Altöttinger Liebfrauenbote

Face to Face-Night mit Bischof Stefan Oster

Gott "immer dabei haben"

Man hätte es auch als "begeisternde Glaubensgemeinschaft junger und junggebliebener Christen" umschreiben können – die Schwestern vom Provinzhaus Heilig-Kreuz Altötting hatten am Samstag, 21. März, zur "Face to Face-Night" (von Angesicht zu Angesicht) eingeladen, und die Sitzplätze in der Kreszentiaheim-Kirche reichten nicht aus, so groß war der Zuspruch. Einer der Gründe des überaus großen Interesses an der religiösen Veranstaltung war wohl auch die Anwesenheit des Passauer Diözesanbischofs Dr. Stefan Oster. Der Ordenspater der Salesianer Don Boscos stellte sich bereitwillig den Fragen zu Berufung und Ordensleben.

Bischof Stefan Oster mit der Monstranz...
Bischof Stefan Oster mit der Monstranz...
... und eine Teilnehmerin beim Gebet.
... und eine Teilnehmerin beim Gebet.

Auftakt und Höhepunkt der Nacht war eine einstündige Eucharistische Anbetung mit Eucharistischem Segen in der Kreszentiaheim-Kirche. Dabei empfahl Bischof Oster das persönliche innige Gebet als "Atem der Seele". Stimmiges Kerzenlicht, Impulse und eine einfühlsame musikalische Gestaltung durch die Jugend-Alpha-Band unter Leitung von Franz Kinsky (Gemeinschaft Emmanuel) bestärkten nicht nur die Jugendlichen, darunter Firmgruppen und Ministranten – eine Gruppe kam sogar aus der Diözese Augsburg. Mit dabei waren auch viele Priester, Schwestern der Congregatio Jesu oder Heilig-Kreuz-Schwestern – Generalassistentin Sr. Franziska Mitterer war aus Luzern/Schweiz angereist; auch zwei indischen Heilig-Kreuz-Schwestern waren zugegen –, die Gemeinschaft Emmanuel, die Kapuziner-, Augustiner- oder Barmherzigen Brüder sowie die Propädeutiker aus dem Passauer Priesterseminar St. Stephan. Als wichtigsten Punkt für ein geistliches Leben im Alltag hob Oster "die 'Wir-Form', von Gott zu sprechen" hervor. Im Gebet gelte es Gott zu finden, um "Gott immer dabei zu haben". Ob am Schreibtisch oder beim Abspülen – Gebet und Arbeit sollten nicht im Gegensatz stehen.

Jesus nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Herzen tragen

Die Face-to-Face-Night bot auch Gelegenheit zum Gespräch mit Bischof Stefan Oster.
Die Face-to-Face-Night bot auch Gelegenheit zum Gespräch mit Bischof Stefan Oster.

Im großen Saal des Provinzhauses bestand dann die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung mit Ordensleuten. Das Moderatorenteam mit Barbara Reis und Ramona Friedrich sowie die Organisatorinnen Sr. Marika Wippenbeck und Sr. Mirjam Sprenger, aber auch alle anderen Fragesteller im Saal entlockten Bischof Oster zunächst bei einer lockeren "Aufwärmrunde" einiges über seine Person und Vorlieben.

Spezifisch ging man dann ein auf Ordensdefinition, Berufung des Bischofs und ob ein Ordensstand heute noch zeitgemäß erscheine: Dabei empfahl der Bischof freimütig aus eigener Erfahrung seiner Ordensberufung: man müsse Jesus nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Herzen tragen. Das sei entscheidend. Jedoch, so gab Oster freimütig zu, bestehe ein ständiger innerer Kampf und ein Ringen um das Gelingen eines Ordenslebens. Diese Erfahrung mache letztendlich jeder, denn jeder gehe auf Gott zu. Die Antwort auf die Frage "Urlaub vom Bischofsein" beantwortete Bischof Oster direkt: "Es gibt keinen Urlaub vom Herrgott, also auch keinen Urlaub vom Bischofssein." Aber es gebe durchaus eine freie Zeit ohne Termine, die würde er, so Bischof Oster, mit Lesen, Bewegen, Beten und Schlafen ausfüllen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Bischof Stefan Oster steht Rede und Antwort

Bischof Stefan Oster.
Bischof Stefan Oster.

Im Rahmen der Face-to-Face-Night im Provinzhaus Heilig Kreuz Altötting stand Bischof Stefan Oster dem Moderatorenteam und den zumeist jugendlichen Teilnehmern auch zu persönlichen Fragen Rede und Antwort. Ein paar dieser Antworten haben wir hier zusammengestellt:

Lieblingsfarbe: Bunt

Lieblingstier: Hund

Vorbild: Der hl. Johannes Don Bosco

Lieblingsmusik: Taizé-Lobpreismusik, in der Jugend und auch heute noch im Auto: Main Street Rock, z.B. Dire Straits

Da bin i dahoam: Mit lieben Menschen, mit denen ich gerne beisammen bin.

Was würden Sie mit einem Lottogewinn machen: Das Geld an Bedürftige verteilen.

Warum Salesianer: Weil der hl. Don Bosco fasziniert. Er war ein Genie im Umgang mit jungen Menschen, ein Pädagoge mit Herz und von Herz zu Herz.

Schönste Momente im Ordensleben: Solche Momente gibt es ständig. Dieses Leben ist wunderbar. Der Mensch trägt Jesus im Herzen, nicht nur im Kopf.

Ordensdefinition: Eine Gemeinschaft von Individuen, die sich auf Gott einlassen und die sich von einer Gemeinschaft getragen wissen.

Kennen Sie – bekannt als lebendiger Redner – auch sprachlose Momente? Jede Not, vor allem menschliche Not.

Hat man als Bischof noch echte Freunde? Ja, vor allem aus der Jugendzeit. Aber als Bischof kennt man eine Art Einsamkeit. Dieses Amt erfordert teils wichtige Entscheidungen, die man alleine, bzw. mit Gott zu treffen hat.

Hat ein Bischof ein eigenes Auto? Als Ordensmann hatte ich kein eigenes Auto, aber als Bischof habe ich einen 'Mann für alle Fälle', der gewöhnlich das Auto fährt: einen VW Tiguan. Den darf ich auch privat verwenden.

Impressionen

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