Altöttinger Liebfrauenbote

Vierte Altöttinger Fastenpredigt mit Domkapitular Msgr. Manfred Ertl

Mit Franziskus Kirche bauen

"Papst Franziskus und der Aufbruch der Kirche" lautet heuer das Leitwort der traditionellen Altöttinger Fastenpredigten. Wie sich mit dem Hl. Vater vom "anderen Ende der Welt" eine Kirche bauen lässt, und was diesen mit dem hl. Franz von Assisi verbindet, erläuterte Domkapitular Msgr. Manfred Ertl, KDFB-Seelsorger der Diözese Passau, in der vierten Predigt der Reihe am 19. März in der Kirche St. Josef, Altötting-Süd.

Gemeinsam mit den Ministranten in St. Josef empfing Pfarrer Alfred Hable den stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Domkapitular Msgr. Manfred Ertl und Kapuzinerpater
Gemeinsam mit den Ministranten in St. Josef empfing (hinten v.l.) Pfarrer Alfred Hable den stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Domkapitular Msgr. Manfred Ertl und Kapuzinerpater Sunil Kachappally.

"Da steht da oben der neue Papst und seine ersten Worte sind ganz einfach, unerwartet einfach (...) Da oben, das war tatsächlich Franziskus, auf ihn hatte die Welt gewartet", sagte Msgr. Ertl. Er weiß, wovon er spricht, war er doch vor zwei Jahren, als Franziskus zum ersten Mal vor die Gläubigen trat und sie mit einem "guten Abend" begrüßte, mit dabei auf dem Petersplatz. Zufällig weilte der Domkapitular damals mit einer Pilgergruppe in Rom und wartete gemeinsam mit vielen anderen Gläubigen darauf, dass endlich weißer Rauch aufsteigt.

Nun sind zwei Jahre vergangen, doch eine gewisse Aufbruchstimmung ist nach wie vor spürbar. Eine Stimmung, wie es sie ähnlich auch schon zu Zeiten des II. Vatikanischen Konzils gegeben hatte, wie Msgr. Ertl erzählte. "Und in der Tat wurden damals die Türen und Fenster der Kirche weit aufgemacht", stellte er fest. "Aber was ist aus dem Aufbruch von damals geworden," fragte Msgr. Ertl und merkte an: "Schauen wir die Kirche von heute an: immer spärlicher besetzte Kirchenbänke, Priestermangel, Kirchenaustritte, Missbrauchsfälle, wie geht sie mit Menschen um, deren Lebenspläne im Widerspruch zum Kirchenrecht stehen? – Viele ungelöste Fragen."

Die Fragen bleiben freilich, warum die derzeitige Aufbruchstimmung dennoch berechtigt ist, erläuterte Msgr. Ertl mit einem Blick auf den hl. Franz von Assisi, der "die Kirche tatsächlich neu aufgebaut hat". Ähnlich wie der große Heilige habe sich auch Papst Franziskus "ein neues Kleid angezogen", stellte er in Bezug auf "einfache Messgewänder, so wie sie in jeder Dorfsakristei zu finden sind", fest. Auch der Papst pflege "eine neue Sprache" mit Worten, "die jeder Mensch verstehen kann" und "die die Herzen berühren". Dieser Papst "passt in keine Schublade", stellte der Domkapitular fest und betonte das Programm des Hl. Vaters: "An der Seite der Armen, an der Seite all derer, die nicht auf den Titelseiten unserer Illustrierten, sondern eher im Hintergrund unserer Gesellschaft zu finden sind." Msgr. Ertl resümierte: "So setzte Papst Franziskus erste wichtige Zeichen, so begann er, ganz im Zusammenklang mit seinem Vorgänger Benedikt XVI., mit dem zusammen er ja auch das erste Lehrschreiben verfasste, weiterzubauen am Bild der Kirche."

Den hl. Josef "ganz nach vorne geholt"

Hl. Messe in der St. Josefskirche.
Hl. Messe in der St. Josefskirche.

Außerdem stellte Msgr. Ertl fest: "Noch etwas hat Papst Franziskus getan, etwas für mich unendlich Sympathisches: Er hat angeordnet, dass künftig bei jeder hl. Messe, im Hochgebet der Kirche nach der Gottesmutter Maria auch der hl. Josef, dessen Festtag wir heute feiern, seinen festen Platz haben muss. Somit hat er den hl. Josef aus dem Hintergrund des Evangeliums, ganz nach vorne geholt." Auch der hl. Josef "war einer der Häuser gebaut hat", sagte er.

In Bezug auf Papst Franziskus' geflügeltes Wort von der "verbeulten Kirche", die aufbricht, um zu den Menschen auf die Straße zu gehen, sagte Msgr. Ertl: "Genau darum muss es uns gehen, wenn wir bereit sind mit unserem Papst Franziskus Kirche zu bauen: Dass wir ohne Angst, jede und jeder an seinem Platz und mit seinen Fähigkeiten, anfangen, immer mehr von Christus zu sprechen, immer mehr mit Christus zu leben und ihn als Brot und Licht hinauszutragen in unsere Welt, im Kleinen wie im Großen."

Text und Fotos: Michael Glaß