Altöttinger Liebfrauenbote

Passionskrippe in der Lambertuskirche in Bergheim an der Sieg: eine Krippenlandschaft der variablen Art

Von der Krippe bis zum Kreuz

Wohin mit der Weihnachtskrippe, wenn das neue Jahr begonnen hat? Wir machen eine Osterkrippe daraus, beschlossen Pfarrer Montkowski und die Krippenbauer seiner Gemeinde vor 15 Jahren. Seitdem hat die Lambertuskirche in Bergheim an der Sieg eine Krippenlandschaft der variablen Art.

Passionskrippe in der Lambertuskirche: Jesus am Kreuz.
Passionskrippe in der Lambertuskirche: Jesus am Kreuz.

Die Idee zur Osterkrippe hatte Pfarrer Thomas Montkowski – und stieß damit in der achtköpfigen Krippenbauergruppe seiner Lambertusgemeinde sofort auf Zustimmung. Vorbilder hatten sie nicht, jedenfalls nicht in der Umgebung. Dabei blicken Passions- oder Osterkrippen auf eine lange Tradition zurück: Sie entstanden in der Barockzeit und sollten den vielen Gläubigen, die nicht lesen konnten, mit bildlichen Darstellungen die Ereignisse der Karwoche vor Augen führen. Im 18. und 19. Jahrhundert hatten sie ihre Blütezeit, gerieten dann aber in Vergessenheit.

Im rheinischen Bergheim feierte die Passionskrippe am Palmsonntag 2000 ihre Wiedergeburt. Nicht alle Kirchgänger waren auf Anhieb von ihr begeistert. "Es wurde gemurmelt und geraunt in den Bänken", erinnert sich Krippenbauer Norbert Mondorf, während er im Altarbereich der neugotischen Kirche einen schelmisch blickenden Teufel aus einer Kiste hervorzaubert. "Jetzt sind sie total durchgedreht", tuschelte anfangs ein Gottesdienstbesucher über die ungewohnte Aktivität der Krippenbauer. Doch als die Figur des Jesus auf dem Esel und immer weitere Figuren hinzukamen, mit denen Szenen aus der Passionsgeschichte dargestellt wurden, schlug die Stimmung um. Nun fand die überwältigende Mehrheit der Gläubigen Gefallen an der Darstellung von Jesu Leiden und Tod. Die Krippenbauer wurden zum Weitermachen ermutigt – und so entstand eine nun schon fünfzehnjährige Tradition.

Umbauten am laufenden Meter

Elisabeth Engels mit zwei Jüngern.
Elisabeth Engels mit zwei Jüngern.

Als Weihnachtskrippe am ersten Advent aufgebaut, nach dem Jahreswechsel zur Passionskrippe umgestaltet, bleibt letztere in der Lambertuskirche bis zum Weißen Sonntag stehen. Je nach biblischem Geschehen wird sie von Palmsonntag an ständig umgebaut, während des Osterfestes sogar jeden Tag. "Zwei, drei Stunden dauert so etwas leicht", erzählt Elisabeth Engels, die wie Norbert Mondorf beim Auf- und Umbau mithilft. Gerade füllt sie ein wenig Wasser in die Schüssel des Dieners, damit Pilatus sich die Hände waschen kann. Bis zu vier Szenen finden auf der 20 Quadratmeter großen Krippenlandschaft Platz, heute sind es neben der Kreuzigung die Verleugnung von Petrus, Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht. Im Hintergrund liegt Judas, den sein Verrat an Jesus in den Selbstmord getrieben hat, mit einem Strick um den Hals unter einem Baum.

Die bis zu 80 Zentimeter hohen Figuren stammen aus einer Schnitzerei im Westerwald. Es sind extrem bewegliche Gliederpuppen, mit denen sich alle Körperhaltungen formen, mannigfaltige Gefühle zum Ausdruck bringen und somit vielfältige Szenen darstellen lassen. Dabei gehen die Krippenbauer mit Inbrunst an ihr Werk. Zwei Figuren – es sind Jünger Christi – liegen gerade auf einer Kirchenbank und starren zum Dachgewölbe hinauf. Derweil streicht Elisabeth Engels ein Gewand gerade, zupft noch einmal eine Falte zurecht, biegt einen Arm, beugt ein Bein – und stellt schließlich die Figur des Pilatus vor den Diener mit der Wasserschüssel, die dieser seinem Herrn entgegenhält. Bei ihren Kreationen schöpfen die Bergheimer aus einem Fundus von insgesamt 20 Figuren, Krippentiere nicht eingerechnet. Für Nachschub sorgen die Krippenbauer in Eigeninitiative. So entdeckte Norbert Mondorf 2013 bei einem Besuch der Heiligen Stadt in einem Geschäft gleich neben dem Trevibrunnen Legionärshelme. Flugs rief er daheim an und bat seine Krippenfreunde, doch eben mal den Schädel der entsprechenden Figuren abzumessen. "Es passte, und nach einer Investition von 100 Euro landeten silberne Helme auf den Köpfen zweier römischer Soldaten", erzählt Mondorf.

Anschauungsmaterial für Klein und Groß

Norbert Mondorf mit dem Teufel in der Hand.
Norbert Mondorf mit dem Teufel in der Hand.

Die Krippenlandschaft der Lambertuskirche steht auf Bierbänken – und damit auf Augenhöhe für die kleinen Besucher der Kirche. Längst nutzen auch Kindergärten und Schulgottesdienste die bildlichen Darstellungen der Passionskrippe, reisen Gruppen und Vereine zu der ungewöhnlichen Krippe in Bergheim, bietet eine Kunsthistorikerin entsprechende Führungen an. Alle szenischen Darstellungen werden zudem von einem aufgeschlagenen Evangelium gleich neben der Krippenlandschaft erklärt. In der Kirche selbst hat sich die Passionskrippe einen festen Platz in der Liturgie gesichert. So geht der Pastor während des Karfreitagsgottesdienstes zur Krippe, nimmt das Kreuz ab und trägt es zur Kreuzverehrung in die Mitte des Gotteshauses. Dann nimmt er die Jesusfigur vom Kreuz, trägt sie auf dem Arm durch die Kirche, um sie schließlich in das Grab auf der Krippenlandschaft zu betten.

Während Norbert Mondorf seinen Teufel mustert, scheint dieser einen hämischen Blick auf den toten Verräter Judas zu werfen. Der liegt, noch mit einem Strick um den Hals, unter einem Baum. "Den Teufel brauchen wir heute noch nicht, der ist für die Szene der Versuchung Jesu in der Wüste", erklärt Mondorf und legt seine offenkundige Lieblingsfigur zurück in die Kiste.

Text: Peter Beyer (storymacher) / Fotos: storymacher

Öffnungszeiten: Palmsonntag bis Weißer Sonntag (eine Woche nach Ostern) 10-17 Uhr täglich. Führungen nach vorheriger Anmeldung im Pfarrbüro unter Telefon 0228 45 22 43.

Fasten-, Passions- oder Osterkrippen

Entstanden sind die Fasten-, Passions- oder Osterkrippen aus der Tradition der Advents- und Weihnachtskrippen in der Barockzeit. "Zur Jahrhundertwende 1899/1900 waren sie bekannter als die Weihnachtskrippen", sagt Karl Hennerbichler, Obmann der Steyler Krippenfreunde. Heute sind sie eine Rarität: Das Eingehen auf den Inhalt der Passion Christi erfordert von Krippenbauern, Szenen zeitlich und thematisch eng zusammengedrängt darzustellen. Dem Betrachter verlangen die "ernsten Krippen", die von Leiden, Sterben und Wiederauferstehung erzählen, eine größere Hinwendung zum Glauben ab als die Ansicht des Jesuskindes in seliger Weihnachtsstimmung.

Text: Peter Beyer (storymacher)

Impressionen

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Blick auf die Lambertuskirche.
Blick auf die Lambertuskirche.
Jünger.
Jünger.
Pilatus wäscht seine Hände.
Pilatus wäscht seine Hände.
Ein Soldat steht unter dem Kreuz.
Ein Soldat steht unter dem Kreuz.
Krippenszene.
Krippenszene.
Krippenszene, Kreuzigung.
Krippenszene, Kreuzigung.