Altöttinger Liebfrauenbote

Über 1.000 Gläubige feiern Mariae Himmelfahrt in Altötting

Maria: Vorbild für Engagement

Über 1.000 Gläubige haben am 15. August den Festtag Mariae Himmelfahrt in Altötting gefeiert. Bereits am Abend zuvor war der Gottesdienst in der St. Anna-Basilika sehr gut besucht, obwohl die anschließende Lichterprozession aufgrund des Unwetters auszufallen drohte. Doch die Teilnehmer hatten sich nicht getäuscht, die Prozession konnte stattfinden. Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl warb in seiner Predigt für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge. In seiner Predigt am Festtag stellte stellvertretender Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker die Gottesmutter Maria als selbstbewusste Frau vor, die von den Gläubigen Engagement fordert.

Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei seiner Predigt in der Basilika.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei seiner Predigt in der Basilika.

"Angesichts der zunehmenden apolitischen und individualistischen Haltung unserer Zeit ist es für die Kirche wichtig, eine engagierte Spiritualität zu vermitteln", rief P. Norbert in seiner Predigt auf. In vielen Bildern lebe Maria in uns, stellte er fest; er würdigte die vielen unterschiedlichen Darstellungen in der Kunst, kritisierte aber auch Kitsch, der den Blick auf die Gottesmutter verneble. Nachdrücklich lenkte P. Norbert den Blick auf die Überlieferung in der Bibel: "Gerade vor dem Hintergrund der Schlichtheit ihrer historischen Lebenssituation, die die Bibel schildert, gewinnt Maria eine neue theologische Größe, die befreiend wirkt", sagte er, und erwähnte dabei u.a. Marias schwierige Niederkunft auf der Wanderschaft, in der sich nicht zuletzt Frauen auf der Flucht oder Entwurzelte in den Slums Südamerikas wiedererkennen könnten.

Vor allem aber richtete P. Norbert seinen Blick auf das Magnifikat, ihren Lobgesang, der "die Befreiungsbotschaft ihres Sohnes vorwegnimmt". Dieser Lobgesang sei "eine gute Möglichkeit, Maria als selbstbewusste und engagierte Frau zu sehen", stellte er fest. Hier zeige sich "Maria als Vorbild für alle, die die widrigen Umstände des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens nicht passiv hinnehmen, die vielmehr mit ihr verkünden, dass Gott die Niedrigen erhöht und im entsprechenden Fall auch die Mächtigen stürzt". Maria sei Vorbild für ein "echtes Engagement für die Mitmenschen". Insbesondere sei sie die Gottesmutter, die bereits zu Lebzeiten "so kostbar war", dass "ihr Leben mit Leib und Seele es verdient hatte, in Gottes Ewigkeit aufgenommen zu werden". P. Norbert zitierte aus Papst Franziskus' Umweltenzyklika "Laudato si": "In den Himmel erhoben, ist sie (Maria) Mutter und Königin der ganzen Schöpfung (...) Darum können wir sie bitten, dass sie uns hilft, diese Welt mit weiseren Augen zu betrachten." Am Ende seiner Predigt legte P. Norbert den Gottesdienstbesuchern das "Ave Maria" ans Herz.

"Willkommenskultur für Flüchtlinge"

Übertragung der Gnadenbildkopie am Hochfest Mariä Himmelfahrt in Altötting, in der Mitte Prälat Günther Mandl.
Übertragung der Gnadenbildkopie am Hochfest Mariä Himmelfahrt in Altötting, in der Mitte Prälat Günther Mandl.

Auch Prälat Mandl erinnerte in seiner Predigt am Vorabendgottesdienst zum Festtag an Marias Schicksal als Flüchtling und rief dazu auf, Ausländerhass mit einer großherzigen Willkommenskultur zu begegnen. Er hinterfragte auch die Gründe, warum es heute an geistlichen Berufungen mangele und machte einen Mangel an familiärer Geborgenheit und religiöser Erziehung aus. Ein christliches Elternhaus sei die Grundlage einer stabilen Gesellschaft und einer lebendigen Kirche, bekräftigte er.

Nach dem Vorabendgottesdienst am Freitag zogen die Gläubigen wie jedes Jahr in einer Lichterprozession hinauf zur Gnadenkapelle. Dass diese stattfinden konnte, war jedoch lange unklar, tobte während des Gottesdienstes doch ein schweres Gewitter. Während der Prozession regnete es dann aber nur noch leicht, lediglich die Weihe an die Gottesmutter und der abschließende Segen mit dem Gnadenbild – gespendet vom neuen Ehrenbürger der Stadt Altötting, Bischof em. Wilhelm Schraml – konnte nicht wie gewohnt am Freialtar stattfinden, sondern musste in den Umgang der Gnadenkapelle verlegt werden. Als Konzelebranten während des Gottesdienstes fungierten u.a. auch der Passauer Generalvikar Klaus Metzl sowie Bischof Severin aus Tansania. Unter den Besuchern waren zahlreiche Vereine mit Fahnenabordnungen, außerdem Staatsminister Marcel Huber, MdB Stefan Mayer, der stellvertretende Landrat Stefan Jetz, Bürgermeister Herbert Hofauer sowie Vertreter des Stadtrats und des Pfarrgemeinderates. Die musikalische Gestaltung übernahmen die Altöttinger Kapellsingknaben und Mädchenkantorei unter Leitung von Herbert Hager.

Beim Festgottesdienst am Samstag erklang Mozarts Krönungsmesse, aufgeführt von Kapellchor und -orchester unter der Leitung von Kapellmeister Max Brunner. Prälat Mandl zelebrierte die hl. Messe und weihte am Ende des festlichen Gottesdienstes traditionell die mitgebrachten Kräuterbuschen. Die feierliche Übertragung der Gnadenbildkopie in die Basilika und nach dem Gottesdienst zurück in die Gnadenkapelle führte Diakon Thomas Zauner an, der am Ende auch den Segen mit der Gnadenbildkopie spendete. Bischof Stefan Oster konnte dieses Jahr nicht teilnehmen, da er sich derzeit nach einer OP auf Reha befinde, wie Prälat Mandl mitteilte.

Text: Michael Glaß, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Die Stiftskanoniker Wolfgang Renoldner und Stefan Heß entzünden Kerzen für die Lichterprozession ...
Die Stiftskanoniker Wolfgang Renoldner (l.) und Stefan Heß entzünden Kerzen für die Lichterprozession ...
... an der u.a. auch Staatsminister a.D. Gerold Tandler, Sr. Avita Bichlmaier, Staatsminister Marce Huber und Bürgermeister Herbert Hofauer sowie ...
... an der u.a. auch Staatsminister a.D. Gerold Tandler (l.), Sr. Avita Bichlmaier (2.v.l.), Staatsminister Marce Huber (4.v.l.) und Bürgermeister Herbert Hofauer (5.v.l.) sowie ...
... Arme Schulschwester aus Neumarkt/St. Veit und Moosen teilnahmen.
... Arme Schulschwester aus Neumarkt/St. Veit und Moosen teilnahmen.
Nach der Lichterprozession sangen orthodoxe Christen aus Eritrea der Gottesmutter zu Ehren einige Lieder in ihrer Sprache.
Nach der Lichterprozession sangen orthodoxe Christen aus Eritrea der Gottesmutter zu Ehren einige Lieder in ihrer Sprache.
Mit dabei war heuer auch ein Filmteam um Regisseur Joseph Vilsmaier, der ...
Mit dabei war heuer auch ein Filmteam um Regisseur Joseph Vilsmaier (r.), der ...
... für seinen Dokumentarfilm "Bayern – sagenhaft" Aufnahmen vom Festtag in Altötting machte.
... für seinen Dokumentarfilm "Bayern – sagenhaft" Aufnahmen vom Festtag in Altötting machte.
Gnadenbildübertragung mit Prozession.
Gnadenbildübertragung mit Prozession.
Centa Steil überreicht Prälat Günther Mandl einen Kräuterbuschen.
Centa Steil überreicht Prälat Günther Mandl einen Kräuterbuschen.
Eine Gläubige andächtig im Gebet.
Eine Gläubige andächtig im Gebet.
Am Festtag nahmen auch Kinder teil, wie hier zwei Mädchen aus der Gruppe der orthodoxen Christen aus Eritrea ...
Am Festtag nahmen auch Kinder teil, wie hier zwei Mädchen aus der Gruppe der orthodoxen Christen aus Eritrea ...
sowie der Bub Johannes Paul aus Weingarten.
sowie der Bub Johannes Paul aus Weingarten.
Weihe an die Gottesmutter und abschließender Segen mit dem Gnadenbild, gespendet vom neuen Ehrenbürger der Stadt Altötting, Bischof em. Wilhelm Schraml.
Weihe an die Gottesmutter und abschließender Segen mit dem Gnadenbild, gespendet vom neuen Ehrenbürger der Stadt Altötting, Bischof em. Wilhelm Schraml.