Altöttinger Liebfrauenbote

Sternsingeraktion 2015 – Kinderleben auf den Philippinen

Hilfe, die satt macht

Für mangel- und unterernährte Jungen und Mädchen auf den Philippinen gibt es Hoffnung: Mehr als 600 ehrenamtliche Helfer der "Pastoral da Criança" (wörtlich: Kinderpastoral) unterstützen Familien, die sich nur schwer eine ausgewogene Ernährung für ihre Kinder leisten können. Sie sorgen dafür, dass sich die Ernährungs- und Gesundheitssituation von Kleinkindern und Schwangeren verbessert. Das Thema Ernährung und das Beispielland Philippinen stehen im Mittelpunkt der aktuellen Aktion Dreikönigssingen. "Segen bringen, Segen sein. Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit!" heißt diesmal das Leitwort der Sternsinger.

Hilfe auf den Philippinen: Während ihre Mütter in Ernährungs- und Gesundheitsthemen geschult werden, nehmen die Kinder am Katecheseunterricht teil.
Hilfe auf den Philippinen: Während ihre Mütter in Ernährungs- und Gesundheitsthemen geschult werden, nehmen die Kinder am Katecheseunterricht teil.

Vorsichtig hebt Lorena das kleine Mädchen in den Tragegurt, den sie dann an eine Waage hängt. "Sie hat etwas zugenommen, aber sie wiegt immer noch zu wenig für ihr Alter", sagt Lorena und liest unter den besorgten Blicken der Mutter das Gewicht von der Waage ab. Auch beim anschließenden Messen liegt das Mädchen unter der Normalgröße. Während eine zweite Helferin die Daten sorgfältig in eine Tabelle einträgt, ruft eine dritte bereits die nächste Mutter mit ihrem Sohn auf, der ebenfalls von Lorena gewogen und gemessen wird. Mit ihren 13 Jahren ist Lorena die jüngste von über 600 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Programms "Pastoral da Criança" auf den Philippinen. "Ich habe meine Mama immer zu den Kursen begleitet. Jetzt bin ich selbst Betreuerin", erzählt das aufgeweckte Mädchen. "Ich habe gelernt, den Menschen zu helfen. Meine Mama ist sehr stolz auf mich."

Von Brasilien in die ganze Welt

Lorena hilft beim Wiegen der Kinder.
Lorena (r., 13) hilft beim Wiegen der Kinder.

"Pastoral da Criança" ist Portugiesisch und bedeutet wörtlich übersetzt "Kinderpastoral". Dahinter verbirgt sich ein Konzept, das aus Brasilien stammt. Da es dort sehr erfolgreich war, wurde es auch in anderen Ländern umgesetzt – zuerst in Lateinamerika, später auch auf anderen Kontinenten. Inzwischen gibt es die "Pastoral da Criança" in 21 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und der Karibik. Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" unterstützt die Arbeit derzeit in zehn Ländern weltweit. Im Jahr 2004 brachte Schwester Terezinha Kunen das Konzept der "Pastoral da Criança" aus ihrer Heimat Brasilien auch auf die Philippinen. In der Diözese Iba, im Westen der Hauptinsel Luzon, ist die "Pastoral da Criança" mittlerweile in 58 Gemeinden tätig.

"Ein Ziel ist es, die Zahl der mangel- und unterernährten Kinder zu verringern", erklärt Edgar Ebid, der Verantwortliche in der Diözese Iba, der von allen nur "Tonton" genannt wird. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter gehen regelmäßig zu den Familien nach Hause und informieren sie über Ernährung, Hygiene, Gesundheit und die Zubereitung von Lebensmitteln. Außerdem ermutigen sie die Mütter, ihre Babys zu stillen, statt ihnen die Milchflasche zu geben. Das macht die Kleinen weniger anfällig für Krankheiten, ist kostenlos und verschafft den Kindern einen gesunden Start ins Leben.

Auch "Tonton" gibt Seminare für stillende Mütter. "Anfangs haben die Frauen gelacht, vor allem aus Verlegenheit, aber inzwischen akzeptieren sie mich", erzählt der 32-Jährige. Er weiß, wie wichtig es ist, dass die Mütter ihre Kinder stillen. "Die Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die ein Baby braucht und ist sehr gesund", erklärt er. In mehrtägigen Kursen werden auch die Mitarbeiter regelmäßig geschult und geben ihr Wissen an die Familien weiter.

"Früher hat sich keiner für uns interessiert"

Auch die regelmäßigen Besuche bei ihrer Freundin Rivalin gehören zu Lorenas Aufgaben als Betreuerin. Rivalins einjährige Schwester Rhiana ist unterernährt und wird von der "Pastoral da Criança" betreut.
Auch die regelmäßigen Besuche bei ihrer Freundin Rivalin gehören zu Lorenas Aufgaben als Betreuerin. Rivalins einjährige Schwester Rhiana ist unterernährt und wird von der "Pastoral da Criança" betreut.

Einmal monatlich laden die mitarbeitenden Mütter und ihre Kinder zur "Celebration of Life" (wörtlich: "Feier des Lebens") ein. Geduldig warten die Frauen in der sengenden Mittagssonne, bis auch sie an der Reihe sind und ihre Kinder gemessen und gewogen werden. Viele Familien leben in sehr armen Verhältnissen, die Kinder sind oft mangel- und unterernährt. Ihnen fehlt die Energie zum Spielen, sie können sich nicht konzentrieren. Nach dem Messen und Wiegen erhalten die Mütter eine Zusatznahrung aus Reiskleie, Pulver aus sehr vitaminreichen Malunggay-Blättern, Sojabohnen, Kakaopulver, Kürbis- oder Papayakernen, die sie ihren Kindern regelmäßig geben sollen. Sie liefert dem Körper wichtige Nährstoffe und wird deshalb auch an schwangere Frauen verteilt. Kürbis- und Papayakerne helfen außerdem gegen Wurmerkrankungen, an denen viele Jungen und Mädchen leiden.

"Die Zusatznahrung ist aber nicht die Lösung", erklärt "Tonton". "Auf lange Sicht lernen die Menschen mit unserer Hilfe, wie sie sich und ihre Kinder mit einfachen Mitteln ausgewogen ernähren können." Während die Kinder gespannt dem Katecheseunterricht lauschen, werden die Mütter bei der "Celebration of Life" auch in Gesundheits- und Ernährungsfragen geschult. Sie lernen zum Beispiel, was sich aus einer Bananenpflanze alles herstellen lässt: aus den Früchten entstehen Bananenburger oder Bananenketchup, aus den Bananenblüten Hustensaft, Blätter und Stängel eignen sich als Tischdecke oder als Teller. "Ich habe gelernt, wie ich aus wildem Ingwer Medizin für meine Kinder herstellen kann", erzählt Linda, eine sechsfache Mutter. "Früher hat sich keiner für uns interessiert, deswegen freue ich mich sehr, wenn die Mitarbeiter der 'Pastoral da Criança' uns besuchen."

Auch wenn das Thema Ernährung im Vordergrund steht: "Die 'Pastoral da Criança' ist mehr als ,nur' Ernährung", sagt "Tonton". "Es ist ein ganzheitliches Programm, das Hoffnung, Liebe, Zuwendung und Glaube für die ganze Familie bringt. Die Menschen merken: Da kümmert sich jemand um uns, wir sind wichtig." Rund 3.600 Kinder, 2.800 Familien und 300 Schwangere hat die "Pastoral da Criança" auf den Philippinen bisher betreut - in Zukunft sollen es noch viele mehr werden.

Text: Susanne Dietmann, Fotos: Kindermissionswerk "Die Sternsinger"

Sternsinger in einer Wohnung in Buxtehude.
Sternsinger in einer Wohnung in Buxtehude.

Die Sternsinger unterstützen seit 2008 die Arbeit der "Pastoral da Criança" auf den Philippinen. 2013 hat die Organisation ihre Arbeit ausgeweitet. Zunächst werden in 30 Pfarreien Multiplikatoren und Trainer ausgebildet und Materialien in die Landessprache Tagalog übersetzt. Künftig soll das Programm jährlich rund 3.600 mangel- und unterernährte Kinder erreichen.

Zum 57. Mal sind rund um den 6. Januar 2015 bundesweit die Sternsinger unterwegs. "Segen bringen, Segen sein. Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit!" heißt das aktuelle Leitwort der Aktion Dreikönigssingen, bei der in allen 27 deutschen Bistümern wieder Kinder und Jugendliche in den Gewändern der Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür ziehen werden. Beispielland sind die Philippinen, inhaltlich dreht sich alles um das Thema "Ernährung".

Bei der 56. Aktion zum Jahresbeginn 2014 hatten die Sternsinger rund 44,5 Millionen Euro gesammelt. Rund 330.000 Mädchen und Jungen sowie rund 90.000 Begleitende hatten sich in 11.075 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten beteiligt. Rund 1.800 Projekte für Not leidende Kinder in weltweit über 100 Ländern konnten die Sternsinger zuletzt jährlich unterstützen.

Siehe auch www.sternsinger.org