Altöttinger Liebfrauenbote

Ab kommendem Jahr werden in Altötting Pilgerbetreuer eingesetzt

Die Blaujacken kommen

"Sie irren oft herum wie die Hühner. Wenn sie in Altötting ankommen, wissen sie nicht, wo sie anfangen und wo sie aufhören sollen." Diese Beobachtung hat nicht allein Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl gemacht. Wer offenen Auges über den Kapellplatz geht, kann bestätigen, dass immer mehr Wallfahrer vergleichsweise orientierungslos sind – sowohl im wörtlichen Sinn, wenn es darum geht, sich räumlich zurechtzufinden, als auch im übertragenen Sinn, wenn sie nach Angeboten suchen und nach Möglichkeiten, ihre Zeit am Gnadenort der Intention einer Wallfahrt entsprechend zu verbringen. Eine Pilgerbetreuung ab kommendem Jahr soll helfen.

Erkennungsmerkmal: Jacken wie diese, die im Bild Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl und Diakon Thomas Zauner zeigen, werden die Pilgerbetreuer tragen.
Erkennungsmerkmal: Jacken wie diese, die im Bild Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl (l.) und Diakon Thomas Zauner (r.) zeigen, werden die Pilgerbetreuer tragen. Ihr Stützpunkt wird im Bereich zwischen der Gnadenkapelle und der Stiftskirche sein.

Jene Pilger, die in Gruppen kommen, trifft das weniger, sie haben Ansprechpartner meist in ihren eigenen Reihen und wissen in der Regel genau, was sie wollen. Doch ihr Anteil sinkt, wohingegen die Zahl derer, die alleine unterwegs sind, steigt. Um sie will man sich nun verstärkt kümmern: Pilgerbetreuer sind die Lösung. Ab kommendem Jahr sollen sie an den Wochenenden während der Wallfahrtssaison im Einsatz sein, erkennbar an einheitlichen blauen Jacken samt zugehörigem Schriftzug und stationiert an einem mobilen Pavillon, der seinen Standort in Abstimmung mit der Stadt zwischen der Stiftskirche und der Gnadenkapelle haben wird.

Dass man sich zu diesem Schritt entschlossen hat, liegt an der personellen Kapazität der Wallfahrtsbetreuung. In dieser Hinsicht stößt man langsam aber sicher an die Grenzen, wie Wallfahrtsrektor Günther Mandl und sein Stellvertreter, Kapuzinerpater Norbert Schlenker, übereinstimmend sagen. Nicht betroffen davon ist die Seelsorge, bei der man laut Mandl "gut aufgestellt" ist. Darüber hinaus aber braucht es eine stete Präsenz am Kapellplatz, weil Wallfahrer mehr brauchen als Gottesdienste und Beichtgespräche, weil sie schlicht nach Informationen verlangen oder aber das Gespräch suchen. In Zeiten, als die Kapuziner noch in größerer Anzahl in Altötting waren, waren sie die Ansprechpartner Nummer 1: So gut wie immer waren sie vor Ort. Jahrzehntelang war das genug, inzwischen aber hat sich das zu wandeln begonnen. Um den Bedürfnissen der Pilger nachhaltig gerecht werden zu können, will man ab kommendem Jahr unterstützend auf engagierte Laien setzen – auf die Pilgerbetreuer.

30 Helfer sind das Minimum

Nach wie vor kümmern sich die Kapuziner am Gnadenort um die Pilger, auch Einbegleitungen von Gruppen – im Bild begrüßt stellvertretender Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker eine Gruppe – wird es weiter geben ...
Nach wie vor kümmern sich die Kapuziner am Gnadenort um die Pilger, auch Einbegleitungen von Gruppen – im Bild begrüßt stellvertretender Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker eine Gruppe – wird es weiter geben ...

30 von diesen Helfern benötigt man mindestens, um den Service samstags und sonntags anbieten zu können, ohne die einzelnen über Gebühr zu belasten. Dass man diese Zahl erreicht, dessen sind sich die Verantwortlichen sicher. Immerhin hat man schon jetzt 25 Interessenten gefunden – Tendenz steigend. "Bewerben" kann man sich im Übrigen nicht. Die potenziellen Pilgerbetreuer werden quasi handverlesen, die Wallfahrtsleitung geht gezielt auf Personen zu. Auf der Suche nach geeigneten Helfern ist man im Rahmen des Frühjahrshauptfestes zunächst an die Obmänner der Marianischen Männerkongregation herangetreten – immerhin zählt die MC rund 11.000 Mitglieder, die ihr Leben Maria geweiht haben und zu ihren Ehren etwas tun wollen. Ein großes Reservoir also. Weil man auch Frauen für die Aufgabe braucht, hat man noch andere Kanäle genutzt, darunter der Frauenbund, die KAB, Kolping und der Beterkreis der Anbetungskapelle.

Ins kalte Wasser geworfen werden die Helfer nicht, im Gegenteil: Sie erhalten eine fundierte Schulung, die den Winter über laufen soll. Bis zum Beginn der nächsten Wallfahrtssaison im Mai kommenden Jahres sollen sie die erforderlichen Ausbildungseinheiten absolviert haben. Der Schwerpunkt dabei liegt laut Prälat Mandl auf den Themen Glaube und marianische Spiritualität. Darüber hinaus geht es auch um die Grundlagen von Gesprächsführung. Schließlich soll den Pilgerbetreuern auch Basiswissen in touristischen Dingen vermittelt werden – mehr aber auch nicht, weil keinesfalls den Stadtführern Konkurrenz gemacht werden soll. Die Zielrichtung ist schließlich eine ganz andere.

Das Redebedürfnis der Wallfahrer ist groß

... Nicht nur die Begrüßung, sondern vor allem die seelsorgliche Betreuung sehen die Kapuziner nach wie vor als ihre zentrale Aufgabe an. Im Bild begrüßt Kapuzinerpater Br. Georg Greimel, Präses der Marianischen Männerkongregation (MC), eine Pilgerg
... Nicht nur die Begrüßung, sondern vor allem die seelsorgliche Betreuung sehen die Kapuziner nach wie vor als ihre zentrale Aufgabe an. Im Bild begrüßt Kapuzinerpater Br. Georg Greimel, Präses der Marianischen Männerkongregation Altötting (MC), eine Pilgergruppe. Die MC wird in Zukunft auch einige Pilgerbetreuer stellen – einige Obmänner haben sich bereits gemeldet.

Persönliche Fragen wollen die Pilger oft ansprechen. Das lehrt die Erfahrung: "Jeder, der nach Altötting pilgert, hat einen unsichtbaren Rucksack voller Sorgen dabei. Wir wissen, dass das Redebedürfnis groß ist", sagt Mandl. Vorsichtig und diskret sollen sich die Pilgerbetreuer solchen Gesprächen stellen. Die Kernbotschaft soll die von "Maria als Knotenlöserin" sein.

Dass man überhaupt auf die Idee gekommen ist, dieses Angebot zu schaffen, hat mit den Kontakten zu tun, die man mit Kevelaer, dem größten Wallfahrtsort Deutschlands nach Altötting, pflegt. Dort gibt es bereits eine Bruderschaft der Pilgerbetreuer, die recht erfolgreich arbeitet.

Dass Vergleichbares auch in Altötting gut ankommt, diesen Rückschluss lässt der Probebetrieb zu. Allein die blauen Jacken tun es nicht, wie sich herausgestellt hat. Kommt aber ein fester und dank Tisch und Schirm erkennbarer Stützpunkt hinzu, dann wird das Angebot, um dessen Koordination sich Gabi Winkler kümmern wird, gut angenommen. Ob sich diese Theorie in der Praxis bewahrheitet? In einem Jahr wird man es wissen.

Text: Stephan Hölzlwimmer, Fotos: Stephan Hölzlwimmer 1 (o.), Roswitha Dorfner 2