Altöttinger Liebfrauenbote

Auf der Königsalpe im Allgäu findet jährlich ein Bergfest zu Ehren des heiligen Bonaventura statt

Tradition und Ursprünglichkeit

Auf der Königsalpe im Allgäu wird mit einem traditionellen Bergfest alljährlich der Namenstag des heiligen Bonaventura gefeiert. Betreuer der kleinen Kapelle ist eine Hirtenfamilie, die das Heu noch von Hand einbringt.

Bei der Bergkirbe im Anschluss an die Bergmesse feiern die Bauern "Sommerhalbzeit".
Bei der Bergkirbe im Anschluss an die Bergmesse feiern die Bauern "Sommerhalbzeit".

Einmal im Jahr, zum Namenstag des heiligen Bonaventura, wandern Hunderte Einheimische und Gäste zum Kapellenfest und zur anschließenden Bergkirbe auf die 930 Meter hoch gelegene "Königsalpe" in Gschwend in der Allgäuer Gemeinde Stiefenhofen. Wer annimmt, diese Alpe sei einst adliger oder gar königlicher Besitz gewesen, irrt. Vielmehr sind der verdienstvolle Landwirt und Braumeister Bonaventura König und seine Gattin Maria aus Simmerberg, denen das gesamte Areal mit ausgedehnter Alpwirtschaft gehörte, Namensgeber. 1916, ein Jahr nach dem Tod ihres Gatten und dessen letzten Willen befolgend, schenkte Maria die Königsalpe der Allgäuer Herdebuchgesellschaft Kempten. Als Dank dafür erbaute diese Gesellschaft 1934 die "Königskapelle", die nach dem Taufnamen des Herrn König dem heiligen Bonaventura geweiht wurde. Alljährlich wird in diesem Gotteshaus am nächst gelegenen Sonntag um den Bonaventuratag – der am 15. Juli als Namenstag des Schutzpatrons im Kalender aufgeführt wird – die heilige Bergmesse abgehalten und anschließend ausgiebig gefeiert.

Die wechselvolle Vorgeschichte der heutigen Königsalpe reicht zurück ins 17. Jahrhundert. Der Weiler Gschwend entwickelte sich im Laufe der Zeit aus vormals acht kleinen Höfen zu nur noch drei Alphütten um das Kernstück der Gesamtsiedlung mit rund 25 Hektar Weideland und viel Wald. Die Königsalpe als Mittelpunkt und Ausflugsziel wird seit vielen Jahren von der Hirtenfamilie Keck bewirtschaftet.

Bäuerliches Leben spüren

Die urtümliche "Bullenalpe" liegt auf dem Weg hinauf zur Königsalpe.
Die urtümliche "Bullenalpe" liegt auf dem Weg hinauf zur Königsalpe.

"Auf der Königsalpe wird das Heu noch wie zu Großvaters Zeiten von Hand eingebracht", betont Peter Keck, der zusammen mit seinen drei kräftigen Söhnen soeben die Pferde eingefangen hat, die von der Koppel ausgerissen waren. Mit dem Einachser-Gespann lässt sich jedes Tal überwinden und jede Kuppe bewältigen. "Vom 1. Mai bis Ende Oktober bevölkern Wanderer und Touristen die Alpe und kehren in den Wirtsstuben ein", fügt Ehefrau Monika Keck hinzu. "Nach dem Viehscheid sind alle Tiere den Winter über unten, dann heißt es, die Weidepflege vollenden, düngen, Unkraut beseitigen und alle Zäune auf den Boden legen, damit sie der Schnee nicht umreißt. Die Freude an der Arbeit merkt man jedem Familienmitglied an. "Unser Tagesablauf beginnt mit Sonnenaufgang und endet mit der Dunkelheit", sagt Hirte Peter Keck. Geräte haben sie hier kaum, was an Maschinen gebraucht wird, wird ausgeliehen. Überall ist in erster Linie Zulangen in Handarbeit angesagt.

Die Kulturgeschichte der Königsalpe wird gepflegt. Die Herdebuchgesellschaft Kempten investiert und ist sehr interessiert am Wohlergehen auf der Alpe. Dabei prüft und kontrolliert sie auch wie jeder andere Arbeitgeber, ob die Vorgaben eingehalten und beispielsweise notwendige Reparaturen ausgeführt werden.

Jeder Tag auf der Alpe beginnt für die Hirtenfamilie mit Stallarbeit. Kühe werden gemolken, Tiere auf die Weide getrieben, kranke Tiere gepflegt. Zum Abend, während noch immer Wanderer vor der Hütte oder im einladend gestalteten Gastraum sitzen, ist erneut Stallarbeit angesagt. Während Peter Keck und seine Söhne die Weideflächen "portionieren", also die Futterplätze des nächsten Tages für die Tiere abgrenzen, hat Monika Keck mehr als genug zu tun, um leckeren Kuchen zu backen und Brotzeiten für die Gäste zu richten. Fernsehen gibt es hier oben nicht.

Gläubige Hirten

Handarbeit und 1 PS: Alpwirt Peter Keck auf dem Weg zum Pfählen, dem Einsetzen von Weidezaun-Pfosten.
Handarbeit und 1 PS: Alpwirt Peter Keck auf dem Weg zum Pfählen, dem Einsetzen von Weidezaun-Pfosten.

Die uralte gewaltige Linde vor der Alphütte ist der Hausbaum. Hinter den Fliederbüschen verbirgt sich die Bonaventura-Kapelle. Die Hirtenfamilie betreut und pflegt das kleine Gotteshaus. Zum Gleichmaß gehört, dass dreimal am Tag die Glocke geläutet wird, "da betet man". In jedem Jahr gibt es eine Maiandacht, gestaltet von der Familie Keck.

Die traditionelle hl. Messe zum Namenstag des heiligen Bonaventura wird von Pfarrer Mader aus Stiefenhofen oder auch mal von Pfarrer Dieter Kluge zelebriert. Dabei gedenkt man des Kirchenlehrers und Franziskanerpaters Bonaventura, der zu den bedeutendsten Theologen des Mittelalters gehörte. Es ist aber auch eine Erinnerung an Bonaventura König.

Zur Bergkirbe schließlich kommen alljährlich die Bauern zusammen, um bei den Hirten nach dem Wohlergehen ihres Viehs in der "Sommerfrische" zu sehen und die "Halbzeit des Bergsommers" feierlich zu begehen.

Text: Karl-Heinz Wiedner (storymacher), Fotos: Mechthild Wiedner (storymacher)

Impressionen

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Alphornbläser eröffnen den Berggottesdienst.
Alphornbläser eröffnen den Berggottesdienst.
Auf der Königsalpe werden Haflinger gezüchtet.
Auf der Königsalpe werden Haflinger gezüchtet.
Namensgeber der Alpe: Bonaventura König.
Namensgeber der Alpe: Bonaventura König.

Der heilige Bonaventura wurde um 1220 als Johannes Fidanza in Bagnoregio, Latium, geboren. 1235 schrieb er sich an der Sorbonne in Paris ein und studierte bei Alexander von Hales die sieben freien Künste. Wie Hales trat auch Fidanza den Franziskanern bei und nahm den Ordensnamen Bonaventura an. Von 1243 bis 1248 studierte er Theologie. Zum Abschluss seines Studiums kommentierte Bonaventura das Lukasevangelium. 1254 wurde er auf den theologischen Lehrstuhl der Franziskaner berufen. Dort lehrte er bis 1257. Anschließend schrieb er sein Werk Itinerarium mentis in Deum (Reisebericht des Geistes zu Gott). Dieses gilt als Bonaventuras mystisches Hauptwerk und als ein Höhepunkt spekulativen Denkens im christlichen Abendland.

Bonaventura steuerte die Franziskaner auf einen gemäßigten und dauerhaften Kurs, der ihm den Ruf des "zweiten Gründers des Ordens" einbrachte. Er versöhnte die Anhänger strengster Armut (spirituales) mit den Vertretern einer bequemeren Lebensauffassung (conventuales). In seinen letzten Lebensjahren wurde er zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Christenheit. Nachdem Gregor X. zum Papst gewählt wurde, ernannte er Bonaventura zum Kardinalbischof von Albano. Der Papst übertrug ihm zugleich Vorbereitung und Leitung der Geschäfte des zweiten Konzils von Lyon, das die Unionsverhandlungen mit der griechischen Kirche endgültig zum Erfolg führen sollte. Während des Konzils verstarb Bonaventura nach kurzer und schwerer Krankheit am 15. Juli 1274.

Bonaventura wurde in der dortigen Franziskanerkirche begraben, die heute seinen Namen trägt. Seine Reliquien wurden in dieser Kirche aufbewahrt, sind aber teilweise bei einem Brand zerstört worden, teilweise verschollen. Die Nikolaus-Basilika seiner Heimatstadt Bagnoregio erhielt zuvor noch eine Armreliquie. Papst Sixtus IV. sprach Bonaventura 1482 heilig.

Text: Karl-Heinz Wiedner (storymacher)