Altöttinger Liebfrauenbote

350 Jahre Klosterkirche Bad Königshofen – Auf den Spuren der Kapuziner

Refugium der Stille

Längst sind die Kapuziner im fränkischen Bad Königshofen weggezogen. Sie wirkten mehr als 300 Jahre in der Stadt. Es gab ein eigenes Kloster für den Orden – 1971 wurde es dem Erdboden gleich gemacht. An gleicher Stelle entstand ein Hotel, das heute zum modernen Seniorenheim wurde. Übrig blieb vom Klosterkomplex nur die Klosterkirche. Sie ist seit 1974 denkmalgeschützt und besteht heuer seit 350 Jahren.

Die Klosterkirche Bad Königshofen wurde heuer 350 Jahre alt. An der Stelle des ehemaligen Klosters steht heute ein Seniorenheim.
Die Klosterkirche Bad Königshofen wurde im Jahr 2015 350 Jahre alt. An der Stelle des ehemaligen Klosters steht heute ein Seniorenheim (links).

Der Würzburger Weihbischof Johann Michael Söllner konsekrierte die Kapuzinerkirche am 30. August 1665 und taufte sie auf den Namen St. Johannes. Noch am gleichen Tag war auch der Grundstein für den Bau des Klosters gelegt worden, der laut Geschichte 1691 vollendet wurde. Die Erbauer brauchten also fast drei Jahrzehnte, bis sie mühevoll das Baumaterial herbeigeschafft, Stein an Stein gesetzt und die Mauern aneinandergereiht hatten.

Zu Beginn lebten neun Priester und sieben Laienmönche im Kloster, während 1767 insgesamt 13 Patres, vier Brüder und sieben "Studiosi" gezählt wurden. Die letzten Kapuziner verließen 1973  Königshofen. Schon acht Jahre vor dem endgültigen "Aus", im März 1965, war verkündet worden, das Kloster aufzulösen.

Ein Aufschrei ging durch die Stadt. Die Drittordensgemeinde, die Franziskanische Gemeinschaft sowie Mitglieder der katholischen Pfarrei Mariä Himmelfahrt protestierten mit Unterschriften dagegen. Allen voran der unvergessene Oberlehrer, Heimatpfleger und Stadtrat Otto Schulz. Aber es half nichts. Die Entscheidung des Ordens war gefallen. Klostergebäude und -kirche gingen nach dem Weggang der Ordensmänner in das Eigentum der Stadt Bad Königshofen über, die seither Trägerin des Kirchleins ist.

Gebetstage mit Messfeiern und Predigten

Blick auf den Altarraum der Klosterkirche.
Blick auf den Altarraum der Klosterkirche.

In den öffentlichen Blickpunkt rückt das Gotteshaus der ehemaligen Kapuziner alle Jahre vor allem während der letzten drei Faschingstage durch das traditionelle "Stundengebet". Nach altem Ritus werden durch eine Reihe Vorbeter verschiedene Lob-, Dank- und Bittgebete gesprochen, verbunden mit Besinnung und stiller Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten am Altar.

Treue Kapuzinerpatres aus Altötting, aber auch aus anderen Orten, übernehmen in der Regel die geistliche Betreuung der Gebetstage mit Messfeiern und Predigten. Die Besinnungstage gelten als Kontrast zur Narretei auf Straßen und Plätzen und sind so alt wie die Königshofener Klostergeschichte selbst. Mesner Winfried Schunk organisiert das "Stundengebet" schon ein Jahr vor dem jeweiligen Termin – vor ihm war es jahrzehntelang Leonhard Hoffmann, der den Bestand der Gebetstage, wie sie die Kapuziner durchführten, sicherte und die Tradition des Ordens lebendig hielt. Seit Ostern 2015 gilt zudem die feste Regel, dienstags um 18 Uhr Rosenkranzandacht zu halten und um 18.30 Uhr eine heilige Messe.

"Es braucht Menschen, die sagen, dieser Ort ist uns wichtig"

Festgottesdienst mit dem Kapuzinerprovinzial Br. Marinus Parzinger am 30. August 2015.
Festgottesdienst mit dem Kapuzinerprovinzial Br. Marinus Parzinger am 30. August 2015.

Seit 1978 ist Winfried Schunk von der Stadt als Klosterkirchenverwalter eingesetzt und auch der zuständige Mesner – immerhin schon 37 Jahre lang! Täglich schließt der 70-jährige Rentner die Türen der Kirche auf und läutet zu den Messen pünktlich am Strang die Kirchenglocke. In der kalten Jahreszeit befreit er den Treppenaufgang von Eis und Schnee. Seine Frau Christa sorgt für die Sauberkeit und den Blumenschmuck der Kirche – und das ebenfalls für Gottes Lohn in dieser langen Zeit. Ehrenamtlich setzen sich noch die beiden Stadträte Bernhard Weigand und Thomas Fischer für den Verwaltungsdienst der Klosterkirche ein. 

"Es braucht Menschen, die sagen, dieser Ort ist uns wichtig und darauf wollen wir bauen", sagte Pater Marinus Parzinger, der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz in München, bei seinem Besuch in Bad Königshofen. Er zelebrierte dieses Jahr am Jubiläumstag (30. August) mit Pfarrer Karl Feser von der Pfarrei Mariä Himmelfahrt den Festgottesdienst vor zahlreichen Gläubigen. "Die Kapuziner waren gekommen, um nach dem Dreißigjährigen Krieg den christlichen Glauben wieder stark zu machen", drehte Marinus Parzinger das Rad der Geschichte zurück. Heute sei die Klosterkirche ein "Refugium der Stille hinter dicken Mauern". Ein Ort der Besinnung, an dem Menschen zu sich selber finden und dabei die Nähe Gottes erfahren.

Spenden der Bevölkerung

Marien-Bildstock an der Außenwand der Klosterkirche.
Marien-Bildstock an der Außenwand der Klosterkirche.

1996/97 wurde die Klosterkirche im Innern renoviert. Spenden der Bevölkerung halfen, die Kosten zu finanzieren. Kleine Verbesserungen werden, soweit erforderlich, immer wieder einmal vorgenommen. Im Prinzip befindet sich das Kleinod der Kapuziner aber gut "in Schuss". Das Schöne: Wenn etwas von einem Handwerker zu machen ist, schickt die Stadt rasch und unbürokratisch Hilfe vom Bauhof. Bürgermeister Thomas Helbling sprach beim Festjubiläum nicht umsonst "von unserer Klosterkirche".

Doch viel hätte vor etwa 45 Jahren nicht gefehlt, fügte er an, und sie wäre beim Abriss der Klostergebäude mit entfernt worden. Gut, dass sich damals engagierte Bürger erfolgreich dagegen gewehrt hätten. "350 Jahre Klosterkirche sind daher ein besonderes Ereignis für unsere Stadt", machte Bürgermeister Helbling deutlich.

Text und Fotos: Josef Kleinhenz

Mesner Winfried Schunk.
Mesner Winfried Schunk.

Besuchern erklärt Mesner Winfried Schunk gerne die Heiligenbildnisse der Kirche, darunter den Evangelisten Johannes als Kirchenpatron. Das Gemälde hat seinen Platz vorne links oben vor dem Altarraum über einer Pietà und stammt laut Schunk vom fränkischen Kirchenmaler Johann Peter Herrlein, einem führenden Künstler in Unterfranken im 18. Jahrhundert, der es um 1760 handsignierte.  Gläubige stellen noch heute beim Patrozinium am 27. Dezember  Weinflaschen an den Altar, um sie als Segensgabe später wieder mit nach Hause zu nehmen. So will es ein alter Brauch. Die Gottesmutter, der hl. Franziskus und die hl. Klara sind am Deckenfresko zu sehen. Maria ist noch einmal in einer Nische in einer Außenwand mit dem Jesuskind dargestellt. In der Sakristei erinnern Bildnisse an den hl. Bruder Konrad von Parzham und den seliggesprochenen Pater Rupert Mayer.