Altöttinger Liebfrauenbote

62. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier nach Altötting

"Was Gott tut, das ist wohlgetan…"

"Oberschlesien lebt!" – Herzlich waren die Grußworte von Hauptzelebrant und Prediger Prälat Wolfgang Globisch aus Oppeln an die vielen oberschlesischen Pilger, die am 26. Juli teils in den schönen Trachten der alten Heimat am Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika teilnahmen. Zum 62. Mal fand die St. Anna-Wallfahrt nach Altötting statt. Einige oberschlesische Pilger waren bereits am 25. Juli zum Vorabendgottesdienst mit anschließender Lichterprozession angereist.

Hoffnung für die Zukunft: Auch viele junge Gesichter waren bei der 62. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier nach Altötting zu sehen.
Hoffnung für die Zukunft: Auch viele junge Gesichter waren bei der 62. St. Anna-Wallfahrt der Oberschlesier nach Altötting zu sehen.

Mit ihrer Bitte an ihre Landsleute: "Haltet dem Gnadenort Altötting weiterhin die Treue – das Erbe unserer Väter und Vorfahren darf nicht verlorengehen!", sprach die scheidende Wallfahrtsorganisatorin Gertrud Müller so manchem aus der Seele. "Trudl mach weiter!", habe sie immer wieder ihren Vater sagen hören, und sie habe sich daran gehalten, erzählte sie. Das Tragen der schönen Trachten, auch bei warmem Wetter und schmerzenden Füßen, sei nicht immer leicht, stellte Gertrud Müller fest; es bedeutete aber, Heimat zu präsentieren. Wer den Weg zum Annaberg in der alten Heimat nicht mehr schaffe, so Müller, der solle weiterhin den flachen Weg zur Mutter Anna nach Altötting wählen. "Wir haben ihr so viel zu verdanken!"

Prälat Globisch hielt dann in seiner Predigt Zwiesprache mit Mutter Anna, unserer lb. Oma, die, wie er betonte, so wunderbar neben ihrer Tochter Maria im Hochaltarbild der Altöttinger St. Anna-Basilika dargestellt sei. Aus der Sicht der Schutzpatronin Oberschlesiens wollte er in die Vergangenheit, wie auch in die Zukunft schauen. "Warum ist das alles geschehen", fragte er und stellte fest: Es gelte am heutigen Tag an ein trauriges und ein freudiges Ereignis zu erinnern. Zum einen an Heimatverlust durch Flucht und Deportation vor 70 Jahren. Globisch erinnerte dabei auch an das Schicksal der Nichtaussiedler hinter dem Eisernen Vorhang nahe der polnischen Grenze. Der Hass gegen alles, was Deutsch war, sei damals u.a. im Verbot der Muttersprache deutlich geworden. Doch immer wieder sei es der tiefe Glaube der Oberschlesier gewesen, der Kraft, Mut und Halt gegeben habe. "Gott kann Böses zum Guten wenden", versicherte der Prediger und zitierte ein Lied aus dem Gotteslob: "Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille...er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten, drum lass ich ihn nur walten!" Eben jenes Vertrauen hat für den Prediger letztendlich auch den Ausschlag für ein freudiges Ereignis in der Geschichte gegeben: "die Freiheit für unsere Heimat vor 25 Jahren", Demokratie und offene Grenzen. – Den Gottesdienst zelebrierte Prälat Globisch gemeinsam mit Pfr. Reimund Schrott, Nördlingen, und Pfr. Josef Scholz, München.

"Ich bin stolz auf uns"

Pfarrer Reimund Schrott, Wallfahrtsorganisatorin Gertrud Müller, Altöttings Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor, Prälat Günther Mandl, und der diesjährige Hauptzelebrant, Prälat Wolfgang Globisch, stehen vor der Gnadenkapelle.
Pfarrer Reimund Schrott (l.), Wallfahrtsorganisatorin Gertrud Müller (3.v.l.), Altöttings Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor, Prälat Günther Mandl (3.v.r.), und der diesjährige Hauptzelebrant, Prälat Wolfgang Globisch (r.), stehen vor der Gnadenkapelle.

Bei der nachmittäglichen Andacht in der Stiftspfarrkiche St. Philippus und Jakobus verwies Pfr. Reimund Schrott auf die vielen Votivtafeln im Umgang der Gnadenkapelle – auch eine oberschlesische Gedenktafel ist dort angebracht. "Maria hat geholfen!" sei hier so oft zu lesen und bezeuge: "Ich bin nicht allein mit meiner Not, die Hoffnung trägt auch uns!" Die Gottesmutter Maria ebenso wie die hl. Mutter Anna ermahnten uns immer wieder aufs Neue, die Botschaft Jesu erklingen zu lassen. Pfr. Schrott verlas schließlich eine Textstelle aus "Evangelii gaudium", dem Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus.

Vor dem Eucharistischen Schlusssegen, den Pfr. Josef Scholz spendete, und der Prozession der Trachtengruppen und Fahnenabordnungen zur Gnadenkapelle ergriff Damian Schwider, der Landesvorsitzende der Landsmannschaft Oberschlesien in Bayern, das Wort. "Ich bin stolz auf uns – wir werden von Jahr zu Jahr mehr und größer, besonders die Jugend", rief er begeistert aus. Er verwies u.a. auf die – sehr jugendliche – Gütersloher Trachtengruppe. Intensiv warb er für die deutsche Studentenvereinigung in Oberschlesien – eine Abordnung war auch zugegen. Diese sei notwendig, um dem Nachwuchs Zukunft zu geben, und um in der alten Heimat auch eine geistige Heimat im christlichen Glauben zu haben. Schwider stellte fest: so lange Altöttings Kirchen so voll sind, und die Herzen der alten und neuen Heimat füreinander schlagen, brauche man keine Angst zu haben. Dieser Feststellung schloss sich auch Altöttings Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor, Prälat Günther Mandl nur zu gerne an.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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