Altöttinger Liebfrauenbote

Eucharistisches Stundengebet der Kapuziner

Jesus sehen und bei ihm bleiben

Mit dem Eucharistischen Stundengebet in der Altöttinger St. Magdalenakirche läuten die Kapuziner am Wallfahrtsort jedes Jahr die Fastenzeit ein. Die "Einladungen Jesu im Evangelium" waren heuer Thema der vier Predigten, die der stellvertretende Wallfahrtsrektor und Guardian des St. Magdalenaklosters, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, am 21. und 22. Februar aufgriff.

Kapuzinerpater Norbert Schlenker mit der Monstranz.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker mit der Monstranz.

"So ist die Botschaft von Umkehr und Buße Einladung zum Neuanfang und zur Neuorientierung am Evangelium Jesu Christi. An uns liegt es, diese Einladung Jesu anzunehmen", resümierte P. Norbert in seiner dritten Predigt im Rahmen der Orchestermesse am Sonntagvormittag unter dem Leitwort "Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" (Mk 1,15)

Ausdrücklich sprach P. Norbert von der "Einladung Jesu", denn: "Glaube an das Evangelium heißt im letzten nichts anderes als eine persönliche Beziehung zu Christus aufzubauen. Dazu lädt der Herr uns ein." Und diese Beziehung gelte es immer wieder zu erneuern, nicht, weil Gott uns dazu zwinge, sondern weil er wolle, "dass die menschlichen Beziehungen stimmen". "Hintergrund für die Möglichkeit umzukehren und neu anzufangen ist die Menschenfreundlichkeit Gottes", erklärte P. Norbert und fügte hinzu: "Die Liebe Gottes gilt besonders und gerade dem Sünder."

Mit seinem Aufruf zu Umkehr und Buße stehe Jesus in der Tradition der alttestamentlichen Propheten, "die in der Regel nicht gemahnt haben, weil die Menschen nicht fromm genug waren, sondern weil es oft gerade bei den Frommen soziale Missstände gab", stellte P. Norbert fest. Hoffnungslose Fälle gebe es jedoch nicht, wie P. Norbert u.a. mit Verweis auf Jesu Besuch beim Zöllner Zachäus erinnerte. Auch sollte man den Begriff der Buße nicht ausschließlich negativ sehen, denn: "Wir müssen bei Gott nichts abzahlen oder sühnen, sondern nur seine Vergebung annehmen."

P. Norbert machte auf die vielen Formen der Umkehr und Versöhnung aufmerksam: "Jede Gottesbegegnung schenkt Versöhnung. In seiner Liebe nimmt uns Gott an trotz Sünde und Schuld und reinigt uns. In großer Vielfalt geschieht Sündenvergebung: im Beten, im Lesen und Hören des Gotteswortes in der Bibel, im Verzicht, im Almosen geben und miteinander teilen, sich um Frieden mühen, anderen verzeihen, Gutes tun, Teilnahme an der Eucharistiefeier, Bußfeier, die persönliche Beichte..."

"Das ganze Johannesevangelium ist eine einzige Einladung, zu kommen und zu schauen"

Eine Teilnehmerin des Stundengebets in stiller Andacht vor der Monstranz in der St. Magdalenakirche.
Eine Teilnehmerin des Stundengebets in stiller Andacht vor der Monstranz in der St. Magdalenakirche.

Wie Umkehr und der Glaube an christlicher Erneuerung gelingen können, erläuterte P. Norbert in den weiteren drei Predigten. Ähnlich wie Papst Franziskus in vielen seiner Predigten und insbesondere in seinem Schreiben "Evangelii gaudium" immer wieder die Bedeutung des Evangeliums betont, erinnerte auch P. Norbert ganz bewusst an Jesu' Frohbotschaft. Vor allem richtete er im von Papst Franziskus ausgerufenen "Jahr der Orden" seinen Blick auf die Berufung der ersten Jünger (Joh 1,35-42). Dem Johannesevangelium war auch das Leitwort des diesjährigen Stundengebets – "Kommt und seht" – entnommen, das auch gleichzeitig das Motto für das kommende Wallfahrtsjahr in Altötting ist.

"Kommt und seht" antwortete Jesus auf die Frage der ersten Jünger: "Meister, wo wohnst du?" – und Jesus lud die Jünger ein; P. Norbert übersetzte in seiner ersten Predigt am Samstagvormittag: "Ja, komm, mit deiner ganzen Person, mit deinen Stärken und mit deinen Schwächen, mit deinen Idealen und mit deinen Enttäuschungen. Ja, komm und lass dich ganz auf die Begegnung ein. Schicke nicht eine künstlich zurecht gemachte Persönlichkeit auf die Suche nach Gott, sondern komm, wie du bist, damit du werden kannst und wirst, wie du gemeint und von Gott gewollt bist."

"Das ganze Johannesevangelium ist eine einzige Einladung, zu kommen und zu schauen", stellte P. Norbert fest und fügte hinzu: "In diesem Schauen, in der Kontemplation, wird der Mensch verwandelt und mehr und mehr zum Glauben an den Vater geführt." P. Norbert: "Wer zu Jesus kommt und mit ihm Gemeinschaft haben will und ihm nachfolgen und sein Jünger sein will, den führt Jesus zum Vater, in die göttliche Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes. Und das ist ja eine urmenschliche Sehnsucht, mit Gott in Gemeinschaft zu leben. Sie ist identisch mit der Frage der Jünger im heutigen Evangelium: 'Meister, wo wohnst du?' Und Jesus sagt so auch uns: 'Kommt und seht!'"

"Kommt und seht!" Schaut selber! Lebt mit mir!"

Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei der Prdigt.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei der Prdigt.

Was genau es in der Nachfolge Jesu zu sehen und zu entdecken gibt, führte P. Norbert in seiner zweiten Predigt am Samstagnachmittag genauer aus. Die Antwort: Jesus selbst. Als die ersten Jünger (Joh 1,35-42) Jesus nach seiner "Bleibe" fragten, da habe dieser "ihnen keinen Vortrag" gehalten oder "einen Flyer in die Hand" gedrückt, wie P. Norbert feststellte. "Jesus sagt ganz einfach: "Kommt und seht!" Schaut selber! Lebt mit mir! Dann werdet ihr nicht nur hören, sondern sehen und erleben, wo ich wohne, wo ich verwurzelt bin, woraus ich lebe, woher ich bin, wer ich bin." P. Norbert erklärte: "Jünger Jesu sein, das heißt: In Einheit und Gemeinschaft mit dem Herrn zu leben, bemüht zu sein, immer mehr ein Herz und eine Seele mit ihm zu werden und danach zu streben, das Sinnen seines Herzens zum Sinnen des eigenen Herzens zu machen."

Und aus eben dieser Begegnung "entspringt Zeugnis, Zeugnis für Christus", sagte P. Norbert und betonte, wie wichtig die Weitergabe des Glaubens sei: "Evangelisierung, Neuevangelisierung ist heute etwas vom Allerwichtigsten. Dazu müssen wir nicht Priester sein oder einem Orden angehören (...) Eltern und Großeltern sind die ersten und berufensten Glaubensboten für ihre Kinder und Enkel. Das Zeugnis ist gefragt, das lebendige Beispiel, nicht große Worte." Und weiter: "Die Einladung Jesu 'Kommt und seht', kann heute zum Beispiel heißen: Kommt dahin, wo ich heute wohne, etwa in die Gotteshäuser, in die Kirchen, wo ich mitten unter euch bin im Wort und im Mahl, aber auch in der versammelten Gemeinde, seht mich in der Gestalt des unscheinbaren Brotes in der Eucharistie (...) Da können wir sehen und lernen, mehr und mehr in die Gemeinschaft des dreifaltigen Gottes hineinzuwachsen."

"...denn die Liebe überwindet Furcht und Angst"

Feier der Eucharsitie.
Feier der Eucharsitie.

"Unsere wirkliche Bleibe ist in Gott. Das lernen die Jünger nach und nach, als sie sehen, wie Jesus lebt", erklärte P. Norbert in seiner zweiten Predigt. Ein Stichwort, auf das er in seiner vierten Predigt am Sonntagnachmittag näher einging, denn: "Bleiben" sei "ein Schlüsselwort des Johannesevangeliums. 'Jünger' ist nur, wer 'bleibt'", betonte er.

"Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch" (Joh 15,4), forderte Jesus seine Jünger auf, wie P. Norbert erinnerte. Es folgt an dieser Stelle die Metapher vom Weinstock und der Rebe, die aus sich selbst keine Frucht bringen kann. Jeder Gläubige sei zum Bleiben aufgerufen, wie P. Norbert ausführte, und "Voraussetzung dazu ist der Glaube und die Liebe. Damit wir dazu fähig sind, hat Gott 'uns von seinem Geist gegeben'."

"Wenn Johannes das Wort 'bleiben' so häufig benutzt, drückt er damit an erster Stelle die innige Einheit zwischen Jesus und seinem Vater aus", erläuterte P. Norbert. In dieser Verbindung liege die "Quelle der Leichtigkeit Jesu, die ihn angstfrei und befreiend mit unterschiedlichsten Menschen umgehen lässt". Eine Verbindung, die auch unser Vertrauen stärken sollte, denn auch wir "können den Mitmenschen in seiner Einzigartigkeit lieben, weil Jesus mit seiner ganzen Liebesfähigkeit in uns ist". Für Angst ist dann kein Platz mehr. Wenn jemand in der Welt stets nur "Dämonisches oder sogar gleich den Satan selbst" am Werk sehe, dann zeuge das von mangelndem Vertrauen zu Jesus – "wer in der Liebe Christi bleibt und mit ihm in Verbindung ist wie der Rebzweig mit dem Weinstock, der braucht in der Kraft der Liebe Christi keine Unheilsmächte zu fürchten, denn die Liebe überwindet Furcht und Angst".

"Woran erkennt man die Qualität der Christen", fragte P. Norbert und resümierte: "Daran, dass sie bei Jesus bleiben. Dass sie mit ihm und untereinander verbunden sind und mit ihm und untereinander verbunden bleiben – und danach handeln (...) Daran, dass wir einander lieben und in seiner Liebe bleiben, daran sollen die Menschen erkennen, dass wir Jünger Christi sind."

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner