Altöttinger Liebfrauenbote

Dritte Altöttinger Fastenpredigt mit Dompropst Isidor Vollnhals

"Einladung zur Versöhnung"

"Papst Franziskus und der Aufbruch der Kirche" lautet heuer das Leitwort der traditionellen Altöttinger Fastenpredigten. Wie schon Dompropst Dr. Michael Bär in der Vorwoche, ging auch Dompropst Isidor Vollnhals, Generalvikar der Diözese Eichstätt, auf die von Papst Franziskus benannten 15 "Krankheiten, die den Leib der Kirche befallen können" ein. Sein besonderes Augenmerk legte Vollnhals in der dritten Predigt der Reihe am 12. März in der Altöttinger Stiftspfarrkirche auf den Begriff der "Sünde".

Dompropst Isidor Vollnhals, Generalvikar der Diözese Eichstätt, bei seiner Predigt.
Dompropst Isidor Vollnhals, Generalvikar der Diözese Eichstätt, bei seiner Predigt.

Am Ende seiner Predigt, zählte der Dompropst die "15 Krankheiten, 15 Sünden" auf und ließ sie stehen im Raum, auf dass sich die Gottesdienstbesucher und Gläubigen darüber Gedanken machen. Denn auch Papst Franziskus hatte in seiner Ansprache an die Kurienkardinäle und -bischöfe beim Weihnachtsempfang 2014 bereits darauf hingewiesen, dass diese Krankheiten und Versuchungen "eine Gefahr für jeden Christen" sein können. Und so nannte Vollnhals alle 15 Krankheiten, zusätzlich zu den sieben, die in der Vorwoche Dompropst Bär herausgegriffen hatte, auch die acht weiteren: Die Krankheiten "der Planungswut und des Funktionalismus", der "schlechten Koordination", der "Rivalität und der Eitelkeit", der "existenziellen Schizophrenie", wenn Menschen ein Doppelleben führen, die "Krankheit, die Vorgesetzten zu vergöttern", die "Gleichgültigkeit gegenüber den anderen", die "Krankheit der geschlossenen Zirkel", und schließlich die "des weltlichen Profits". Dompropst Vollnhals stellte fest: "Der Heilige Vater lädt auch uns wie die Kurie ein zum Sakrament der Versöhnung mit Gott." Die Kirche leiste mit dem Bußsakrament einen wichtigen Hilfsdienst.

"Hilfe und Anregung für eine echte Gewissenserforschung"

Feier der Eucharistie mit dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Pfarrer Alfred Hable (St. Josef, Altötting-Süd), Dompropst Isidor Vollnhals, Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Kapuzinerpater Suni
Feier der Eucharistie mit (v.l.) dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Pfarrer Alfred Hable (St. Josef, Altötting-Süd), Dompropst Isidor Vollnhals, Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Kapuzinerpater Sunil Kachappally.

Doch wer diesen Hilfsdienst in Anspruch nehmen wolle, der müsse die "Sünde" als solche auch benennen. Ein Begriff, der "in den letzten Jahrzehnten, auch in der Kirche, einen rasanten Bedeutungsverlust, ja -verfall erlebt hat", wie der Dompropst monierte. "Ist es denn nicht altmodisch, unmodern, von Sünde zu reden?", fragte er. Dass der Begriff der Sünde nicht nur "für eine unaufgeklärte Minderheit" reserviert sei, machte er deutlich u.a. mit einem Blick auf Papst Franziskus, der so oft von "Barmherzigkeit" spreche, und dennoch die "Sünde" nicht aus den Augen verliere. Mit Blick auf das Apostolisches Schreiben "Evangelii gaudium" stellte Dompropst Vollnhals fest: Dies sei "ein frohmachender, motivierender Text, der freilich sehr wohl auch um die Schattenseiten des Menschen, um seine Sünde vor Gott, weiß. Wer dieses Schreiben genau liest, der entdeckt eine lange Liste von sündhaften Einstellungen, beim Einzelnen, bei Gemeinschaften, bei kirchlichen und weltlichen Institutionen." Vollnhals erwähnte Franziskus' "scharfe Kritik an bestimmten Erscheinungsformen der globalen Profitwirtschaft", zitierte den Satz "Diese Wirtschaft tötet!" und fragte: "Ist dies nicht die klare Benennung einer schwerwiegenden Sünde?" Franziskus' "eindringlichster Appell zur Abwendung von Neigungen und Haltungen, die als Sünde einzustufen sind", sei freilich seine Ansprache an die Kurie beim Weihnachtsempfang gewesen: eine "Hilfe und Anregung für eine echte Gewissenserforschung" und eine Hilfe zur "Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung".

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner