Altöttinger Liebfrauenbote

Bischof Stefan Oster eröffnet Ausstellung zum Turiner Grabtuch in Altötting

Mehr als nur ein Zeichen

In Turin wird gerade das Original-Grabtuch gezeigt, da trifft es sich wunderbar, dieses Ereignis in Altötting mit einer wissenschaftlich fundierten, hervorragend aufgemachten Ausstellung begleiten zu können. Für die Eröffnung am 1. Mai konnten die Malteser als Initiatoren der Schau Diözesanbischof Stefan Oster gewinnen.

Bischof Stefan Oster beim Einzug zur Marienvesper.
Bischof Stefan Oster beim Einzug zur Marienvesper.

Kernstücke der Wanderausstellung sind eine originalgetreue Nachbildung des Tuchs, ein Korpus, der aus einer 3D-Betrachtung der Spuren am Tuch gefertigt wurde und weitere Ausstellungsstücke wie die Dornenhaube und die Nägel, die zur damaligen Zeit bei einer Kreuzigung verwendet wurden. 22 Informations-Stelen und sieben Vitrinen laden die Besucher zu einer erkenntnisreichen und zugleich besinnlichen Ausstellung ein. Texte der Heiligen Schrift zu Leiden und Kreuzigung Jesu Christi, wissenschaftliche Untersuchungen über den Abdruck eines Mannes auf dem Turiner Grabtuch und historische Forschungen verdichten die Annahme, dass der Mann auf dem Tuch tatsächlich Jesus von Nazareth war.

Eine feierliche Marienvesper mit Bischof Oster als Offiziator, musikalisch begleitet durch die Schola Autingensis, stimmte ein auf die Eröffnung der "sehr sehr interessanten, tief gehenden Ausstellung", so Oster. Der Bischof schlug in seiner Betrachtung den Bogen zwischen Maria und Jesus, zwischen Kirche und Grabtuch. Kirche sei dort, wo Gott in der Welt wohne. Und Maria sei das Geschöpf, in dem Gott am tiefsten, am unverstelltesten, reinsten gewohnt habe. "Deswegen pilgern Menschen zu Marienwallfahrtsorten: da ist buchstäblich heile Welt, Maria heilt, gibt uns den Herrn".

"Kostbarste Reliquie der Christenheit"

Bischof Oster betrachtet die Replik des Grabtuches in der Ausstellung.
Bischof Oster betrachtet die Replik des Grabtuches in der Ausstellung.

Das geschehe auf zweifache Weise, so Oster. Einmal als kleines Kind an Weihnachten und ein weiteres Mal unter dem Kreuz als den toten, gemarterten, gekreuzigten Herrn. "In der Ausstellung begegnet uns buchstäblich der Gekreuzigte – das Turiner Grabtuch ist womöglich die kostbarste Ikone, die kostbarste Reliquie der Christenheit", bekräftigte der Bischof. Er forderte die Besucher der Ausstellung aber auf, nicht beim Tuch als bloßem Zeichen ("ist ja ganz interessant") stehen zu bleiben: "Wir können uns hinter das Zeichen, durch das Zeichen zur Begegnung mit dem Herrn führen lassen. Ich wünsche Ihnen, liebe Gläubige, dass Sie sich in Altötting von der Zusage des Herrn ergreifen lassen, 'ich bin auch für dich auferstanden und verlasse dich nie! Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt.'"

Bevor Oster die Ausstellung mit seinen Segensworten offiziell eröffnete, erfuhren die Besucher der Pontifikalvesper in einführenden Worten durch den Passauer Diözesangeschäftsführer der Malteser, Rainer Breinbauer, die Ausstellungskuratorin Bettina v. Trott zu Solz - v.a. aber durch einen kurzweiligen Vortrag des Historikers und Vatikanexperten Michael Hesemann allerlei Wissenswertes zu Ausstellung und Grabtuch.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Geöffnet ist die Ausstellung "Wer ist der Mann auf dem Tuch? Eine Spurensuche" im Kreuzgang der Stiftspfarrkirche Altötting bei freiem Eintritt bis zum 14. Juni 2015 täglich von 7-20 Uhr.

Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Der Passauer Diözesangeschäftsführer der Malteser, Rainer Breinbauer (3.v.r.), führt Kardinal Walter Kasper (l.) und Bischof Stefan Oster in die Ausstellung ein.
Ausstellungsberater Michael Hesemann (r.) erläutert Kardinal Walter Kasper (l.) und Bischof Stefan Oster das Exponat der Dornenkrone.
Dieses Exponat zeigt beispielhaft, die von den Römern für Kreuzigungen verwendet wurden.