Altöttinger Liebfrauenbote

Auf den Spuren der Schutzherrin Spaniens

500 Jahre Teresa von Ávila

Ein Jahr lang feiert Spanien seine Schutzherrin: die heilige Teresa von Ávila. Zum 500. Geburtstag der Kirchenlehrerin finden überall im Land Ausstellungen und Veranstaltungen statt, die an die populäre Ordensfrau und Mystikerin erinnern. 17 Klöster hatte Teresa als Karmelitin zwischen Burgos und Granada gegründet – in Städten, die sich zum Jubiläumsjahr in einer touristischen Arbeitsgemeinschaft zusammengefunden haben. Zudem verbindet eine neue Wanderroute ihren Geburtsort Ávila mit Alba de Tormes, ihrer Grabstätte.

Denkmal Teresa von Ávilas vor dem Kloster der Menschwerdung, in das sie als 20-Jährige eintrat.
Denkmal Teresa von Ávilas vor dem Kloster der Menschwerdung, in das sie als 20-Jährige eintrat.
Vanillecreme nach Teresa in Ávila.
Vanillecreme nach Teresa in Ávila.

Dem Himmel war Teresa schon immer etwas näher als die übrigen Spanier. Schließlich ist Ávila die höchst gelegene Provinzhauptstadt des Landes. Ein Bollwerk katholischen Glaubens, umgeben von Spaniens schönster Stadtmauer – einem zwei Kilometer langen, meterdicken und von 88 Türmen gekrönten Befestigungsring. Wie die ganze Altstadt gehört er heute zum Weltkulturerbe.

Knapp 400.000 Besucher zählte Ávila zuletzt jährlich. Zum Jubiläum, hofft man im Tourismusbüro, soll sich die Zahl verdoppeln. Längst hat sich die Stadt auf neue Gäste eingestellt. So serviert man im örtlichen Parador, dem besten Hotel der Stadt, ein viergängiges Menü aus Teresas Zeiten. Als Vorspeise gibt es Kartoffelecken mit gebratenen Schweinefleischwürfeln, Auberginen aus dem Topf und Sardinenfilets in Marinade. Es folgen weiße Bohnen mit Kabeljau und Rindfleisch, das zu süßen Rosmarinkartoffeln und Spargel auf den Tisch kommt. Den Abschluss bildet eine Vanillecreme. "Gott", soll Teresa einmal gesagt haben, "findet sich auch zwischen Töpfen und Pfannen".

Als drittes von zehn Kindern wurde die Heilige am 28. März 1515 in Ávila geboren. An Stelle ihres Geburtshauses steht heute das Karmeliterkloster La Santa, in dem ein halbes Dutzend Karmeliter leben. Heute dient es als Bildungszentrum mit großem Gästehaus. Ein kleines Museum zeigt Reliquien – unter anderem den Wanderstab der Heiligen, ihre Ringfinger-Reliquie und eine ihrer Sandalen. Hinter einer kleinen Kapelle im Seitenschiff der Klosterkirche findet sich ihr Geburtszimmer: ein großer Raum mit großem Bett.

Neuer Wanderweg

Eindrucksvoll: die Stadtmauer von Ávila.
Eindrucksvoll: die Stadtmauer von Ávila.
Etwas außerhalb Ávilas liegt das Karmeliterkloster Encarnacion (Menschwerdung), in das Teresa 1535 eintrat.
Etwas außerhalb Ávilas liegt das Karmeliterkloster Encarnacion (Menschwerdung), in das Teresa 1535 eintrat.

Schließlich stammte Teresa aus einer adligen Kaufmannsfamilie. Nebenan hat man einen kleinen Garten nachgebildet, in dem Teresa mit ihrem älteren Bruder Rodrigo spielt. Ein Glasfenster zeigt die Flucht der beiden, die als Kinder von zu Hause ausbüxten, um als Märtyrer im Kampf gegen die Mauren zu sterben. Tollkühne Ritterromanzen, die ihre adlige Mutter damals gern las, mögen zu diesem Abenteuer beigetragen haben. Doch ein besorgter Bürger brachte die Kinder wieder zurück.

Die Patres im Kloster La Santa sind die Nachfolger des ersten von Teresa gegründeten Männerklosters. Einst stand es im Dörfchen Duruelo, wo heute Karmelitinnen das Andenken an die Klosterfrau bewahren. Duruelo liegt am neuen Wanderweg zwischen Ávila und Alba de Tormes, ihrem Sterbeort. Erst vor kurzem hat man ihn mit roten Pfeilen ausgeschildert – mehr als hundert Kilometer quer durch eine weite, meist baumarme Hochebene, wo im Winter ein kalter Wind pfeift und im Sommer die Sonne vom Himmel brennt.

Ein bisschen außerhalb Ávilas liegt das Karmeliterkloster Encarnacion (Menschwerdung), in das Teresa 1535 eintrat. Briefe des heiligen Hieronymus, eines Einsiedlers, hatten sie in ihrem Entschluss bestärkt. Schon als 16-Jährige hatte sie nach dem Tod der Mutter auf Bitten des Vaters bei den Augustinerinnen Ávilas Klosterluft geschnuppert. Doch ein Leben im Konvent konnte sich die junge und selbstbewusste Frau damals noch nicht vorstellen. Für sie war das Klosterleben so erst einmal ein Schock. Schmuck und Parfum waren hier nicht geduldet, die Kleidung ganz einfach. Teresa wurde krank und kehrte ins Elternhaus zurück.

Schwerer Abschied

An Stelle des Geburtshauses der hl. Teresa in Ávila steht heute das Karmeliterkloster La Santa, in dem ein halbes Dutzend Karmeliter leben. Heute dient es als Bildungszentrum mit großem Gästehaus. Hinter einer kleinen Kapelle im Seitenschiff der Kloste
An Stelle des Geburtshauses der hl. Teresa in Ávila steht heute das Karmeliterkloster La Santa, in dem ein halbes Dutzend Karmeliter leben. Heute dient es als Bildungszentrum mit großem Gästehaus. Hinter einer kleinen Kapelle im Seitenschiff der Klosterkirche findet sich ihr Geburtszimmer.

Kein Wunder, dass ihr Vater deshalb dagegen war, als sie ins Kloster der Menschwerdung eintrat, wo sie 1537 ihr Gelübde ablegte und sich zu Gehorsam, Armut und Keuschheit verpflichtete. Der Abschied von der Welt fiel ihr schwer. Zwar hatte sie versprochen, Gott ganz zu dienen, doch noch war sie zu selbstverliebt. Wieder wurde sie krank, so dass sie ihr Vater zu einer Heilerin nach Becedas brachte. Dort verliebte sie sich in den Ortspfarrer, fühlte sich geschmeichelt von einem Mann, der ihr schließlich gestand, ein Verhältnis mit einer anderen Frau zu haben.

Als sich der Geistliche von seiner Geliebten trennte, kam für die Nonne Teresa die Bewährungsprobe. "Es gab Augenblicke", schrieb sie in ihrer Biographie, "wo es zu schweren Verfehlungen gegen Gott hätte kommen können, wenn wir ihn nicht sehr vor Augen gehabt hätten."

Als der Pfarrer starb, verschlimmerten sich Teresas Leiden. 1539 kehrte sie deshalb ins Kloster nach Ávila zurück, wo sie ins Koma fiel und man sie fast lebendig begraben hätte. Zeitweise war sie gelähmt, jahrelang konnte sie kaum gehen. Ein Bild mit dem leidenden Christus aber brachte die Wende. Der Schmerzensmann hatte sie tief berührt. Teresas Mitschwestern aber nahmen ihre Visionen und Ekstasen nicht ernst.

Ganz für Gott

Im Museum im Kloster de la Santa befindet sich diese Silberstatue mit der Vision Teresas, als ein Engel ihr Herz durchbohrt. – Teresa von Ávila wird meist im braunen Habit der unbeschuhten Karmelitinnen mit weißem Chormantel dargestellt. Mit Buch und
Im Museum im Kloster de la Santa befindet sich diese Silberstatue mit der Vision Teresas, als ein Engel ihr Herz durchbohrt. – Teresa von Ávila wird meist im braunen Habit der unbeschuhten Karmelitinnen mit weißem Chormantel dargestellt. Mit Buch und Schreibfeder sitzt sie häufig an einem Pult. Seit ihrer Ernennung zur Kirchenlehrerin und dem Ehrendoktortitel der Universität Salamanca sieht man sie auch mit einem Doktorhut. Zu ihren häufigsten Attributen gehören außerdem eine den Heiligen Geist verkörpernde Taube und ein flammendes oder von einem Pfeil durchbohrtes Herz. Eine der berühmtesten Darstellungen ist die Marmorstatue Gian Lorenzo Berninis in der römischen Kirche Santa Maria della Vittoria. Sie zeigt Teresa bei der sogenannten Transverberation, der Durchbohrung ihres Herzens. "Ich sah einen Engel neben mir", schreibt sie in einem ihrer Bücher. "Er war nicht groß, eher klein, sehr schön, mit einem so leuchtenden Antlitz, dass er allem Anschein nach zu den ganz erhabenen Engeln gehörte, die so aussehen, als stünden sie ganz in Flammen... Ich sah in seinen Händen einen langen goldenen Pfeil, und an der Spitze dieses Eisens schien ein wenig Feuer zu züngeln. Mir war, als stieße er es mir einige Male ins Herz, und als würde es mir bis in die Eingeweide vordringen. Als er es herauszog, war mir, als würde er sie mit herausreißen und mich ganz und gar brennend vor starker Gottesliebe zurücklassen. Der Schmerz war so stark, dass er mich ... Klagen ausstoßen ließ, aber zugleich ist die Zärtlichkeit, die dieser ungemein große Schmerz bei mir auslöst, so überwältigend, dass noch nicht einmal der Wunsch hochkommt, er möge vergehen, noch dass sich die Seele mit weniger als Gott begnügt. Es ist dies kein leiblicher, sondern ein geistiger Schmerz, auch wenn der Leib durchaus Anteil daran hat, und sogar ziemlich viel."
Als Reliquie verehrte Sandale der hl. Teresa von Ávila im Museum des Klosters de la Santa.
Als Reliquie verehrte Sandale der hl. Teresa von Ávila im Museum des Klosters de la Santa.

Anno 1554 begegnete ihr der Schmerzensmann in der Fastenzeit erneut. Die Nonne spürte jetzt, ganz von Gott geliebt zu werden. Theresa von Jesus nannte sie sich von da an. Gott war ihr zum Freund geworden, keine ferne Macht in ihren Augen, sondern ein Mensch, mit dem man Freundschaft schließen konnte. Immer mehr reifte in ihr deshalb der Wunsch nach Erneuerung des Klosterlebens. Inzwischen nämlich hausten fast 200 Nonnen im Menschwerdungs-Kloster, manche mit ihren Kindern, die sie mitgebracht hatten. Für innere Einkehr war da kaum noch Platz.

Im Oktober 1560 fand der Wunsch nach Veränderung Gestalt, trafen sich einige Nonnen in Teresas Zelle, um die Unbeschuhten Karmelitinnen zu gründen. Sandalen statt Schuhe zeigten äußerlich den Wandel. Ihre Vorbilder waren die Wüstenheiligen, die ganz für Gott lebten und auf Eigentum verzichteten. "Es genügt Gott, wenn wir in einer Stunde das Vaterunser nur einmal beten", predigte sie den Mitschwestern und wandte sich damit gegen die stundenlangen Bußübungen und Geißelungen im Kloster der Menschwerdung. "Wichtig ist nur, daran zu denken, dass er uns nahe ist."

Schließlich setzte Teresa ihre Reformideen um. Heimlich gründete sie anno 1562 das Kloster San José in Ávila, finanziert unter anderem mit der Mitgift zweier Schwestern. In Erinnerung an Jesus und die zwölf Apostel sollten nicht mehr als 13 Nonnen im Kloster leben. 1571 wurde Teresa gegen ihren Willen und den ihrer Mitschwestern vom Apostolischen Visitator zur Priorin des Menschwerdungs-Klosters ernannt. Die Zelle, in der Teresa als Priorin gelebt haben soll, zeigt man Besuchern im Museum des Menschwerdungs-Klosters heute noch gern – auch den Holzkeil, der ihr als Kissen diente.

Nur wenige Schritte vom Kloster der Menschwerdung entfernt steht heute die "Universität der Mystik", ein von sieben Brüdern und zwei Karmeliterschwestern geführtes Bildungszentrum. In Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch werden hier viele Hundert Studenten aus aller Welt unterrichtet, Christen ebenso wie Buddhisten oder Muslime. "Uns geht es vor allem um Innerlichkeit", sagt der Leiter der Universität. "Denn die Selbsterkenntnis ist das wichtigste im Leben".

Teresas erster Klostergründung sollten weitere folgen. Mit Johannes vom Kreuz, den sie 1568 in Valladolid kennengelernt hatte, fand sie zudem einen Mitstreiter. Er wurde zum Vater des männlichen Zweigs des Teresianischen Karmels und zum Beichtvater der Nonnen. Zwischen Teresas Neugründungen und dem Stammorden aber herrschte Dauerstreit, der erst 1581 beigelegt wurde, als die Unbeschuhten Karmeliten als eigener Orden anerkannt wurden.

Klöster heute

Stadtansicht von Toledo.
Stadtansicht von Toledo.
In Villanueva de la Jara befindet sich diese Sarstellung Teresas mit Doktorhut.
In Villanueva de la Jara befindet sich diese Sarstellung Teresas mit Doktorhut.

Die meisten von Teresa gegründeten Klöster gibt es noch heute. So wie in Toledo, wo rund ein Dutzend Schwestern im Karmelitinnenkonvent an der Plaza Santa Teresa Jesus leben, nicht ganz so streng wie in den übrigen Klöstern. Zweimal wöchentlich dürfen die Nonnen für 90 Minuten ins Internet, ansonsten wird auch hier viel gebetet. Mit einem einstündigen persönlichen Gebet beginnt in Toledo der Tag, es folgen Morgenlob und hl. Messe, danach wird gemeinsam gefrühstückt und bis 13 Uhr gearbeitet. Die Nachmittage dienen Bildung und Erbauung, prägen Gesänge und Lesungen. Vesper und stilles Abendessen folgen, um 22 Uhr beschließt die Komplet den Tag. In Toledo sind die Nonnen überzeugt, dass sie mit ihrem Gebet helfen, das Leid der Menschen erträglicher zu machen.

Die Männer haben ihr eigenes Kloster an der Plaza Carmelitas Descalzos. Eine Oase der Ruhe und ein Hort des Glaubens. Eine Pilgerherberge mit 65 Betten in Dreier-, Zweier- und Einzel-Zimmern, dazu ein riesiger Schlafsaal.

Eine Handvoll Patres managt das staatliche Anwesen in der Altstadt, das liebevoll restauriert wurde. Das Haus der Großeltern Teresas in der Calle de las Tendillas gegenüber einem Kunstladen hat das noch vor sich. Zur Zeit erinnert hier nichts an die jüdische Kaufmannsfamilie, die wegen der Inquisition Toledo verlassen musste. Ein paar Gehminuten weiter findet sich das sogenannte Mesa-Haus, in dem Teresas Freundin Luisa de la Cerda wohnte. Hier beendete die Heilige ihre Arbeit an ihrer Autobiographie und begann mit dem "Buch der Gründungen", in dem sie ihre Erfahrungen mit den Klostergründungen niederschrieb.

Villanueva de la Jara, mitten in der fast menschenleeren La Mancha gelegen, ist eine weitere Klostergründung Teresas. Auch hier leben heute noch Schwestern ganz nach ihren Regeln. Gleich um die Ecke hat man das alte Pfarrhaus zum "Zentrum Theresianum" umgewandelt, wird Besuchern ein Klassiker der Weltliteratur näher gebracht. "Las Moradas", zu deutsch "Wohnungen der inneren Burg", heißt Teresas Bestseller, geschrieben 1577. Am Beispiel von sieben Wohnungen zeigt die Kirchenlehrerin, wie der Mensch durch Gottes Handeln zur Vollendung kommt.

"Dies ist der Platz, den Gott für mich ausgesucht hat"

Besucherzimmer mit Doppelgitter im Kloster in Mahagon.
Besucherzimmer mit Doppelgitter im Kloster in Mahagon.
Denkmal der heiligen Teresa in Malagon.
Denkmal der heiligen Teresa in Malagon.

Wie im Buch sind auch in Villanueva de la Jara sieben, von einer kubanischen Künstlerin neu gestaltete Räume zu durchwandern – bis hin zu einem kleinen Palast in der Mitte, dem symbolischen Sitz Gottes. "Letztendlich, meine Schwestern", schreibt Teresa am Ende ihres Buches, "ist, dass wir keine Türme ohne Fundament bauen sollen, denn der Herr schaut nicht so sehr auf die Größe der Werke, als vielmehr auf die Liebe, mit der sie getan werden".

In der Regel übernahm Teresa bei ihren Klostergründungen schon fertige Häuser. Eine der Ausnahmen ist Malagón, wo sie 1568 ihr drittes Kloster von einem Architekten errichten ließ. Den Platz, so erzählt die Legende, hätte eine Taube gefunden, die sich in einem Ölbaum niederließ. "Dies ist der Platz, den Gott für mich ausgesucht hat", verheißt deshalb die Inschrift vor einer Statue der Ordensschwester Teresa. Sechsmal hat die Heilige das Kloster besucht, es war einer ihrer Lieblingsplätze. Hin und wieder empfing man sie mit einem Te Deum in der Basilika, wo man die Jungfrau vom Schnee verehrt – eine goldene Madonnenfigur aus dem 14. Jahrhundert.

Der Altar der Klosterkirche gehört zu den schönsten in der Region. Rechts an der Wand hängen Dutzende von Ex Votos – Votivgaben aus Wachs, die Pilger hierher gebracht haben. Wie Brüste, Arme und Füße sind sie meist geformt. Zeichen des Dankes, dass Teresa bei Kinderwünschen, Arm- oder Beinbrüchen geholfen hat. Rechts neben dem Altar ist eine Klappe, durch die den Nonnen beim Gottesdienst die Kommunion gereicht wird. In Malagón geht es besonders streng zu, tragen die Schwestern Gesichtsschleier. Nur versteckt hinter doppelten Gittern und einem schwarzen Tuch dürfen sie Besucher empfangen.

Verwirrung um Festtag

Pizza Teresiana.
Pizza Teresiana.
Teresas Sterbezimmer in Alba de Tormes.
Teresas Sterbezimmer in Alba de Tormes.
Herzreliquie.
Herzreliquie.
Armreliquie.
Armreliquie.

Ganz anders dagegen in der Dorfkneipe: "Pizza Teresiana" ist hier der Renner. Ein Gaumenkitzler, der vor aller Augen zubereitet wird. Mit Zucchinicreme, Rebhuhn, Manchegokäse, Tomaten, Parmesan und Thymian ist der Teig belegt, der anschließend in den vorgeheizten Holzofen kommt. Serviert wird auf eigenen Holzplättchen mit einem Spruch Teresas: "Traurigkeit und Melancholie haben in meinem Haus nichts verloren!"

Letzte Station unserer Reise auf Teresas Spuren ist Alba de Tormes, ihre Grabstätte. Als die Heilige auf ihrer Rückreise von Burgos, der letzten Klostergründung, nach Ávila war, wurde sie zur in Alba residierenden Herzogin gerufen, um ihr bei der Geburt ihres Kindes beizustehen. Sterbenskrank kam sie dort an, knapp zwei Wochen später war sie tot.

Die Erinnerung hält heute ein kostbarer Schrein in der Klosterkirche wach. Arm und Herz werden als Reliquien verehrt. Besonders sehenswert ist der Klosterschatz. Messbücher vom Feinsten zeigt er, mit Edelsteinen besetzte Monstranzen und Kreuze, goldene Leuchter und silberne Kerzenständer, Messgewänder aus schwerem Brokat. Geschenke der Herzöge von Alba, die Teresa innigst verbunden waren. Auch die Zelle, in der sie ihre letzten Stunden verbrachte, zeigt man in Alba de Tormes heute noch gern.

Teresa starb am 4. Oktober 1582. Da dieser Tag, der letzte in den julianischen Kalenderjahren, allerdings schon an Franz von Assisi erinnerte, verlegte man ihr Gedenken auf den Tag danach. Den aber gab es wegen der gregorianischen Kalenderreform nicht, weil damals zehn Tage ausgelassen wurden und auf den 5. gleich der 15. Oktober folgte. Er markiert bis heute den offiziellen Festtag der Heiligen – und dieses Jahr auch das Ende der Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag Teresas.

Text und Fotos: Günter Schenk

Huellas de Teresa de Jesus

Unter diesem Titel haben sich 17 spanische Städte zu einer touristischen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie alle verfügen über mindestens ein Kloster oder eine Kirche, die auf Gründungen der heiligen Teresa zurückgehen oder von ihr besucht wurden. Zu den Erinnerungsorten gehören neben Ávila auch Medina del Campo, Malagón, Valladolid, Toledo, Pastrana, Salamanca, Alba de Tormes, Segovia, Beas de Segura, Sevilla, Caravaca de la Cruz, Villanueva de la Jara, Palencia, Soria, Granada und Burgos. Für Pilger auf den Spuren der Heiligen gibt es ein sogenanntes Credencial, eine Art Pilgerpass, der in den Tourismusämtern der Städte und Dörfer abgestempelt wird. Wer mindestens vier teresianische Stätten besucht hat, erhält im "Centro de Recepcion de Visitantes", dem Besucherzentrum in Ávila, eine persönliche Urkunde. Internet-Informationen: www.huellasdeteresa.com.

Christian Feldmann, Journalist und Buchautor: "Teresa von Ávila, stur wie ein Ochse, dickfellig wie ein Elefant und schlau wie ein Fuchs, Opfer der Inquisition und Lehrerin der Kirche, schuldbewusst und aufmüpfig, der fleischgewordene Gegenbeweis für all jene schauderhaften Klischeevorstellungen, wie Heilige, Klosterfrauen und überhaupt Katholikinnen zu sein haben: brav, bescheiden, nicht zu intelligent und vor allem gehorsam gegenüber den Männern."