Altöttinger Liebfrauenbote

Geldanlagen in nachhaltige Forstprojekte versprechen allen Seiten Gewinne

Profit mit gutem Gewissen

Mit Wald-Investments versuchen Anleger sowohl Geld zu verdienen als auch etwas Gutes zu tun. Aber profitieren Menschen und Umwelt in den betroffenen Regionen wirklich davon? Ein Besuch auf den Plantagen eines Anbieters in Panama.

Yaels Camacho, Forstingenieurin von "Forest Finance".
Yaels Camacho, Forstingenieurin von "Forest Finance".

Die Luft ist warm und feucht. Bunte Schmetterlinge flattern in den schmalen Streifen Sonnenlichts, die sich ihren Weg durch den dichten Wald bahnen. Yaels Camacho stapft durch das knackende Unterholz. Vor einer mannshohen Fächerpalme bleibt die Forstingenieurin stehen und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Die wächst hier einfach, die haben wir nicht gepflanzt."

Immer weiter bahnt sie sich den Weg durch das Gestrüpp. Namen von Rankpflanzen, Blumen, Sträuchern und Bäumen sprudeln aus ihr heraus. Yaels Camacho zeigt auf die Früchte des Jagua-Baums, die gegen Blutarmut und Leberprobleme helfen sollen. Dann reißt sie ein Blatt von einem Busch mit Namen Lengua Vaca ab und streicht über die haarige Oberfläche. "Das heißt übersetzt Kuhzunge, Indigene nutzen die Blätter heute noch zum Geschirrspülen." Die Vielfalt ist erstaunlich für einen Nutzwald.

Vor fast zwanzig Jahren wurde die Finca "Madera Fina" in Las Lajas im Westen Panamas angelegt. Mit Geldern von Investoren aus Deutschland. Die Idee klingt bestechend. Der Anbieter Forest Finance mit Sitz in Bonn und Panama City pflanzt Plantagen, die im Einklang mit der Natur bewirtschaftet werden, schädliche Klimagase binden, das Mikroklima verbessern, Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie sichere Arbeitsplätze für die Menschen in der Region bieten. Die Investoren erhalten Rendite aus dem Verkauf des Nutzholzes und obendrein das Gefühl, ihr Geld für etwas sinnvolles angelegt zu haben. So wird Wald geschützt, in dem er einen wirtschaftlichen Wert erhält. Aber kann das funktionieren?

Übersetzt heißt Madera Fina feines Holz. Das wächst auch auf den 23 Hektar der Finca: Ob als Amarillo, Almando, Caoba, Cocobolo, Cedro Espino, Teak oder Zapatero. Allesamt Harthölzer und einheimische Arten, bis auf die Teakbäume mit ihren großen, herzförmigen Blättern. "Teak wächst schnell und bringt stabil hohe Holzpreise", erklärt Yaels Camacho. Die Teakbäume machen deshalb ein gutes Drittel der Nutzhölzer aus. Mit den kahlen Teakplantagen in Monokultur, die man bei der Fahrt nach Las Lajas entlang der Panamericana sehen kann, hat die Finca aber nichts gemein.

Große Artenvielfalt

Blick auf das Waldgebiet: Die Aufforstungen durch Forest Finance in Panama erfolgen nicht wie so oft als Monokulturen, sondern sorgfältig geplant und abgestimmt auf die Umgebung als Mischpflanzungen. Davon profitieren Menschen und Umwelt.
Die Aufforstungen durch Forest Finance in Panama erfolgen nicht wie so oft als Monokulturen, sondern sorgfältig geplant und abgestimmt auf die Umgebung als Mischpflanzungen. Davon profitieren Menschen und Umwelt.

Zwischen dem Nutzholz wachsen und gedeihen viele wilde Bäume und Büsche. Arten wie Ormosia aus der Familie der Schmetterlings-Blütengewächse, der an unsere Eichen erinnernde Roble oder die Cedro Amargo mit ihren fächerförmig angelegten Blättern, die zahlreiche Insektenarten anzieht. Einige hat das Team von Yaels Camacho gepflanzt, andere wuchsen einfach so – wie die Fächerpalme, die auch Falsche Paradiesvogelblume genannte Heliconia, der Ameisenbaum Guarumo und sogar einige Orchideenarten. "Ich sehe alleine an dieser Stelle auf den Schlag fünfzehn verschiedene Arten." Yaels Camacho dreht sich einmal um die eigene Achse und schaut in das dichte Blattwerk. Der größte Teil der Pflanzen wird durch Tiere verbreitet. Ein Zeichen dafür, dass viele Tierarten in dem Mischwald einen Lebensraum finden: Seltene Papageien und Kaninchen, Affen, Kröten, Käfer oder Schmetterlinge – nicht wenige von ihnen stehen auf der roten Liste für bedrohte Arten. "Wir haben sogar eine Boa Constructor auf einer unserer Fincas gefunden." Die Forstingenieurin grinst und schüttelt sich.

Auf über 3.000 Hektar hat Forest Finance in Panama mittlerweile solche Fincas angelegt, die Investoren stammen nicht mehr ausschließlich aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz, aus Österreich, Frankreich, den USA oder Kolumbien. Die erst kürzlich entstandenen Plantagen könnte man fast mit einer von wilden Pflanzen überwucherten Brache verwechseln. Der Eindruck täuscht. Regelmäßig sorgen Forstarbeiter mit Macheten dafür, dass die in der eigenen Schulung gezogenen Baumsetzlinge trotz der Vielfalt genug Licht und Nährstoffe erhalten. Im Laufe ihres Wachstums bringt die biologische Vielfalt der Pflanzen den Bäumen hohen Nutzen. Die anderen Pflanzen sorgen für Nährstoffe im Boden, schützen vor Erosion oder bieten Nahrung für Tiere, die den Schädlingsbefall eindämmen helfen. Reicht das nicht aus, kommen biologische Substrate zum Einsatz.

Größte Arbeitgeber

Waldarbeiter.
Waldarbeiter.

Soweit der Nutzen für Flora und Fauna. Aber profitieren auch die Menschen in Las Lajas von dem Waldinvestment? Las Lajas ist ein verschlafenes Örtchen mit einem sehr langen und breiten Strand am Pazifik. Tourismus aber gibt es hier kaum. Der Großteil der Einwohner lebt von der Landwirtschaft, vom Feldbau vor allem aber von der Rinderzucht. Häufig sieht man Pferde vor den Häusern im Ort angebunden, die neben dem verbeulten Pick-Up des Hausbesitzers grasen. An den Wochenenden gibt es Hahnenkämpfe und manchmal eine Tanzveranstaltung.

Die Menschen ohne eigenes Land finden lediglich Arbeit als Tagelöhner in der lokalen Landwirtschaft. Häufig müssen sie aber auch in die Provinzhauptstadt David fahren oder auf die Kaffeeplantagen im benachbarten Costa Rica. Festanstellungen sind kaum zu ergattern. Panamas Wirtschaft wächst beachtlich. Das Wachstum kommt aber längst nicht bei allen an. Mit 45 fest Angestellten ist Forest Finance der größte Arbeitgeber in dem 2.000-Seelen-Ort.

Leuchtende Augen

Petra Espinosa findet auf der Plantage ihr Auskommen.
Petra Espinosa findet auf der Plantage ihr Auskommen.

Eine der Angestellten ist Petra Espinosa. Das Tor zu ihrem kleinen Haus hat ihr Mann aus einem alten Fahrradrahmen geschweißt. "Er hat das ganze Haus selbst gebaut." Die 47-Jährige lächelt und serviert kalte Cola sowie Cracker mit Dosenmilch auf der Veranda. Die Familie wohnt in zwei Zimmern. Zwar sind zwei der drei Söhne aus dem Haus, dafür wohnt die Tochter mit Petras Enkelin bei den Espinosas. Seit drei Jahren arbeitet Petra Espinosa in Las Lajas, überwiegend in der Baumschule, wo sie ein Substrat aus Mutterboden und Reisspelzen in kleine schwarze Säcke füllt. Sie verdient mit 325 Dollar knapp zehn Prozent mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Neben den Pflichtversicherungen gegen Krankheit und Unfall bekommt sie als freiwillige Leistung eine Lebensversicherung bezahlt. Es gibt Weiterbildungen für Arbeitssicherheit, rückenschonendes Heben, Brandverhütung, Computerkurse, kostenlose medizinische Untersuchungen und einen Betriebsrat.

Früher hat Petra Espinosa in der staatlichen Verwaltung gearbeitet. Nach einem Regierungswechsel wurden sie und viele andere Kollegen gekündigt. Ihr Mann verdient als Taxifahrer bei einem 14-Stunden Tag nicht mehr als sie – und das nicht immer sicher. "Mein Einkommen ist sehr wichtig für die Familie." Petra Espinosas Augen leuchten vor Stolz. Auch Cecilio Abrego schätzt die sichere Anstellung, er ist verantwortlich für die Maschinen in dem kleinen Sägewerk. Zwar könnte der Labortechniker in seinem erlernten Beruf mehr verdienen als die derzeit rund 380 Dollar netto. "Es ist aber sehr schwer, eine feste Anstellung zu finden." Das bestätigt auch der Informatiker, der für die Kartographierung der Forstparzellen zuständig ist, und knapp 1.000 Dollar verdient.

In der Gegend um Las Lajas wuchs bis vor rund zweihundert Jahren Wald. Dann wurden große Teile der hügeligen Landschaft für die Viehzucht gerodet. Der Flächenverbrauch ist enorm. Auf einem Hektar grasen gerade einmal fünf Rinder. Die neuen Forstflächen sind auf solchen Weideflächen entstanden. Das Ökosystem profitiert davon. Aber was sagen die Viehzüchter dazu?

"Das ist gut für uns"

Viehzüchter Alexis Barria hat seinen Frieden mit dem Holzprojekt gemacht – es verbessert die Umweltbedingungen.
Viehzüchter Alexis Barria hat seinen Frieden mit dem Holzprojekt gemacht – es verbessert die Umweltbedingungen.

Ein Teil der Weiden von Alexis Barria grenzt an eine der Fincas. "Früher war das Weideland eines Nachbarn, der aus Altersgründen aufgegeben hat", erklärt der Farmer und Vorsitzende des Viehzüchterverbandes Asociation Nacional de Ganaderos. "Ich wollte das Land auch kaufen, aber die haben mich überboten." Doch das nimmt Alexis Barria nicht krumm. Auch Unternehmen aus Italien oder den USA investieren in der fruchtbaren Gegend, um Viehzucht zu betreiben oder Palmöl-Plantagen anzulegen. "Das ist gut für uns, weil die Preise für das Land steigen, zumindest so lange wir genug Land für unsere Viehzucht behalten." Alexis Barria steuert seinen Pick-Up über einen holperigen Feldweg. Hinter einem Gatter fährt er weiter bis zu der Grenze seines Weidelandes. Nur wenige Meter weit kann man in den dichten Wald hinter dem niedrigen Stacheldrahtzaun blicken. "Durch die Fincas haben sich Mikroklima und Wasserresourcen in der Region sehr verbessert." Auf der Seite von Alexis Barria grasen einige Rinder im Schatten der Bäume. "Meine Weiden zum Beispiel bleiben in der Trockenzeit einen Monat länger grün und ich muss weniger zufüttern."

Auf jeder Finca von Forest Finance gibt es eine Schutzfläche um die Wasserquelle. Die Landesgesetze und die daran orientierten Vorschriften des internationalen FSC-Zertifikates schreiben lediglich einen Mindestabstand der Nutzholzbepflanzung zu Teichen und Bächen von zehn Metern vor. "Wir richten um die Wasserquellen immer eine Schutzzone von fünfzehn bis dreißig Prozent der Plantagenfläche ein", erklärt Yaels Camacho. Die Forstwirtin nähert sich dem Bach der Finca Madera Fina. Immer dichter wird das Buschwerk. In diesem Teil wird der Wald ganz sich selbst überlassen. Nur noch von ganz weit entfernt ist das Hacken der Plantagenarbeiter zu vernehmen, die mit Macheten eine Brandschneise anlegen. Dafür zwitschert und summt es um so mehr.

Yaels Camacho ist für einen Moment still und legt den Kopf zur Seite. Als ob sie den Bäumen beim Wachsen zuhören würde.

Text: Klaus Sieg, Fotos: Martin Egbert

Wald-Investments

Die Holzpreise steigen. Immer mehr Anleger investieren in Wald. Eine Vielzahl von Anbietern ermöglicht den Einstieg in das Holzgeschäft von Rumänien bis Costa Rica. Sie heißen Life Forestry, BaumInvest, Precious Woods, Pictet-Timber oder eben Forest Finance und bieten Direktinvestments sowie geschlossene Fonds. Einige locken mit zweistelligen Renditen. Die wenigsten aber bewirtschaften die Forstflächen wirklich ökologisch. Zudem sind einige der Anlagemodelle in die Kritik geraten, unter anderem weil durch die Aufforstung die angestammte Bevölkerung von dem Land verdrängt wird, das sie vielleicht nicht offiziell besitzt aber seit Generationen nutzt.

Schnelle Rendite bringt ein Wald-Investement nicht. Schließlich muss der Wald erst wachsen. Investoren müssen also Zeit mitbringen. Selbst bei Tropenhölzern dauert es rund 20 Jahre vom Setzling bis zum Baum, der geschlagen und verkauft werden kann. Allerdings können vor der finalen Ernte Zwischenernten vermarktet werden, wenn ein Teil der Nutzhölzer gefällt wird, um den verbleibenden mehr Platz zum Wachsen zu verschaffen.

Die Risiken bei Waldinvestments sind andere als bei klassischen Geldanlagen. Schädlinge können die Plantage befallen, Brände oder Stürme im schlimmsten Fall zum Totalverlust führen. Bei der Wahl eines Anbieters sollte man sich umfassend informieren und darauf achten, wie transparent dieser sein Angebot darstellt.

Text: Klaus Sieg, Foto: Martin Egbert

Impressionen

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Festanstellungen sind rar: Cecilio Abrego könnte vielleicht mehr verdienen, schätzt aber die Sicherheit für seine Familie im Forstprojekt.
Festanstellungen sind rar: Cecilio Abrego (r.) könnte vielleicht mehr verdienen, schätzt aber die Sicherheit für seine Familie im Forstprojekt.
In der Baumschule von Forest Finance in Las Lajas wachsen Tausende Setzlinge zur Pflanzung auf den Plantagen heran.
In der Baumschule von Forest Finance in Las Lajas wachsen Tausende Setzlinge zur Pflanzung auf den Plantagen heran.
Plantage in Panama.
Plantage in Panama.