Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Fest in Altötting

Ein "Heiliger für den Alltag"

Bei den traditionellen Feierlichkeiten in Altötting rund um den Festtag des hl. Br. Konrad am 21. April hat heuer Kapuzinerpater Br. Siegbert Mayer in drei Predigten auf das Leben des langjährigen Altöttinger Klosterpförtners zurückgeblickt. Er stellte ihn als "Heiligen für unseren Alltag" vor: Br. Konrad schenke "Weitblick und Durchblick, um die Zeichen der Zeit zu verstehen", sagte Br. Siegbert.

Nach der Vesper am Sonntagnachmittag, 26. April, mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl fand eine feierliche Reliquienprozession über den Kapellplatz statt.
Nach der Vesper am Sonntagnachmittag, 26. April, mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl fand eine feierliche Reliquienprozession über den Kapellplatz statt.

Einen Alltagsheiligen zu finden ist gar nicht so einfach, wie Br. Siegbert in seiner Predigt im Rahmen der festlichen Orchestermesse in der St. Anna-Basilika am "Bruder Konrad-Tag" am Sonntag, 26. April, bei einem Blick in das Heiligenlexikon feststellte – passt doch das Leben vieler Heiliger so gar nicht zu den alltäglichen Herausforderungen der meisten Menschen; hinzu kommt, dass viele das Vorbild heiliger Menschen sowieso für unerreichbar halten. Doch Heilige seien uns nicht "gegeben, damit wir sie kopieren", erklärte der Kapuzinerpater. Jeder Christ sei "zur Heiligkeit berufen", und diese Berufung gelte es "im Original wahrzumachen". Heilige wie Br. Konrad dienten dabei als "Leuchtzeichen", an denen man sich orientieren könne.

Ganz bewusst stellte Br. Siegbert den hl. Br. Konrad mit seinem Geburtsnamen Hans Birndorfer vor; den einfachen Bauern aus dem Rottal, der auf dem Venushof in Parzham wie die meisten Menschen die ganz normalen "Prüfungen des Alltags" zu meistern hatte. Nur: "Beim heiligen Birndorfer Hans gewinnt dies Alltägliche immer stärkeren religiösen Tiefgang. Gebet und Arbeit verweben sich bei ihm zu einer unlösbaren Einheit", stellte Br. Siegbert fest. Weiter erinnerte er auch an Br. Konrads "Ja zum Alltag" bei seinem Dienst an der Klosterpforte in St. Anna; an Br. Konrads "heroische Geduld und liebenswerte Freundlichkeit zu jedermann", der dort vorbeikam; an Br. Konrads tägliches Gebet, aus dem er Kraft schöpfte.

Wachsen, staunen und bewundern

Kapuzinerpater Siegbert Mayer bei der Predigt in der Basilika.
Kapuzinerpater Siegbert Mayer bei der Predigt in der Basilika.

"Heilige laden ein: Kommt und seht", erklärte Br. Siegbert bereits in seiner Predigt im Rahmen der Vorabendmesse nach dem feierlichen Einzug mit der Br. Konrad-Hauptreliquie in die Basilika am 25. April. "Christus, das Licht der Welt, scheint durch im Leben eines Heiligen", sagte der Kapuzinerpater. "Und es sind viele, sehr viele, die bei der Begegnung mit Br. Konrad etwas gespürt haben" von der Heiligkeit des Pförtners. Mit Blick auf die Berufungsgeschichte Br. Konrads erinnerte Br. Siegbert auch an den Weltgebetstag für geistliche Berufungen, den die Kirche am 26. April beging.

Bereits am 21. April, am eigentlichen Festtag des hl. Br. Konrad, hatten die Kapuziner in der St. Konradkirche eine Festmesse gefeiert. Auch mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus mahnte Br. Siegbert in seiner Predigt die "eigenen menschlichen Grenzen" nicht zu vergessen. "Menschenweisheit darf nie der Weisheit letzter Schluss sein", sagte er. Anno 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung durch die Nazis, war Br. Konrad ganz bewusst als Gegenbild zur vorherrschenden Ideologie heiliggesprochen worden, erinnerte Br. Siegbert und erklärte: "Nationalismus in jeder Form zerstört den Statthalter Gottes auf Erden: das ist der Mensch, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist – gleich welcher Rasse oder Nation." Statt sich selbst zu überschätzen, solle sich der Mensch ruhig "etwas Kindhaftes behalten", weil Menschen "immer noch wachsen, staunen und bewundern können". Ähnlich wie der hl. Br. Konrad, der einst über seine Art des Betens schrieb: "Ich rede da ganz vertraulich wie ein Kind mit meinem Vater."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Wallfahrtsrektor Günther Mandl spendet den Reliquiensegen.
Wallfahrtsrektor Günther Mandl spendet den Reliquiensegen.
Reliquienprozession.
Reliquienprozession.
Nach der Festmesse mit Kapuzinerpater Siegbert Mayer am Sonntagvormittag verteilten die Kapuziner am Basilikavorplatz Br. Konrad-Weckerl und Getränke.
Nach der Festmesse mit Kapuzinerpater Siegbert Mayer am Sonntagvormittag verteilten die Kapuziner am Basilikavorplatz Br. Konrad-Weckerl und Getränke.
Einzelreliquiensegen.
Einzelreliquiensegen.
Kapuzinerpater Siegbert Mayer.
Kapuzinerpater Siegbert Mayer.
Beisammensein am Basilikavorplatz.
Beisammensein am Basilikavorplatz.