Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Ein "stürmisches" Pfingstwochenende in Altötting: Über 20.000 Pilger besuchten auch dieses Jahr den Gnadenort Unserer Lieben Frau und ließen sich durch Wind und Regen ihre gute Laune nicht verderben. Neben den großen Wallfahrergruppen aus Regensburg und der Legio Mariae kamen noch viele kleinere – eine kleine Auswahl:

Den Arm um die Schulter legen – Pilger aus Pförring

Etwas durchgefroren und müde wirkten sie schon, die Fußwallfahrer aus Pförring, als sie am Pfingstmontag in St. Josef, Altötting-Süd ankamen, um ihren Pilgergottesdienst zu feiern. Zuvor waren sie in der langen Reihe der Legio-Mariae-Wallfahrt über den Kapellplatz an der Gnadenkapelle vorbeigezogen und hatten die Muttergottes begrüßt. Als dann Martin Ott mit seinen Bläsern und Sängern jedoch in St. Josef das Lied "Singt Gott, jubelt ihm" anstimmte, erwachten – ganz pfingstlich – die Lebensgeister wieder und alle sangen und klatschten begeistert mit. Pilgerpfarrer Thomas Vogl nahm diesen Schwung auf und lud zu einer "interaktiven Predigt" ein: Vor dem Gottesdienst hatte er Gebetsbildchen austeilen lassen mit einer Abbildung der berühmten koptischen Ikone "Christus und Abt Menas" aus dem 6.-7. Jh. (heute im Pariser Louvre zu besichtigen). Nicht als "Fleißbildchen" freilich, wie Vogl betonte, sondern um zu veranschaulichen, was während einer Wallfahrt geschehe. Auf der Ikone nämlich legt Christus dem Abt Menas seinen rechten Arm auf die rechte Schulter: "Ich bin da für dich, ich bin an deiner Seite!" Vogl forderte sodann – interaktiv eben – die Pförringer Pilger auf, es Christus gleichzutun und den Arm jeweils um den Banknachbarn zu legen. Denn genau darum gehe es bei der Wallfahrt auch: Einerseits das Miteinander im Glauben spüren, sich gegenseitig stärken – aber auch zu spüren, dass Jesus unser Freund und Wegbegleiter sein wolle. "Immer dürfen wir diese Hand Gottes auf unseren Schultern spüren", so der Prediger. Wir Wallfahrer dürften die Ikone aber in Gedanken noch weitermalen, sagte Vogl weiter: "Da steht dann auf der anderen Seite des Abtes auch noch jemand: die Gottesmutter – auch sie ist immer an unserer Seite." Und wenn "wir dann wieder daheim sind", so Pfr. Vogl abschließend, "dann ist es an uns bildlich gesprochen Jesu Stelle einzunehmen, die anderen zu stärken, etwas weiterzugeben von der Freude und Kraft, die wir auf unserer Wallfahrt spüren durften".

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Wolfgang Terhörst 2, Roswitha Dorfner 1

Jubiläum mit Bischof und Bürgermeister – Wallfahrer aus Winzer

Sie haben sich nicht lumpen lassen, die Pilger aus Winzer, und konnten am Pfingstsamstag zum Jubiläum der 70. Fußwallfahrt nach Altötting einen Bischof, einen Bürgermeister und eine kleine Festschrift aufbieten. Darin viel Wissenswertes zur Entstehung der Wallfahrt: Demnach pilgerten 1946 neun Kriegsheimkehrer aus Winzer aus Dankbarkeit für ihre unversehrte Rückkehr erstmals nach Altötting. Jahr für Jahr hätten sich seit damals immer mehr Gläubige aus den verschiedensten Gründen auf den Weg zur Gnadenmutter gemacht. Die erste "offizielle" Wallfahrt (schriftlich vermerkt in Altötting) schließlich fand am 31. Mai 1952 statt. Nach Josef Heuberger und Alois Brunner hatte Hermann Gessl bis 2013 für 35 Jahre das Amt des Pilgerführers inne. Ihm folgte heuer Josef Ammerer, nachdem die Wallfahrt im vergangenen Jahr noch in einem Leitungsgremium gemanagt wurde. P. Heinrich Grumann hatte die Winzerer heuer in Empfang genommen und zur Gnadenkapelle einbegleitet. Dort begrüßte Bürgermeister Jürgen Roith "seine Pilger" und nahm Ehrungen verdienter "Mitstreiter" vor. Anschließend führte P. Heinrich die Wallfahrer zur St. Konradkirche, wo sie mit Bischof em. Wilhelm Schraml als Hauptzelebrant einen Pilgergottesdienst feierten. Der Bischof war vom Winzerer Pfarrer Richard Simon eingeladen und sehr herzlich begrüßt worden. Schraml zeigte sich beeindruckt von der Pilgertradition in Winzer und sagte: "Ich freue mich außerordentlich, dass ich jetzt mit Ihnen an den Altar treten darf. Jetzt sind wir bei der Muttergottes – und wo die Mutter ist, da ist der Sohn, sie nimmt uns bei der Hand und führt uns zu ihm!".

Text und Fotos: Wolfgang Terhörst

Pilgern schweißt zusammen – 700 Wallfahrer aus Riedenburg

Einen kleinen Umweg mussten heuer die Riedenburger in Kauf nehmen, die als zweite Fußpilgergruppe am frühen Pfingstsamstag, 23. Mai in Altötting eintraf, denn ein Waldstück war durch das regnerische Wetter unpassierbar. Nach alter Pilgertradition umrundeten die rund 700 Wallfahrtsteilnehmer die Gnadenkapelle. Dann kniete Pilgerleiter Hans Schlagbauer nieder und sprach ein Pilgergebet. "Ihr seid am Ziel", freute sich Kapuzinerpater Heinrich Grumann bei der kurzen Statio vor der Gnadenkapelle. Eine Pilgergemeinschaft schweiße zusammen, konnte P. Heinrich aus seiner eigenen Erfahrung berichten. Es werde auch für diejenigen mitgebetet, die körperlich nicht mehr in der Lage, die "innerlich mitgegangen sind". Durch den abrupt einsetzenden Regen musste die Pilgerehrung der Jubilare (darunter zum 40. Mal Werner Germahn, der beim Einzug die Standarte trug) in die St. Anna-Basilika verlegt werden. Mit Pfr. Werner Sulzer wurde in der Basilika Gottesdienst gefeiert.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Sonne im Herzen – Pilger aus Erding

"Wer Sonne im Herzen mitbringt, dem macht der Regen nichts aus", stellte Kapuzinerpater Br. Andreas Kaiser fest, als er die rund 150 Fußpilger aus Erding/St. Johannes am frühen Morgen des Pfingstsamstags in der St. Konradkirche begrüßte; seit 1 Uhr früh waren die Erdinger auf den Beinen. Dabei präsentierte Br. Andreas auch seinen regenbogenfarbenen Regenschirm als Zeichen für Gottes Bund mit den Menschen (vgl. Gen 9,16). Ausdrücklich dankte er für das Glaubenszeugnis der Wallfahrer und stellte fest: "Bei einer Wallfahrt lernt man wieder Achtsamkeit vor der Natur und den Mitmenschen." Eine Achtsamkeit, die auch den hl. Br. Konrad ausgezeichnet habe. Wie der hl. Klosterpförtner sollten auch wir immer wieder auf den Herrn schauen, "der uns immer nahe ist", riet Br. Andreas. Mit Pfr. Prälat Josef Mundigl feierten die Pilger eine hl. Messe in St. Konrad.

Text und Fotos: Michael Glaß

Kein "Gaudimarsch" – Wallfahrt aus Deggendorf

Mit dem Zug über den Kapellplatz zur Stiftspfarrkirche am Pfingstsamstag, hatten sich die Fußpilger aus dem niederbayerischen Deg-gendorf zum 384. Mal auf den Weg gemacht und das Ziel erreicht. Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl ließ es sich als gebürtiger Osterhofener nicht nehmen, die 700 Pilger "aus seiner Heimat", allen voran Pilgerleiter Manfred Bachmeier, zweiten Pilgerleiter Florian Stallinger und Ehrenpilgerleiter Richard Stallinger in Empfang zu nehmen. Prälat Mandl zollte der sportlichen Leistung seinen größten Respekt. Aber noch viel mehr dankte der Administrator und Wallfahrtsrektor für das begeisternde Glaubenszeugnis, das ja kein "Gaudimarsch" sei, sondern bezeuge: "Ich bin Christ!" Er entließ die Deggendorfer mit der Bitte: "Nächstes Jahr wiederkommen!"

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Rechts vor links – Pilger aus Eichenried-Moosinning-Eicherloh

"Pfingsten setzt Menschen in Bewegung!" – Das sagte stv. Wallfahrtsrektor P. Norbert Schlenker zur Begrüßung der Fußwallfahrer aus Eichenried-Moosinning-Eicherloh am Pfingstsamstag in der St. Magdalena-Kirche. Doch zuvor wurde er in der Bewegung von den Pilgern selbst "ausgebremst": Die Reihe der Gläubigen war so lang, dass P. Norbert und die Spitze des Zuges beim Umrunden der Gnadenkapelle die "Nachhut" zunächst passieren lassen musste – ganz ordnungsgemäß rechts vor links. In der Kirche ehrte dann Ständiger Diakon Dieter Spöttl im Namen des gesamten Organisationsteams einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre langjährige Treue zur Wallfahrt. P. Norbert entließ die Pilger schließlich mit dem Aufruf: "Bleibt in der Liebe des Herrn!"

Text und Fotos: Wolfgang Terhörst

Regenreicher "Gebetsmarathon" – Wallfahrt aus Straubing

"Wallfahrt bei Regen bringt Glück und Segen", tröstete Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl die 700 Fußpilger aus Straubing beim Eintreffen am Sonntagmorgen, 23. Mai in der Herrenmühlstraße in Altötting nach zweitägiger Fußwallfahrt. Für die Straubinger schien's eher ein "billiger Trost" gewesen zu sein, denn selbst der besten Regenumhang oder Schuhwerk wird bei zu viel Nass einmal wasserdurchlässig – zumal bei einem "17-Stunden-Gebetsmarathon", wie es der mitpilgernde Frater Robert von den Barmherzigen Brüdern in Regensburg auszudrücken pflegte. Pilgerleiter Sepp Drescher jedenfalls war erleichtert, als alle Fußpilger zwar durchnässt aber wohlbehalten den Gnadenort erreichten, um in der St. Anna-Basilika mit Pfarrer i. R. BGR Paul Urlberger, Regensburg (heuer zum letzten Mal mit dabei) eine Pilgermesse zu feiern. Dass das Wetter momentan sehr verrückt spielt, sieht man an der Tatsache, dass es in Straubing – als die Fußwallfahrer auf dem Weg nach Altötting waren – kaum geregnet hat. Und dort wartet man schon lange, dass der Himmel seine Schleusen öffnen möge.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Unter Glockengeläut – 500 Pilger aus Neumarkt St. Veit

Diakon Thomas Zauner geleitete am Pfingstmontag um 8 Uhr morgens die rund 500 Pilger aus Neumarkt St. Veit in die St. Anna-Basilika. Unter dem Geläut der Glocken marschierte der lange Pilgerzug über den Kapellplatz. Viele der Fußwallfahrer waren um 2 Uhr morgens aufgebrochen, andere Pilger schlossen sich um 4 und 5 Uhr früh auf den Weg nach Altötting an. Mit Pfr. Franz Eisenmann feierten sie schließlich eine hl. Messe in der Basilika.

Text und Fotos: Michael Glaß

"Glaubenskundgebung" – 300 Fußwallfahrer aus Oberhause

Die 300 Fußwallfahrer aus Oberhausen, die mit ihrem Pfarrer Marius Francescu am Pfingstmontag, 25. Mai, gegen 13 Uhr am Kapellplatz Einzug hielten, bildeten den Abschluss der vielen Fußpilger, die am Pfingstwochenende nach Altötting kamen. Ab 1 Uhr frühmorgens auf dem Weg, hatten sich ab Burg bei Winhöring dann auch noch viele junge Pilger (Erstkommunionkinder und Firmlinge) die letzte Wegetappe angeschlossen. Kapuzinerpater Heinrich Grumann übernahm die Pilgerbegrüßung in der Stiftspfarrkirche und nannte es eine "Glaubenskundgebung" besonderer Art, wenn sich an einer Fußwallfahrt auch so viele Kinder beteiligten und so quasi in die Fußstapfen der Eltern und Großeltern treten – wenn sie auch nicht den ganzen Weg marschiert waren, meinte er augenzwinkernd. "Ihr seid an Pfingsten zur Muttergottes nach Altötting gepilgert und", so P. Heinrich, "gerade Maria als die Braut des Heiligen Geistes hat im Heilsplan Gottes eine besondere Rolle gespielt." Übrigens: Laut Wallfahrtsleiter und Organisator Anton Schachtner ist die Oberhausener Fußwallfahrt nach Altötting uralt und geht auf ein Pestgelübde aus dem Jahr 1713 zurück.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner