Altöttinger Liebfrauenbote

Prognose: Im Jahr 2050 leben knapp zehn Milliarden Menschen auf der Erde

Und die Bevölkerung wächst

Die Weltbevölkerung wird von heute rund 7,3 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 auf voraussichtlich 9,7 Milliarden Menschen wachsen. Das ergeben die am 29. Juli von der Stiftung Weltbevölkerung veröffentlichten UN-Bevölkerungsprojektionen 2015. Im Jahr 2100 werden voraussichtlich sogar 11,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben.

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Mit dieser neuen Projektion korrigieren die Vereinten Nationen ihre Hochrechnungen aus dem Jahr 2013 um mehr als 170 Millionen Menschen nach oben – unter anderem weil die Fertilitätsraten weniger stark sinken, als noch vor zwei Jahren angenommen worden war.

Das Bevölkerungswachstum der Zukunft findet fast ausschließlich in Entwicklungsländern statt. In Afrika wird sich die Bevölkerung von heute rund 1,2 Milliarden auf voraussichtlich fast 4,4 Milliarden Menschen im Jahr 2100 nahezu vervierfachen. In Europa hingegen wird die Bevölkerung leicht abnehmen: Leben hier heute noch 738 Millionen Menschen, werden es am Ende des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch 646 Millionen Menschen sein.

"Die Bevölkerung wächst in den ärmsten Ländern der Welt am schnellsten"

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"Die Bevölkerung wächst in den ärmsten Ländern der Welt am schnellsten", sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. "In Ländern wie Malawi, Niger und Uganda werden bis 2100 voraussichtlich mindestens fünfmal mehr Menschen leben als heute – vorausgesetzt, dass die Fertilitätsraten in diesen Ländern zurückgehen. Wenn die Bevölkerung weiterhin so schnell wachsen würde wie heute, wären es zum Beispiel in Uganda sogar mehr als 30-mal so viele Menschen. Die Entwicklungschancen würden eingeschränkt und die Armutsbekämpfung erheblich erschwert."

Die UN-Projektionen basieren auf der Annahme, dass die durchschnittliche Fertilität in den Entwicklungsländern von heute 2,5 Kindern pro Frau auf zwei Kinder im Jahr 2100 sinken wird. Bedingung dafür ist, dass Frauen und Jugendliche in Entwicklungsländern einen besseren Zugang zu Aufklärung und freiwilliger Familienplanung erhalten.

"Der Rückgang der Fertilität ist keineswegs garantiert"

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"Der Rückgang der Fertilität ist aber keineswegs garantiert", betont Renate Bähr. "Denn jedes Jahr werden nach wie vor 74 Millionen Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern ungewollt schwanger – unter anderem weil sie nicht verhüten können." Die höchste Fertilitätsrate verzeichnet laut UN derzeit Niger mit statistisch 7,63 Kindern pro Frau gefolgt von Somalia (6,61) und Mali (6,35). Nigeria wird 2050 mit knapp 400 Millionen Einwohnern das drittgrößte Land der Erde – nach China mit 1,348 und Indien als bevölkerungsreichste Nation mit 1,705 Milliarden Menschen.

Die Menschheit wird zudem immer älter. Aus den Projektionen der Vereinten Nationen geht auch hervor, dass die Lebenserwartung der Menschen weltweit von heute 70 Jahren auf voraussichtlich 83 Jahre im Jahr 2100 zunehmen wird. Weltweit wird das Medianalter, das die Bevölkerung in eine jüngere und eine ältere Hälfte teilt, von heute 30 Jahren bis 2100 auf voraussichtlich 42 Jahre steigen.

Text: red / Stiftung Weltbevölkerung, Grafiken: Stiftung Weltbevölkerung

Kommentar

Was würde Jesus dazu sagen? Rund 300 Millionen Menschen bevölkerten die Erde, als er vor etwa 2000 Jahren im Hl. Land wirkte – heute sind es 7,35 Milliarden; rund 25 mal so viele! Die erste Milliarde wurde erst etwa 1.800 Jahre nach Christi Geburt überschritten, die zweite bereits in den 1920er-Jahren, und immer kürzer wurden die zeitlichen Abstände bis zum nächsten Milliardenrekord.

Tatsache ist: Die Frage, wieviele Menschen unser Planet verträgt, ist nicht exakt zu beantworten. Ähnlich wie in der Flüchtlingsfrage gibt es keine definierbare "Obergrenze", keine genauen Angaben, wann – plakativ gesprochen – "das Boot voll ist". Immerhin zeigt die Erfahrung mit Flucht und Vertreibung in der Vergangenheit: Ein Land kann sehr viele Menschen aufnehmen – mehr, als die meisten denken –, und auch unser Planet wird wohl in naher Zukunft nicht gleich "aus allen Nähten platzen", wenn die Bevölkerung weiter zunimmt.

Jesus würde daher heute vielleicht darauf hinweisen, dass es dank technischer Neuerungen möglich wäre, all die Menschen ausreichend zu ernähren. Womöglich würde er fragen: Warum hungern dann trotzdem eine Milliarde Menschen? Nicht auszuschließen, dass er gar nicht lange fragen würde, sondern ähnlich zornig wäre wie damals, als er die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieb. Papst Franziskus weist daher – wie übrigens auch sein Vorgänger Benedikt XVI. (wenngleich nicht so oft und so leidenschaftlich) – immer wieder darauf hin: Wenn wenige Menschen im Überfluss leben, dann bleibt nicht viel für den großen Rest; wenn wenige Menschen mehr Ressourcen verbrauchen als die Erde zu bieten hat, dann bleibt nicht viel für die zukünftigen Generationen. Armut, Umweltverschmutzung, Seuchen, Kriminalität, Kriege, Terrorismus, Flucht – all diese Probleme sind nicht nur Folge einer alarmierend schnell zunehmenden Weltbevölkerung, sondern auch einer Verschwendung und einer ungerechten Verteilung der Güter.

Eben jene Ungerechtigkeit führt zu der absurden Situation, dass gerade in jenen Regionen, die am allerwenigsten haben, die Geburtenrate am höchsten ist. Für die in Armut lebenden Eltern z.B. in Niger sind Kinder eben immer noch die beste Lebensversicherung. Weder eine staatlich aufoktroyierte Bevölkerungsplanung, noch gut gemeinte "Aufklärungskampagnen" werden sie von dieser Einschätzung abbringen. Diese werden afrikanische Eltern erst dann überdenken, wenn sie materielle Sicherheit haben.

Der "reiche Westen" kann sie hierbei lediglich unterstützen – etwa, wenn er Solidargemeinschaften fördert, die sich gegenseitig helfen, damit Familien nicht allein auf möglichst viel Nachwuchs vertrauen, dem sie ihrerseits keine sichere Zukunft bieten können. Solidargemeinschaften wie etwa die Volksbewegungen in Lateinamerika, die Papst Franziskus jüngst bei seinem Bolivien-Besuch zum Zusammenhalt ermunterte. "Seien Sie gewiss, dass wir früher oder später die Früchte sehen werden", rief der Papst dort den Vertretern sozialer Basisorganisationen zu.

Früchte wie etwa eine funktionierende Infrastruktur – Früchte wie eine Konkurrenz zur korrupten Politik, wie sie sowohl in weiten Teilen Lateinamerikas als auch Afrikas vorherrscht – Früchte wie Bildung für die Jüngsten – Früchte wie Mitbestimmung – Früchte wie die Einsicht, dass Frauenrechte Familien und Gemeinschaften stärken und nicht schwächen ... Erst wenn diese Basis geschaffen ist, werden Familien in Afrika darüber nachdenken, wievielen Kindern sie tatsächlich eine Zukunft geben können.

All dies aufzubauen dauert, und es gibt dabei keine Gewissheit auf Erfolg. Neben einer geregelten Zuwanderungspolitik bleibt den reichen schrumpfenden Staaten in Europa jedoch schon aus eigenem Interesse gar nichts anderes übrig, als auf die Solidarität der Menschen zu vertrauen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Alternative sind zunehmende Konflikte, Terror und Kriege im Nachbarkontinent Afrika, die auch vor den Grenzen zu Europa nicht Halt machen werden. Letzteres wäre gewiss nicht im Sinne Jesu.

Kommentar: Michael Glaß