Altöttinger Liebfrauenbote

Renate Gredler pilgert mit ihrem Esel nach Jerusalem und sammelt Spenden für die Blindenmission

Mit Valentino ins Heilige Land

56 Kilometer sind es von Grafing bei München nach Altötting – Luftlinie. Zu Fuß ist die Strecke rund 20 Kilometer länger. Gut 70 Kilometer also hatte Renate Gredler schon in den Beinen, als sie am Sonntag, 17. Mai am Wallfahrtsort ankam. Das ist freilich nichts im Vergleich zu dem, was sie noch vor sich hat. 273 Kilometer, wieder Luftlinie, ist die nächste Etappe lang, zu der sie am 19. Mai aufgebrochen ist. Real wird sie gut 300 Kilometer zurücklegen müssen, um an der Donau entlang nach Wien zu gelangen. Und selbst das ist nicht mehr als ein Aufgalopp, denn ihr Ziel ist Jerusalem.

Gut gelaunt trotz Regens ging die Pilgerreise von Renate Gredler mit Esel Valentino und Hund Bayqua über den Altöttinger Kapellplatz weiter Richtung Wien...
Gut gelaunt trotz Regens ging die Pilgerreise von Renate Gredler mit Esel Valentino und Hund Bayqua über den Altöttinger Kapellplatz weiter Richtung Wien...

In Summe sind das 2.746 Kilometer, wie sie der Vogel fliegt. Und viel, viel mehr, wie sie der Esel geht. Denn Renate Gredler pilgert nicht allein: Valentino ist an ihrer Seite, ein siebenjähriger Esel, der aus der Toskana stammt. Er trägt das Gepäck der 66-Jährigen. Und, wichtiger noch: Er leistet ihr Gesellschaft, zusammen mit Mischlingshündin Bayqua, deren arabischer Name "treue Weggefährtin" bedeutet.

Ob die beiden Vierbeiner bis zum Ende mit dabei sein werden, ist ungewiss. Liebend gern würde Renate Gredler zwar den Landweg nehmen, doch Syrien – ein Land, das sie von früher als wunderschön in Erinnerung hat – ist derzeit tabu. So will sie den Sprung ins Heilige Land entweder von Griechenland oder von der Türkei aus mit dem Schiff oder per Flugzeug schaffen. Wie auch immer: Platz für die Tiere ist in keiner der Varianten, von ihrem Sohn will die Wallfahrerin Hund und Esel nach Hause bringen lassen, wenn es soweit ist.

Dank für fünf gesunde Kinder

... Zuvor fühlte sich Valentino im Garten des Hotels Plankl bei so manchen Leckerbissen "pudelwohl".
... Zuvor fühlte sich Valentino im Garten des Hotels Plankl bei so manchen Leckerbissen "pudelwohl".

Erst aber musste sie selbst einen Tag pausieren: Sie hatte sich das Knie verdreht, der Aufenthalt in Altötting, wo sie sich im Hotel Plankl nicht zuletzt wegen des Gartens, in dem sich Valentino an Gras und Gänseblümchen gütlich tat und durch ein gelegentliches Iah auf sich aufmerksam machte, bestens untergebracht wusste, fiel einen Tag länger als geplant aus. Freilich: Ein Tag fällt bei dem Vorhaben nicht wirklich ins Gewicht: Ein halbes Jahr, so schätzt sie, wird sie wohl auf Tour sein.

Und warum tut sich Renate Gredler die Strapazen, von denen sie selber noch nicht weiß, ob sie diese bis zum Ende verkraften wird, an? Das hat mehrere Gründe. Eine Wallfahrt – genau diese, nicht irgendeine andere – wollte sie schon seit Jahrzehnten unternehmen: "Jetzt habe ich Zeit dafür." Und danken will sie. Danken dafür, dass sie fünf gesunde Kinder und, "nach letzter Zählung", wie sie sagt, zehn gesunde Enkelkinder hat. Denn dass es ihnen allen gut geht, empfindet sie nicht als Selbstverständlichkeit – was wiederum mit Grund Nummer 3 für die Wallfahrt zu tun hat. Spenden will die 66-Jährige sammeln, Geld, das speziell der Christoffel-Blindenmission zugute kommen soll. Denn dass man schon mit 30 Euro eine Operation finanzieren kann, die das Augenlicht rettet, ist ein faszinierender Gedanke. So wenig Geld für Hilfe, die größer kaum sein könnte. Für so viele arme Kinder wie möglich will sie das Realität werden lassen. Für dieses Vorhaben rührt sie die Werbetrommel: In einem Blog berichtet sie über ihre Wallfahrt, nachzulesen sind ihre Notizen unter munichtojerusalem.wordpress.com. Ihr Traum: Für jeden zurückgelegten Kilometer einen Euro bekommen. Schon jetzt, ganz am Anfang der Tour, könnte so drei Kindern geholfen werden – Tendenz steigend.

Text: Stephan Hölzlwimmer (Alt-Neuöttinger Anzeiger), Fotos: Roswitha Dorfner, Hotel Plankl