Altöttinger Liebfrauenbote

Attentat auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" – Reaktionen und Kommentar

Ein Anschlag auf die Freiheit

Mindestens zwölf Menschenleben forderte ein Anschlag radikaler Islamisten auf die Redaktion des islamkritischen Satiremagazin "Charlie Hebdo" am 7. Januar in Paris, vier weitere auf einen jüdischen Supermarkt am 9. Januar. Weltweit rief die Tat Entsetzen hervor – auch bei Papst, Bischöfen und – Imamen. – Reaktionen und ein Kommentar:

"Je suis Charloe – Ich bin Charlie": Ganz in schwarz präsentiert sich derzeit die Website des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo".
"Je suis Charlie – Ich bin Charlie": Ganz in schwarz präsentiert sich derzeit die Website des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo".

Papst Franziskus verurteilte den Anschlag "aufs Schärfste". Diese tödliche Gewalt sei "abscheulich, welche Motive sie auch immer gehabt haben mag", heißt es in einer Erklärung von Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Papst fordere jeden auf, sich "mit allen Mitteln der Ausbreitung von Hass und jeder Form von moralischer oder körperlicher Gewalt entgegenzustellen". – Der Vatikan hat auf Twitter einen eigenen Hashtag für die Opfer des Attentats von Paris geschaffen. Unter #PrayersforParis laufen Tausende Kommentare zu dem Anschlag ein.

Der Vatikan und vier französische Imame verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung den Anschlag in Paris als "Grausamkeit und blinde Gewalt". Ohne die Pressefreiheit sei die Welt in Gefahr, heißt es in dem Schreiben, das der Vatikan am 8. Januar veröffentlichte und Radio Vatican dokumentierte. Unterzeichner sind der Präsident des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, der französische Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, vier französische Imame sowie der Bischof von Evry, Michel Dubost, und der Direktor des französischen katholischen Dienstes für die Beziehungen mit dem Islam, Christophe Roucou. Sie hatten im Vatikan an einer Konferenz über den interreligiösen Dialog in Frankreich teilgenommen; sie besuchten auch die Generalaudienz des Papstes.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, forderte in einem Statement zu gesellschaftlicher Geschlossenheit auf: "Die Morde von Paris sollten die freiheitliche Ordnung unserer westlichen Gesellschaften treffen, sie sind ein brutaler Angriff auf die Werte und die Rechtskultur, die ein modernes Land auszeichnen (...) Wir lehnen es ab, Mördern und Extremisten den Gefallen zu tun, sie als legitime Vertreter einer Religionsgemeinschaft zu betrachten und damit das in Europa in der Regel gute Miteinander von Christen und Muslimen in Gefahr zu bringen."

In einer gemeinsamen Erklärung haben Christen und Muslime des gleichnamigen Gesprächskreises beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) das Attentat "auf das Schärfste" verurteilt: "Wir verurteilen den blutigen Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins 'Charlie Hebdo', der zwölf Menschenleben forderte. Diese abscheuliche Tat ist zugleich ein Anschlag auf die Pressefreiheit und den gesellschaftlichen Frieden." Zugleich zeigen sich die Mitglieder des Gesprächskreises tiefer besorgt von den negativen Rückwirkungen des extremistischen Terrors auf das Bild des Islam und die christlich-islamische Dialogarbeit in Deutschland. "Wir verurteilen die Instrumentalisierung der Wut und der Angst vieler Menschen, nicht mehr zur Gesellschaft dazuzugehören, durch geschichtsvergessene populistische, rassistische und extremistische Bewegungen und Parteien", so die  Erklärung. – Bereits zuvor hatte ZdK-Präsident Alois Glück ein gemeinsames Manifest von evangelischen, jüdischen und muslimischen Vertretern gegen jegliche Gewalt im Namen der Religion unterzeichnet.

Auch der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke reagierte entsetzt auf den Terroranschlag. Der in der Deutschen Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog zuständige Geistliche griff im Gespräch mit der der Katholischen Nachrichtenagentur KNA das Motto der weltweiten Solidaritätsaktion auf: "'Je suis Charlie' (Ich bin Charlie) – das muss jeder von uns sagen. Ich stehe an der Seite der Opfer, des Chefredakteurs und der Mitarbeitenden, nicht zuletzt der Polizisten. Ich stehe auf der Seite der Freiheit der Gedanken und des Wortes."

Text und Foto: red

Kommentar

Sie töten, um das Lachen zu beenden. Man möchte meinen, dass die Attentäter ihren Propheten Mohammed für ziemlich schwach halten, wenn sie ihn nur wegen ein paar Bildern mit Waffengewalt verteidigen müssen. Doch leider bilden sich diese Islamisten ein, im rechten Glauben zu handeln.

Nun ist auch religiöse Verblendung Teil der "abendländischen" Geschichte, doch schienen zumindest die schlimmsten Auswüchse dank Aufklärung, Menschenrechten und freiheitlicher Demokratie überwunden. Es darf auch in Zukunft nicht sein, dass Menschen um ihr Leben fürchten müssen, nur weil sie Witze machen; seien es auch geschmacklose Witze über Gott und Religion. Satire kann religiöse Gefühle verletzen, aber niemals Gott selbst, und Freiheit muss auch wehtun dürfen, sonst ist es keine echte Freiheit. Wer sich verletzt fühlt, hat schließlich stets auch die Freiheit, sich zu wehren – mit Worten oder mit Stift und Papier, aber niemals mit Gewalt!

Zugegeben, es gibt auch fundamentalistische Christen, die auf Satire dünnhäutig reagieren, doch gewalttätig sind derzeit ausschließlich muslimische Gläubige. Natürlich gibt es hier einen Zusammenhang! Gewiss: Der weitaus größte Teil der in Europa lebenden Muslime ist friedlich, und erst vor kurzem bestätigte eine Studie der Bertelsmann Stiftung, dass sich die große Mehrheit der Muslime in Deutschland mit den Grundwerten Demokratie und Pluralität identifizieren; sie seien fromm und liberal zugleich, heißt es dort. Es wäre langsam an der Zeit, dass sie dies auch beweisen, z.B. indem sie offen über Gewalt und Glaube reden oder gegen radikalen Islamismus demonstrieren. Dies wäre ein wertvoller Beitrag zum Zusammenhalt einer Gesellschaft, die den Islam zunehmend als Bedrohung wahrnimmt. Bedenkt man, was nur drei "Gotteskrieger" in Paris anrichten konnten, ist Angst eine natürliche Reaktion.

Christen sind ihrerseits dazu aufgerufen, gerade jetzt Ängste nicht unnötig zu schüren. Bei rund 6% Muslimen im Land von einer drohenden "Islamisierung" zu sprechen, ist blanker Unfug. Dies gilt ebenso für die angebliche "Meinungsdiktatur", die einige Bürger neuerdings – auch mit christlichen Symbolen in der Hand – anprangern. Doch bislang ist noch kein "Pegida"-Demonstrant eingesperrt worden, nur weil er friedlich auf die Straße ging. Die als "Lügenpresse" gescholtenen Medien haben wahrheitsgemäß berichtet. Genau dies ist eben der Unterschied zwischen eingebildeten und wirklichen Diktaturen.

Wir können von Glück reden, in einem freien Land zu leben. Christen wie Muslime und auch Nichtgläubige sind dazu aufgerufen diese Freiheit gegen religiöse und auch gegen weltanschauliche Verblendung zu verteidigen. Dabei kann auch der Humor eine starke Waffe sein. Er darf nicht sterben!

Kommentar: Michael Glaß