Altöttinger Liebfrauenbote

Neue Wallfahrtsleitung: Prälat Günther Mandl und Kapuzinerpater Norbert Schlenker im Interview

"Wir wollen die Empfangskultur verbessern"

Seit September vergangenen Jahres gibt es eine neue Wallfahrtsleitung in Altötting. Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und sein Stellvertreter, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, wollen die Wallfahrt in Altötting als Team organisieren. Wie das funktioniert, und was sich in Altötting alles ändern wird, darüber informieren sie im Interview.

Die "Boten"-Redakteure Michael Glaß und Wolfgang Terhörst im Interview mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker.
Die "Boten"-Redakteure Michael Glaß (von links) und Wolfgang Terhörst im Interview mit Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker.

Herr Prälat Mandl, Pater Norbert – sind Sie schon einmal auf einem Tandem gesessen?
Prälat Mandl (lacht): Ich leider noch nie.
Pater Norbert (lacht): Ich auch nicht.

Wir fragen nach, weil Sie sich zuletzt immer als "Doppelspitze" in der Wallfahrtsleitung vorgestellt und die Zusammenarbeit zwischen Bischöflicher Kapelladministration und Kapuziner betont haben. Sie sind sozusagen als "Tandem" unterwegs. Mit einem Tandem ist man ja auch schneller, aber man muss gut harmonieren, sonst kommt man nicht von der Stelle. Sie arbeiten jetzt seit September 2014 zusammen: Wie läuft‘s denn so?
Pater Norbert: Dieses Bild hat Günther (Prälat Mandl) geprägt. Ich finde es sehr gut. Wir beide sind in regelmäßigem Austausch – auch mit anderen Mitarbeitern und Gremien tauschen wir uns regelmäßig aus –, und ich denke, dass vieles auf einem guten Weg ist; vor allem geht es uns darum, die Wallfahrt mehr zu vernetzen.
Prälat Mandl: Ich habe auch den Eindruck, dass wir auf einem guten Weg sind, uns immer wieder abzustimmen, zu vernetzen und eine gemeinsame Zielrichtung herauszuarbeiten. Tandem heißt ja, dass beide fest in die Pedale treten, und dass der Vordermann immer in Abstimmung mit seinem Hintermann lenkt. Eine andere Metapher, die ich gebraucht habe, ist die vom Piloten und Co-Piloten, die sich im Cockpit abwechseln. Generell möchte ich nicht, dass sich alles auf eine Person zentriert, und Mitarbeiter zu reinen Befehlsempfängern degradiert werden. Alleine würde ich auch bei all meinen Ämtern und Aufgaben total überfordert sein. Die Kapuziner waren zudem immer die Träger der Wallfahrt, vor allem in der Seelsorge. Hier gilt es, die gute Zusammenarbeit zwischen Kapelladministration und Kapuzinern fortzusetzen.

"Wir müssen die Organisatoren möglichst aller Pilgergruppen erreichen"

Prälat Günther Mandl wurde 1946 geboren und 1972 in Rom zum Priester geweiht. Er war lange als Religionslehrer und Studienrat am Gymnasium Leopoldinum in Passau tätig und gleichzeitig Seelsorger in Straßkirchen (Landkreis Passau). 2002 ging er nach Al
Prälat Günther Mandl wurde 1946 geboren und 1972 in Rom zum Priester geweiht. Er war lange als Religionslehrer und Studienrat am Gymnasium Leopoldinum in Passau tätig und gleichzeitig Seelsorger in Straßkirchen (Landkreis Passau). 2002 ging er nach Altötting, wo er seither als Stiftspropst und Stadtpfarrer in der Verantwortung ist. Bis vor zwei Wochen war Prälat Mandl auch Dekan im 2012 neu geschaffenen Dekanat Altötting. Bei den Neuwahlen im Januar 2015 trat er nicht mehr an, vor allem um „mehr Freiraum“ zu haben für sein weiteres Amt als Wallfahrtsrektor in Altötting und Administrator der Hl. Kapelle, das er seit September 2014 wahrnimmt. In dieser Funktion ist er nicht nur für die Gnadenkapelle, sondern auch für das „Haus Papst Benedikt XVI. – Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum“ verantwortlich.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker wurde 1954 in Karlsruhe geboren – wie er selbst berichtet wuchs er auf „im Schatten eines Kapuzinerklosters“, das jedoch 1992 aufgelöst wurde. Seit 1973 ist P. Norbert Kapuziner, 1980 wurde er zum Priester geweiht.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker wurde 1954 in Karlsruhe geboren – wie er selbst berichtet wuchs er auf „im Schatten eines Kapuzinerklosters“, das jedoch 1992 aufgelöst wurde. Seit 1973 ist P. Norbert Kapuziner, 1980 wurde er zum Priester geweiht. Er war 15 Jahre lang Pfarrseelsorger im mittelbadischen Offenburg. Danach war er als Wallfahrts- und Pfarrseelsorger in der Verantwortung – elf Jahre im Schwarzwaldkloster Zell am Harmersbach und vier Jahre in Deggingen Ave Maria auf der Schwäbischen Alb. Bevor er im Januar 2014 nach Altötting wechselte, war er drei Jahre lang Cityseelsorger in Frankfurt Liebfrauen. Derzeit ist er Guardian im Kapuzinerkloster St. Magdalena, Kirchenrektor der Basilika St. Anna und stellvertretender Wallfahrtsrektor in Altötting.

Die Harmonie wird auch wichtig sein, denn es wartet ein ganzer Berg an Arbeit. Vor allem die Zahl der Pilger, die länger als einen halben Tag in Altötting verweilen, ist schon seit Jahren stark rückläufig. Sie haben angekündigt, einen „Arbeitskreis Wallfahrt 2020“ zu gründen, um die Wallfahrt zukunftsfähig zu machen. Gibt es bereits erste Ergebnisse?
Prälat Mandl: Bei dem Arbeitskreis handelt es sich um eine Art "Ideenschmiede". Als Moderator des Arbeitskreises betone ich immer wieder, dass es keine Denkverbote gibt, und es kommen auch viele kreative Vorschläge. Eine erste Frucht unserer Gespräche ist die Ausweitung der traditionellen Pilgerleitertagung im November, die voraussichtlich im Altöttinger Kultur + Kongress Forum stattfinden wird. Künftig sollen über 1.000 Adressaten eingeladen werden, allesamt Leiter und Organisatoren regelmäßiger Wallfahrten nach Altötting sowie Freunde des Wallfahrtsortes. Geplant ist neben Vorträgen, Referaten und Diskussionsrunden u.a. ein Pontifikalgottesdienst mit Diözesanbischof Stefan Oster. Bislang hatten wir zu dieser Tagung nur die Pilgerleiter der 60 größten (Fuß-)Wallfahrergruppen eingeladen. Dies war stets ein ergiebiger Gedankenaustausch einer wunderbaren, befreundeten Gruppe, doch wir haben festgestellt: Das ist einfach zu wenig. Wir müssen die Organisatoren möglichst aller Pilgergruppen erreichen. Von ihnen hängt die Zukunft der Wallfahrt ab. Sie sind unsere Motivatoren und Multiplikatoren vor Ort, und wir möchten ihnen allen das Gefühl vermitteln, hier erwünscht zu sein.
Pater Norbert: Dadurch wollen wir den Gruppen auch schmackhaft machen, die Verweildauer am Wallfahrtsort zu verlängern. Wichtig sind natürlich die hl. Messe und die Beichte am Gnadenort, doch es gibt noch mehr, was sich hier in Altötting lohnt. Neben der Muttergottes in der Gnadenkapelle kann man den hl. Br. Konrad besuchen. Darüber hinaus gibt es z.B. mit dem "Haus Papst Benedikt XVI. – Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum", mit dem "Jerusalem Panorama – Kreuzigung Christi" und mit der "Dioramenschau" im Altöttinger Marienwerk drei Museen am Wallfahrtsort.
Prälat Mandl: Hier sind bereits Überlegungen im Gange, die Museen miteinander zu vernetzen. Z.B. könnte man mit einer verbilligten Kombikarte für alle drei Museen auch die Verweildauer der Pilger und Touristen verlängern. Wichtig sind hierbei auch gemeinsame Öffnungszeiten vor allem am Wochenende, wenn die meisten Pilger kommen. Auf dem Programm stehen nun erst einmal Gespräche mit Vertretern der drei Stiftungen als Träger der drei Museen.

In Altötting gibt es viele Plätze, die einen Besuch lohnen, jedoch keine zentrale Anlaufstelle, bzw. einen "Infopoint", wo sich Besucher über die verschiedenen Angebote informieren können...
Pater Norbert: Auch hierüber haben wir schon kräftig diskutiert, es ist jedoch noch nichts Konkretes beschlossen worden. Allgemein ist es jedoch unser festes Ziel, die Empfangskultur zu verbessern.
Prälat Mandl: Die "Empfangs- und Betreuungskultur" ist derzeit das Schlagwort, über das wir im Arbeitskreis sprechen. Eine solche Empfangskultur wird immer wichtiger, auch, weil die Zahl der in Gruppen betreuten Bus- oder Zugpilger abnimmt, während die Zahl der Individualpilger immer weiter steigt. Wir sind nah dran, eine neue Struktur aufzubauen, damit Pilger besser empfangen, begrüßt und betreut werden können. Ein weiteres Ziel ist dabei z.B. der Aufbau eines Teams von Ehrenamtlichen, sodass in der Wallfahrtssaison immer zwei bis vier Leute am Kapellplatz sind und die Leute liebevoll betreuen. Dies hatten früher oft die Kapuziner übernommen; aus personellen Gründen ist dies heute jedoch nicht mehr möglich. Wir versuchen nun mehr Laien als Wallfahrtsbetreuer mit einzubinden. Auch eine hauptamtliche Mitarbeiterin habe ich bereits im Blick. Sie würde sich nicht nur um die Einteilung der Ehrenamtlichen kümmern. Wichtig ist uns auch, jemanden zu haben, der hinausfährt zu den einzelnen Pilgergruppen und Altötting und seine Angebote vorstellt.

"'Qualität statt Quantität‘ ist ein wichtiges Stichwort"

Prälat Günther Mandl und Pater Norbert Schlenker beim Interview.
Prälat Günther Mandl (l.) und Pater Norbert Schlenker.

Bei der vergangenen Pilgerleitertagung wurde auch darüber gesprochen, wie man Familien mit Kindern besser ansprechen könnte. Hier gibt es bereits eine Institution in Altötting, die sehr viel mit Kindern und Jugendlichen macht: die Gemeinschaft Emmanuel...
Prälat Mandl: Auch hier gibt es bereits seit langem Überlegungen vor allem Ministranten, Erstkommunionkinder und Firmlinge und deren Eltern zu erreichen. Die Gemeinschaft Emmanuel ist uns sehr nahe. Sie hat uns bereits angeboten, sich ehrenamtlich in die Empfangs- und Betreuungskultur mit einzubringen.

Wenn man etwas Neues aufbaut, muss man oft Konzessionen machen. Stichwort: Qualität statt Quantität. Ist angedacht, zugunsten einer besseren Betreuung z.B. die Anzahl der Gottesdienste und Andachten oder die der Pilger-Einbegleitungen zu reduzieren?
Pater Norbert: "Qualität statt Quantität" ist ein wichtiges Stichwort, wobei wir da natürlich sehr behutsam vorgehen werden. Ich denke, dass hier frühestens im nächsten Jahr eine Veränderung kommen kann. Dieses Jahr sind ja bereits alle Gottesdienste, etc. fest geplant. Wir wollen nun in diesem Jahr verstärkt darauf achten, welche Veranstaltungen wichtig, und welche evtl. nicht zwingend notwendig sind.
Prälat Mandl: Die Pilger-Einbegleitungen wollen wir auf keinen Fall reduzieren, im Gegenteil: Sie sind Teil unserer Vision einer Willkommenskultur. Aber generell müssen wir sehen, was möglich ist, wenn das Personal weniger wird. Z.B. haben wir bereits den sog. Parallel-Rosenkranz im Oktober in der Stiftskirche und in der Gnadenkapelle eingestellt. Der Rosenkranz findet nun nur noch in der Kapelle statt.

"Die Nachfrage nach tieferen Glaubensgesprächen steigt"

Pater Norbert Schlenker und Prälat Günther Mandl vor dem Kapuzinerkloster St. Magdalena.
Pater Norbert Schlenker (l.) und Prälat Günther Mandl vor dem Kapuzinerkloster St. Magdalena.

Wie schätzen Sie als Seelsorger die Situation ein: Haben sich die Herausforderungen geändert?
Pater Norbert: Wir Kapuziner stellen fest, dass die Nachfrage nach Beichtseelsorge zahlenmäßig zurückgeht, jedoch suchen mehr Menschen nach intensiveren Beichtgesprächen. Die Qualität der Gespräche nimmt zu.
Prälat Mandl: Das stimmt. Die Nachfrage nach tieferen Glaubensgesprächen steigt. Dies merkt man vor allem bei den Einzelsegnungen in Handauflegung, die Gläubige offenbar immer mehr schätzen. Hier kommt es auch zu emotionalen Momenten, etwa wenn Menschen auf Nachfrage plötzlich über ihre Sorgen und Nöte sprechen. Daraus folgt: Wir müssen die Segenskultur wieder auffrischen. "Segen und Heil – Zuwendung und Heilung" ist eigentlich eine zutiefst biblische Vorgabe, die derzeit z.B. die neuen Evangelikalen in Amerika mit Riesenerfolg anbieten, und die wir gerade als Katholiken nicht vernachlässigen dürfen. Altötting ist schließlich ein "Heilungsort", die Votivtafeln an der Gnadenkapelle beweisen: "Maria hat geholfen".

Ein Blick z.B. nach Lourdes zeigt, dass Marienwallfahrtsorte gerade für kranke und behinderte Menschen eine enorm wichtige Bedeutung haben. Was bietet in diesem Zusammenhang Altötting an? Wie geht es mit dem Caritashaus St. Elisabeth weiter, ein beliebtes Erholungsheim, speziell für behinderte Menschen?
Prälat Mandl: Einmal im Monat findet am Herz-Jesu-Freitag um 15 Uhr in der Stiftspfarrkirche ein Krankengottesdienst mit einer Einzelsegnung statt. Seit rund einem Jahr lädt nun nach dem Gottesdienst ein Betreuerkreis der Legio Mariae im Innenhof des Kreuzgangs zu einer Agape. Die Nachfrage ist sehr gut, und wir denken gerade darüber nach, Seniorenheime aus der Umgebung gezielter auf Angebote in Altötting aufmerksam zu machen.
Das Haus St. Elisabeth wurde vor über 30 Jahren gegründet mit der Zielsetzung, insbesondere auch kranken und behinderten Menschen eine Wallfahrt nach Altötting zu ermöglichen. Diese Ausrichtung war zwischenzeitlich stark gefährdet. Seit 1. Januar diesen Jahres befindet sich das Haus in Trägerschaft des Kreiscaritasverbandes Altötting, der es nach der ursprünglich vereinbarten Maßgabe weiterführen wird. Die Kontakte zwischen Haus St. Elisabeth, Pfarrei und Wallfahrt sind sehr gut und es gibt viele Kooperationen.

"Wir möchten die Eigenverantwortung der Mitarbeiter in der Administration fördern"

Auch wenn die Zeiten manchmal stürmisch sein mögen, lassen sich die drei neuen "Schirmherren" der Altöttinger Wallfahrt, P. Norbert Schlenker, Bischof Stefan Oster und Prälat Günther Mandl nicht beirren.
Auch wenn die Zeiten manchmal stürmisch sein mögen, lassen sich die drei neuen "Schirmherren" der Altöttinger Wallfahrt, (v.l.n.r.) P. Norbert Schlenker, Bischof Stefan Oster und Prälat Günther Mandl nicht beirren.

Es hat in den vergangenen Monaten neben dem Wechsel an der Spitze weitere Veränderungen in der Bischöflichen Kapelladministration gegeben. Können Sie dazu etwas sagen?
Prälat Mandl: Die Administration hat sich von Geschäftsführer Wolfgang Hesl getrennt. Künftig wird mich Diakon Thomas Zauner als Bevollmächtigter in der Leitung und Personalführung unterstützen. Diakon Zauner verfügt als stv. Stiftungsvorstand und Mitglied der Geschäftsleitung des Seraphischen Liebeswerks Altötting über große entsprechende Erfahrung. Darüber hinaus möchten wir künftig stärker und vertrauensvoll die Eigenverantwortung der Mitarbeiter in der Administration fördern.

Herr Prälat Mandl, Sie sind nun nicht nur neuer Wallfahrtsrektor, sondern Sie sind nach wie vor als Altöttinger Stadtpfarrer und Stiftspropst in der Verantwortung. Wie haben Sie diese Umstellung persönlich erlebt?
Prälat Mandl: Vor einem Jahr war diese Entwicklung für mich unvorstellbar, schließlich waren Pfarrei und Kapelladministration über Jahrhunderte hinweg getrennt. Die Absicht unseres neuen Bischofs, die kirchlichen Stellen am Wallfahrtsort zusammenzuführen und zu vernetzen, um neue Synergien zu erzeugen, hat mich schließlich überzeugt. Zunächst kam die Diözesanspitze auf mich zu, als mir dann Bischof Stefan Oster persönlich gegenüber den Wunsch äußerte, ich möge diese Stelle übernehmen, hatte ich keine Zweifel mehr. Mir war zwar bewusst, dass sehr viel auf mich zukommen wird, auch an Umstrukturierungen, aber ich glaube, wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir das Licht am Ende des Tunnels deutlich sehen, und voller Zuversicht sind.

Pater Norbert, Sie sind jetzt seit einem Jahr in Altötting. Wie gefällt es Ihnen hier – auch im Vergleich zu den anderen Orten, wo sie waren?
Pater Norbert: Das erste Jahr war recht intensiv. Nicht nur Altötting an sich, sondern auch meine Arbeit hier hat eine ganz eigene Prägung. An anderen Orten hatte ich eher mehr Predigten und Gottesdienste, auch gab es mehr Gelegenheit für Gespräche mit Gläubigen. Nach Altötting kommen viele Pilgergruppen mit eigenen Priestern, die am Wallfahrtsort den Gottesdienst selbst zelebrieren. Die Begegnungen mit Pilgern sind sehr unterschiedlich: manchmal ist es nur eine knappe Begrüßung einer Gruppe, manchmal kommt es aber auch zu intensiveren seelsorglichen Gesprächen. Allgemein steht für mich oft das Organisatorische im Vordergrund, nicht nur als stellvertretender Wallfahrtsrektor. Als Guardian im Kloster St. Magdalena bin ich verantwortlich für 23 Mitbrüder, darunter auch eine ganze Reihe ältere und kranke Mitbrüder.
Prälat Mandl: Dann hast Du ja auch noch den Abschluss der Basilika-Renovierung und die Altarweihe mitverantworten müssen...
Pater Norbert: Stimmt. Gleich zu Beginn meiner Tätigkeit war ich jeweils einen Tag in der Woche mit unserem Bauleiter auf der Baustelle. An die Altarweihe und an deren Vorbereitung erinnere ich mich aber gerne zurück. Organisatorisches musste ich bereits die drei Jahre zuvor als Cityseelsorger in Frankfurt am Main leisten. Auch hier gab es einige Umstrukturierungen. Meine Mitbrüder haben mich nicht gerne gehen lassen, aber als vom Provinzial die „berühmte Frage“ kam: "Kannst Du Dir das vorstellen...", habe ich mich gerne für Altötting entschieden. Auch weil mir die ländliche Umgebung und die Atmosphäre in einer Kleinstadt mehr zusagen als das Leben in einer Großstadt. Eine Herausforderung war auch, dass ich den Wallfahrtsort und auch viele meiner Mitbrüder in Altötting kaum kannte. Aber vielleicht ist es ja auch eine Chance, wenn jemand von außerhalb kommt...

Ein Wallfahrtsrektor, der schon seit 13 Jahren in Altötting ist, und ein Stellvertreter, der von außerhalb kommt – das klingt nach einem guten "Tandem". Wir wollen das jetzt trotzdem noch einmal genauer wissen:
Prälat Mandl, wenn wir mal einen „Tandem-Partner“ brauchen: Können Sie uns drei Gründe nennen, wieso wir bei Pater Norbert nachfragen sollten?

Prälat Mandl: Weil er unkompliziert ist: kein Bedenkenträger, kein Nörgler. Er ist offen für Gespräche und er kooperiert sehr gerne. Er hat auf der anderen Seite klare Vorstellungen und Zielrichtungen. Er ist angenehm in seiner Art, und darüber hinaus ein selbständig denkender, sehr guter Theologe, Liturge und Seelsorger. Und er hat auch Humor!
Pater Norbert, auch an Sie die Frage: Drei Gründe, wieso Prälat Mandl ein sehr guter Tandem-Partner ist...?
Pater Norbert: Er hat hier sehr viel Erfahrung. Er ist sehr kooperativ, bezieht seine Mitarbeiter mit ein. Ich denke einfach: die Chemie stimmt!

Interview: Michael Glaß, Wolfgang Terhörst, Fotos: Dorfner

Wallfahrtsorganisation in Altötting

Blick von der St. Anna-Basilika auf den Kapellplatz.
Blick von der St. Anna-Basilika auf den Kapellplatz.
Ankunft der großen Regensburger Fußwallfahrt in Altötting.
Ankunft der großen Regensburger Fußwallfahrt in Altötting.

"Dem Bischof von Passau obliegt die Sorge um die Wallfahrt in Altötting", heißt es in der Präambel der aktuellen Wallfahrtsordnung vom 1. Juni 2013. Der Bischof ist es auch, der den Wallfahrtsrektor ernennt – seit September 2014 Prälat Günther Mandl. Der Bischof ernennt des Weiteren den stellvertretenden Wallfahrtsrektor, der "vom Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz vorgeschlagen wird" – Kapuzinerpater Norbert Schlenker hat diese Aufgabe seit 1. Januar 2014. Ihnen obliegt die Organisation der Wallfahrt, die jedoch auf mehreren Schultern verteilt ist.

Neben vielen seelsorglichen Aufgaben, leisten nach wie vor die Kapuziner wichtige organisatorische Dienste. Anmeldungen für Wallfahrten laufen über das Wallfahrtssekretariat (Wallfahrtskustodie) im Kapuzinerkloster St. Magdalena, das auch das Wallfahrtsprogramm erstellt. Vier Gestellungsverträge (3 Vollzeit, 1 Teilzeit) der Diözese Passau mit der Deutschen Kapuzinerprovinz regeln den Einsatz von Personal am Wallfahrtsort und beweisen die enge Zusammenarbeit.

Viermal im Jahr tagt der Wallfahrtsrat, eine Art "zweite Instanz der Wallfahrt" in Altötting. Hier stimmen sich die Wallfahrtsleitung (die beiden Wallfahrtsrektoren) ab mit dem Bürgermeister der Stadt und mit dem Wallfahrts- und Verkehrsbüro. Eine jährliche Klausurtagung des Rates in einem bekannten Wallfahrtsort – heuer in Maria Zell in Österreich – soll laut Prälat Günther Mandl zu einer festen Einrichtung werden.

Eine "dritte Ebene der Wallfahrt" ist das Wallfahrtskuratorium: hier tauscht sich die Wallfahrtsleitung mindestens einmal im Jahr mit Hotelerie und Gastronomie sowie mit den Besitzern der Wallfahrtsläden am Kapellplatz aus. Zum Kuratorium gehören auch verschiedene Gemeinschaften und Gruppierungen am Wallfahrtsort wie die Marianische Männerkongregation, das Altöttinger Marienwerk oder die Gemeinschaft Emmanuel.

Dem neu gegründeten "Arbeitskreis Wallfahrt 2020" (siehe Interview) gehören an: Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, stv. Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker, Kapuzinerpater Br. Andreas Kaiser, Dritter Bürgermeister Konrad Heuwieser, Christian Randl (Leiter des Caritashauses St. Elisabeth), Christian Wieser (Inhaber der Antoniusbuchhandlung und Organisator des Altöttinger Klostermarktes), Luise Hell (Pfarrgemeinderatsvorsitzende, Stadträtin und Sekretärin im Wallfahrtssekretariat der Kapuziner im Kloster St. Magdalena), Diakon Thomas Zauner (stv. Stiftungsvorstand und Mitglied der Geschäftsleitung des Seraphischen Liebeswerks Altötting), Basilika-Mesner Br. Vinzenz Müller, Stiftsmesner Thomas Kowatschewitsch, Torsten Latta, Gudrun Schmid (beide Mitarbeiter der Bischöflichen Kapelladministration).