Altöttinger Liebfrauenbote

Ein Besuch am Ort von Christi Geburt

Hinab zum Stern

Christen aus aller Welt pilgern zur Geburtskirche in Bethlehem. In deren Grotte gehen sie in die Knie, um inbrünstig den silbernen Stern auf dem Boden des Gotteshauses zu berühren. Der Stern soll die exakte Stelle der Geburt Jesu markieren.

Eine Pilgerin berührt den Stern von Bethlehem in der Geburtsgrotte.
Eine Pilgerin berührt den Stern von Bethlehem in der Geburtsgrotte.

Es ist eng. Dutzende Gläubige und Touristen warten vor dem Eingang zur Geburtskirche, um in gebückter Haltung durch die nur 1,20 m hohe Holztür in den großen Kirchenraum zu gelangen. Im Mittelalter sollte diese Tür verhindern, dass Ritter auf ihren Pferden in die Kirche ritten. Heute tritt man durch sie in eines der ältesten Gotteshäuser der Welt, windet sich eine lange Schlange von Besuchern durch das 54 Meter lange Kirchenschiff mit seinen vier Säulenreihen. Ziel der meisten Kirchgänger ist der Stern von Bethlehem. Dieser prangt nicht etwa über dem Kirchturm, sondern ist in den Fußboden der Kirche eingelassen.

Die Geburtskirche in Bethlehem steht zehn Kilometer südlich von Jerusalem. Nachdem die im 3. Jahrhundert errichtete konstantinische Basilika beim Aufstand der Samaritaner 529 stark beschädigt worden war, ließ der römische Kaiser Justinian I. sie im 6. Jahrhundert neu erbauen. Die heutige fünfschiffige Basilika hat die Form eines lateinischen Kreuzes. An einigen Stellen des Kirchenbodens lassen sich noch die konstantinischen Mosaike mit geometrischen- und Rankenmustern erkennen.

"Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est"

Blick in die Geburtsgrotte: In einem Halbbogen über dem Stern hängen 15 verschiedene Lampen. Sie repräsentieren die jeweiligen christlichen Religionsgemeinschaften.
Blick in die Geburtsgrotte: In einem Halbbogen über dem Stern hängen 15 verschiedene Lampen. Sie repräsentieren die jeweiligen christlichen Religionsgemeinschaften.

Das Gotteshaus soll über jener Höhle errichtet worden sein, in der Jesus zur Welt kam. Über einen schmalen, nur spärlich beleuchteten Treppengang geht es hinab in die Grotte. In einer Nische, über der sich ein Altar befindet ist der Stern von Bethlehem, der die Stelle der Geburt Jesu markieren soll. Die katholische Kirche ließ diesen silbernen Stern 1717 am mutmaßlichen Geburtsort in der Geburtsgrotte, exakt auf der Mittelachse der Basilika anbringen. Er trägt die Inschrift "Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est": "Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren". Seine 14 Zacken stehen für die 14 Geschlechter im Stammbaum Jesu.

Neben dem Altar, unter dem sich der Stern befindet, steht ein orthodoxer Priester. Ein Pilger nach dem anderen geht in die Knie und berührt den Stern, legt Amulette auf die Stelle oder küsst den Boden. Weit kriechen manche Pilger unter den Steintisch, gebrechliche Menschen werden von ihren Begleitern gestützt. Gemeinsam hilft man sich wieder auf die Beine. Trotz des großen Andrangs herrscht eine andächtige Stille, keiner drängelt, geduldig wird gewartet, bis die Betenden wieder auf die Beine gekommen sind. Nur das leise Gemurmel der Gebete erfüllt den Raum. Wände und die Decke sind schwarz vom Rauch der Kerzen, die seit Generationen dort aufgestellt werden.

In einem Halbbogen über dem Stern hängen 15 verschiedene Lampen. Sie repräsentieren die jeweiligen christlichen Religionsgemeinschaften, auch wenn in der Kirche lediglich drei davon vertreten sind. Zwischen den Konfessionen kam es einst zu Auseinandersetzungen über die Verwendung des Gebäudes. Die Beteiligten einigten sich schließlich darauf, dass Hauptaltar und rechte Seitenaltäre den Griechen gehören, zwei Seitenaltäre auf der linken Seite den Armeniern und den Katholiken der Dreikönigsaltar, der Stern unter dem Geburtsaltar, die Hie-ronymusgrotten sowie der Platz neben der Kirche.

Text: Peter Beyer (storymacher), Fotos: storymacher 4, Wolfgang Terhörst 3, Michael Glaß 1

Impressionen

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Blick auf die Geburtskirche.
Blick auf die Geburtskirche.
Blick in die Geburtskirche.
Blick in die Geburtskirche.
Pilger vor dem  Altar der Beschneidung.
Pilger vor dem Altar der Beschneidung.
Wer in die Geburtskirche will, muss sich bücken – Blick auf den kleinen Eingang zur Kirche.
Wer in die Geburtskirche will, muss sich bücken – Blick auf den kleinen Eingang zur Kirche.
Katharinenkirche in Bethlehem neben der Geburtskirche.
Katharinenkirche in Bethlehem neben der Geburtskirche.
Turm der Geburtskirche in Bethlehem.
Turm der Geburtskirche in Bethlehem.