinger Liebfrauenbote

"Heilige der Woche": Franz von Assisi

"Bruder Jesu"

Der heilige Franziskus von Assisi (um 1181/82-1226) ist zweifellos einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen – nicht erst seit sich der erste Papst nach dem "Poverello" ("der kleine Arme") benannt hat. Und doch lohnt immer wieder ein neuer Blick auf den "kleinen" großen Heiligen, der auch so viele Nichtchristen fasziniert.

Darstellung des hl. Franziskus in der St. Anna-Basilika, Altötting.
Darstellung des hl. Franziskus in der St. Anna-Basilika, Altötting.

Charismatischer Prediger und Ordensgründer der Franziskaner; reicher junger Mann mit einem ausschweifenden Lebensstil, der in einer Krise sein Leben auf den Kopf stellt; Laie gegen die Macht des Klerus; spiritueller Geist an der Seite der Armen und Kranken; konservativer Erneuerer der Kirche; "Naturbursche" und Freund der Tiere – Franziskus wurde vielfach charakterisiert und ist dennoch schwer zu fassen. Der damalige Papst Benedikt XVI. versuchte es bei seiner Generalaudienz am 27. Januar 2010 in einer längeren Ausführung. Darin kam er u.a. zu dem Schluss, dass der Heilige der Kirche von der historischen Person nicht zu trennen sei: "Der wahre historische Franziskus ist der hl. Franziskus der Kirche, und genau in dieser Weise spricht er auch zu den Nichtglaubenden, zu den Gläubigen anderer Bekenntnisse und Religionen."

Benedikt XVI. resümierte: Franziskus "war wirklich eine lebendige Ikone Christi. Er wurde auch 'Bruder Jesu' genannt. Das war in der Tat sein Ideal: Wie Jesus sein; den Christus des Evangeliums betrachten, ihn innig lieben, seine Tugenden nachahmen (....) Die erste Seligpreisung der Bergpredigt – 'Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich' (Mt 5,3) – hat im Leben und in den Worten des hl. Franziskus eine leuchtende Verwirklichung gefunden."

Weg des Dialogs

Die traditionelle "Marienseite" im "Boten" zeigt aktuell einen Ausschnitt vom "Franziskus-Altar" in der Altöttinger Basilika St. Anna; darüber ein Gruß des hl. Franziskus an die Gottesmutter.
Die traditionelle "Marienseite" im "Boten" zeigt aktuell einen Ausschnitt vom "Franziskus-Altar" in der Altöttinger Basilika St. Anna; darüber ein Gruß des hl. Franziskus an die Gottesmutter.

Radikal war Franziskus in seinen Forderungen, konsequent in der Christus-Nachfolge und ungeheuer mitfühlend gegenüber allen anderen Geschöpfen. Liebevoll hat er etwa die Natur in "Bruder Wind und Schwester Wasser" oder in "Bruder Sonne und Schwester Mond" eingeteilt – sein berühmter "Sonnengesang" beeindruckt bis heute und hat sogar der jüngsten Papstenzyklika zur Bewahrung der Schöpfung "Laudato si" ihren Namen gegeben. Anders als für viele Menschen heute, die oft nach Nützlichkeitserwägungen handeln, gingen für Franziskus die menschlichen Beziehungen über alles; er predigte die Vision einer Menschlichkeit, die gerade auch heute vor dem Hintergrund der vielen Menschen auf der Flucht zu denken gibt.

Auch im Umgang mit dem Islam kann der hl. Franziskus heute noch dienen; Benedikt XVI. hob in seinen Ausführungen 2010 das Treffen Franziskus' mit dem muslimischen Sultan Melek-el-Kâmel im Jahr 1219 hervor: "In einer Epoche, in der eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Christentum und dem Islam im Gange war, schlug Franziskus, ganz bewusst nur mit seinem Glauben und seiner persönlichen Milde gewappnet, wirksam den Weg des Dialogs ein. Die Chroniken berichten uns von einer wohlwollenden und herzlichen Aufnahme durch den muslimischen Sultan. Das ist ein Vorbild, an dem sich auch heute die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen inspirieren sollten: einen Dialog in der Wahrheit, im gegenseitigen Respekt und im gegenseitigen Verständnis zu fördern."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner 1, red 1