Altöttinger Liebfrauenbote

Zweite Altöttinger Fastenpredigt mit Domkapitular Dr. Michael Bär

Wider die Krankheiten

"Papst Franziskus und der Aufbruch der Kirche" lautet heuer das Leitwort der traditionellen Altöttinger Fastenpredigten. Der Passauer Dompropst Dr. Michael Bär erinnerte in der zweiten Predigt der Reihe am 5. März in der Altöttinger Stiftspfarrkirche an dessen Vorgänger von Pius XII. bis Benedikt XVI. Vor allem aber richtete er sein Augenmerk auf die "Krankheiten, die den Leib der Kirche befallen können", die Franziskus in seiner Ansprache an die Kurienkardinäle kurz vor Weihnachten 2014 diagnostiziert hatte.

Dompropst Dr. Michael Bär.
Dompropst Dr. Michael Bär.

Sieben dieser "Krankheiten" griff der Dompropst heraus: Bei der "Krankeit, sich unsterblich oder unentbehrlich" zu fühlen empfahl Dr. Bär den Gläubigen einen Friedhofsbesuch. Die "Krankheit des Martalismus, des übertriebenen Fleißes", hindere die Menschen an der nötigen Ruhe, und daran, "sich Jesus zu Füßen zu setzen", warnte er. Den Kranken der "geistigen und geistlichen Versteinerung" legte er eine "innere Haltung der Demut und der Hingabe, der Loslösung und des Großmuts" ans Herz. "Geistliches Alzheimer" sei der "Verfall der spirituellen Fähigkeiten" und treffe diejenigen, "die völlig von ihren Leidenschaften, Launen und Fixierungen abhängen und sich mit Mauern umgeben", erklärte Dr. Bär.

"Hüten wir uns vor dem Terrorismus des Geredes", warnte er auch, denn dieser sei "die Krankheit der Feiglinge, die nicht den Mut finden, etwas unmittelbar anzusprechen und daher hinter dem Rücken reden". "Ein von Gott erfülltes Herz ist ein glückliches Herz", erinnerte er die Mürrischen und Griesgrämigen, die von der "Krankheit der Totengräbermiene" befallen sind. Schließlich sprach er auch die "Krankheit des Hortens" an und stellte fest: "Das Totenhemd hat keine Taschen."

Damit "die Kirche heil und heilend sei"

Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl überreichte Dompropst Dr. Michael Bär eine Votivkerze.
Stadtpfarrer Prälat Günther Mandl (l.) überreichte Dompropst Dr. Michael Bär eine Votivkerze.

Dr. Bär sagte abschließend: "Bitten wir die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche, die Verletzungen der Sünde, die jeder von uns in seinem Herzen trägt, zu heilen und die Kirche zu unterstützen, damit sie heil und heilend, heilig und heiligend sei, zu Ehre ihres Sohnes und zu unserem und der Welt Heil."

Für Papst Franziskus erbat Dr. Michael Bär u.a. "viele Jahre, Monate und Tage im Amt"; außerdem: "Wir bitten für ihn aber auch die Möglichkeit, hierher nach Altötting zur Gottesmutter zu pilgern – wie seine beiden Vorgänger – und mit uns zu beten." Dieser Bitte des Passauer Dompropstes dürften sich die Altöttinger Kirchenbesucher gerne angeschlossen haben.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner