Altöttinger Liebfrauenbote

30 Jahre Initiativkreis Junge Wallfahrt Altötting: Jugendgottesdienst mit rund 300 Teilnehmern

"Jugendgerecht und innovativ"

Seit 30 Jahren existiert mittlerweile der "Initiativkreis Junge Wallfahrt Altötting" (IK), der u.a. regelmäßig Jugendgottesdienste im Kongregationssaal organisiert. Das Jubiläum feierte er am 19. Juli mit einem frischen und kreativen Jugendgottesdienst unter dem Motto "Ruht ein wenig aus" im Garten des St. Magdalenaklosters; rund 300 Besucher nahmen teil. In einer Laudatio würdigte Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner das "jugendgerechte und innovative Konzept" des IK, "das inzwischen über die Grenzen des Landkreises Altötting hinaus bekannt ist".

Christine Hofmeister blickt auf 30 Jahre Initiativkreis zurück, im Hintergrund Br. Andreas Kaiser und Br. Georg Greimel.
Christine Hofmeister blickt auf 30 Jahre Initiativkreis zurück, im Hintergrund Br. Andreas Kaiser (l.) und Br. Georg Greimel.

"Zu mir kommen? Ja was mecht i (will ich) denn bei mir...???" – In einem humorvollen Anspiel zur Predigt nehmen Christine Hofmeister sowie Bettina May und Günter Wewerka – allesamt Mitglieder und Organisatoren im IK – den mittlerweile typischen Alltagsstress aufs Korn und provozieren viele Lacher. Vor lauter Handy-Nachrichten und Terminen kommt der Protagonist in dem selbst erarbeiteten Rollenspiel nicht mehr zur Ruhe – geschweige denn zu sich selbst. Dann am Ende aber kommt der Befehl: "Jetzt setz dich hin und lass uns den Gottesdienst feiern!" Und weiter geht's mit der Predigt von Kapuzinerpater Br. Georg Greimel und einem insgesamt sehr kreativ gestalteten Gottesdienst – musikalisch gestaltet von der Musikgruppe "Jericho" aus Pleiskirchen mit christlichen Popsongs.

"Aus unserem Wallfahrtsgeschehen nicht mehr wegzudenken"

Die Musikgruppe "Jericho" gestaltete den Gottesdienst musikalisch.
Die Musikgruppe "Jericho" gestaltete den Gottesdienst musikalisch.

Es sind diese Rollenspiele – und auch die schwungvolle Musik –, welche die Jugendgottesdienste, die sonst jeden Sonntag im Sommer im Kongregationssaal stattfinden, bei Kindern, Jugendlichen, jungen Familien und jung gebliebenen Erwachsenen weit über die Landkreisgrenzen hinaus so beliebt machen. Dabei sind diese längst nicht alles, was der IK in Altötting organisiert. Er veranstaltet außerdem jedes Jahr  einen Glaubensweg nach Parzham, Basare für karitative Einrichtungen, Besinnungstage – und natürlich die Dankwallfahrt für Motorradfahrer am Kapellplatz, bei der mittlerweile regelmäßig weit über tausend Teilnehmer gezählt wurden. Heckner kam in ihrer Laudatio zu dem Schluss: "Mit Ihrem modernen Ansatz, mit Ihren Angeboten auch 'außerhalb der Norm', bereiten Sie den Weg für eine offene, frische Kirche." Und: "Ihre Aktivitäten sind aus unserem Wallfahrtsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Das verdanken Sie einer rührigen Mitgliedschaft mit engagierten Mitarbeitern. Das verdanken Sie auch den Kapuzinern, die Sie seit Anbeginn unterstützen."

"Wir wollen Glauben erlebbar machen"

Gottesdienstbesucher im Klostergarten, in der Mitte: Günter Wewerka.
Gottesdienstbesucher im Klostergarten, in der Mitte: Günter Wewerka vom IK.

Einer der Kapuziner, Br. Andreas Kaiser, ist als einziges Gründungsmitglied seit 30 Jahren mit dabei. Br. Andreas konzelebrierte auch mit Br. Georg die hl. Messe im Klostergarten. Nicht nur Heckner dankte den Kapuzinern, sondern auch Christine Hofmeister vom IK. Letztere blickte in einer kurzen Begrüßung zurück: "Vor 30 Jahren herrschte eine Aufbruchsstimmung. Wir tragen die Aufbruchsstimmung immer noch weiter – und das sehr gerne", denn: "Wir wollen Glauben erlebbar machen, sodass Gemeinschaft in Christus fühlbar wird."  In einer kurzen launigen Ansprache richtete Altöttings Zweiter Bürgermeister Wolfgang Sellner den Dank an IK und Kapuziner im Namen der Stadt aus. Außerdem nahmen am Gottesdienst teil: Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer, stellvertretender Landrat Stefan Jetz und Hubertus Sterflinger, Jugendseelsorger im kirchlichen Jugendbüro im Landkreis Altötting. Nach dem Gottesdienst waren alle Besucher noch zu einer kleinen Agape eingeladen.

"Es liegt auch an uns als glaubende Menschen, wie wir unsere Zukunft gestalten"

MdB Stephan Mayer, MdL Ingrid Heckner, stv. Landrat Stefan Jetz und 2. Bürgermeister Wolfgang Sellner beim Gottesdienst im Klostergarten.
MdB Stephan Mayer (v.l.), MdL Ingrid Heckner, stv. Landrat Stefan Jetz und 2. Bürgermeister Wolfgang Sellner beim Gottesdienst im Klostergarten.

Nicht nur Dank und Lob, sondern auch ernste Themen sprach Heckner in ihrer Laudatio an: "Die christlichen Kirchen stehen nicht mehr wie früher wie selbstverständlich im Mittelpunkt im Leben der Menschen", stellte sie fest. Eine Entwicklung, die Heckner mit Sorge mitverfolgt, aber nicht ohne Hoffnung: "Wenn die Kirche es schafft, ihre Rolle neu zu definieren, und auf die Menschen zuzugehen, dann wird sie auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen", zeigte sie sich überzeugt. Laut Heckner erfüllt die Kirche eine wesentliche gesellschaftliche Funktion. "Nicht nur von den Gläubigen wird sie geschätzt als Instanz, die Zuspruch wie Trost bietet, die Angebote zur Sinnstiftung macht, und die vor allem für die Bewahrung unserer Grundwerte eintritt", erklärte die Landtagsabgeordnete. Auch mit Verweis auf den Missbrauch der Religion und die grausame Gewalt u.a. im Nahen und Mittleren Osten mahnte sie, dass Kirche und Gläubige "niemals ihre Werte wie Nächstenliebe und Frieden aufgeben" dürften. "Es liegt auch an uns als glaubende Menschen, wie wir unsere Zukunft gestalten", erklärte Heckner.

"Ruht ein wenig aus"

Die Kapuzinerpatres Br. Andreas Kaiser und Br. Georg Greimel beim Gottesdienst.
Die Kapuzinerpatres Br. Andreas Kaiser (l.) und Br. Georg Greimel beim Gottesdienst.

Br. Georg hatte in seiner Predigt vor allem das Motto der Jubiläumsfeier – "Ruht ein wenig aus" – im Blick: "Ihr habt quasi die Rolle Jesu im heutigen Evangelium (Mk 6, 30-34) übernommen", erklärte er den beiden Damen vom IK, die kurz zuvor im Rollenspiel Günter aus seiner gehetzten und vernetzten Welt herausgeholt hatten. "Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus", heißt es im Evangelium des Sonntages. Jesus empfängt demnach seine Jünger, die gerade von ihrer ersten Missionsreise zurückkamen, und lässt sie sich erst einmal ausruhen. Br. Georg erklärte: "Wer nur gehetzt ist, kann der Kirche, kann dem geistlichen Leben, kann dem Reich Gottes nicht wirklich dienen." Der Gedanke des "Zur-Ruhe-Kommens" sei nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten. Br. Georg betonte die Bedeutung gemeinsamer "Mahl-Zeiten", ebenso wie die des Gebets: "Ich denke, jeder kennt Menschen, die sehr viel zu tun haben, die aber auch viel beten; vielleicht geht ihnen gerade deshalb die Arbeit so gut von der Hand, weil sie stark rückgebunden sind an den Sinn stiftenden Urgrund des Daseins", stellte Br. Georg fest, und mahnte auch zum Sonntagsschutz.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner