Altöttinger Liebfrauenbote

Alte Tradition der Bestattungskutsche im Chiemgau wiederbelebt

"Jeder Mensch ist individuell"

Peter Herdegen aus Breitbrunn ist in dritter Generation und seit 35 Jahren als Bestatter tätig. Dabei hat er schon viel erlebt in einer Branche, in der Leben und Tod aufeinander treffen. Besonders wichtig ist ihm, dass der letzte Erdenweg würdig und im Sinne der Verstorbenen bzw. der Hinterbliebenen gestaltet wird. Dafür kann Herdegen nun eine zusätzliche Leistung anbieten. Nach jahrelangem Suchen entdeckte er durch Zufall eine alte, fast vergessene Bestattungskutsche, die er kaufen und herrichten lassen konnte.

Die Bestattungskutsche des Bestattungsunternehmers und Brauchtumspflegers Peter Herdegen.
Die Bestattungskutsche des Bestattungsunternehmers und Brauchtumspflegers Peter Herdegen.

Dabei kam ihm zugute, dass sein Bestattungs-Betrieb mit sieben Mitarbeitern vor vielen Jahren aus dem elterlichen Schreinerei-Betrieb hervorgegangen ist. Die Schreinerei wird heute von seinem Bruder Thomas geführt, das Bestattungsunternehmen durch Schreiner Florian Weise in allen Bereichen tatkräftig unterstützt. Die beiden Geschäftsbereiche sind nach wie vor ein Familienbetrieb.

Das zusätzliche Bestattungsfahrzeug ist ein sogenannter "Wiener Säulenwagen" auf dem Fahrgestell eines "Landauers", sein Alter wird auf 150 Jahre geschätzt. An jeder Ecke des Wagens schmückt zusätzlich ein Engel das Prunkfahrzeug, ein vierseitiger Samtvorhang rundet das edle Erscheinungsbild ab.

Bei der Restauration in der Werkstatt des Bruders Thomas wurden sämtliche fehlenden Teile neu angefertigt und so kann die Kutsche für den Sarg- bzw. Urnen-Transport ab sofort eingesetzt werden. So wie früher, als die Verstorbenen von ihrem Haus zum Friedhof transportiert wurden, sind jetzt Fahrten zur letzten Ruhestätte wieder möglich: Die Bestattungskutsche kann für jede Art der Trauerfeierlichkeiten (Verabschiedungen, Überführung zum Friedhof oder bei Beerdigungen) eingesetzt werden. Die Trauergäste können dabei dem Verstorbenen zu Fuß, mit dem Auto oder auch durch weitere Kutschen folgen.

Zuletzt 1957 im Einsatz

"Jeder Mensch ist individuell, dadurch soll auch bei seiner Bestattung die passende Form gefunden werden", so Peter Herdegen, der sichtlich stolz ist, ein Zeitdokument der letzten Jahrzehnte wiederbelebt zu haben.

Der Bestatter erzählt: "Früher wurde bei einem Sterbefall vom Schreiner der Sarg nach Maß angefertigt und der Verstorbene zu Hause aufgebahrt. Diese Tätigkeiten verrichteten auch schon mein Großvater und Vater. Zur Beerdigung wurde dann der Sarg mit der Bestattungskutsche in einem Trauerzug zum Friedhof gebracht, in Breitbrunn am Chiemsee war zuletzt im Jahr 1957 ein solcher Leichenwagen im Einsatz. Dieser gehörte der Gemeinde und war bei einem Bauern untergestellt, der auch die nötigen Pferde besaß und einspannte."

Kutscher und Pferde werden auch heute noch, so Herdegen weiter, sorgfältig ausgesucht, denn eine Trauerfeierlichkeit müsse auch seriös und sicher verlaufen. Für das neue Angebot hat er Kutscher und Pferde aus der näheren Umgebung gewonnen. Somit steht der Bestattungswagen wohl vorbereitet jederzeit zur Verfügung.

Text und Fotos: Anton Hötzelsperger