Altöttinger Liebfrauenbote

Tag des Marienwerks 2014 – Eindringliche Predigt des Schweiklberger Altabts Christian Schütz OSB

Mit Maria die Kirche "lüften"

"Altötting und das Wallfahrtsgeschehen stehen im Zeichen des Marienwerks", stellte der Hauptzelebrant und Prediger, Altabt Dr. Christian Schütz OSB, beim Festgottesdienst in der St. Anna-Basilika (festlich gestaltet von Kapellchor- und Orchester mit Mozarts Missa brevis in G, sowie Mozarts Kirchensonate bei der Opferung) am Sonntag, 14. September, anlässlich des "Tag des Marienwerks" heraus. Der Dank des "Vaters Abt", wie auch von Marienwerks-Vorsitzendem Prälat Alois Furtner, galt den Mitgliedern für ihr "Rückgrat", ihr zahlreiches Kommen und Gebet, trotz des nicht gerade einladenden Wetters.

Altabt Christian Schütz mit den Konzelebranten Prälat Alois Furtner, Stiftsdekan Wolfgang Renoldner und Kapuzinerpater Norbert Schlenker.
Altabt Christian Schütz (M.) mit den Konzelebranten (v.r.) Prälat Alois Furtner, Stiftsdekan Wolfgang Renoldner und Kapuzinerpater Norbert Schlenker.

Dieser Sonntag, an dem das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert werde, erinnere an das Kreuz Jesu als Sieges- und Glaubenszeichen und Zeichen der Liebe Christi zu uns Menschen, so Altabt Schütz. Dabei verwies er im Besonderen auf die Gottesmutter Maria: sie halte Wache beim Kreuz Jesu und seiner Liebe.

Mahnende Worte hatte der Hauptzelebrant dann in seiner Predigt zu entrichten: Leider kristallisiere sich immer mehr heraus, dass beim Wallfahrtsgeschehen oft nicht der Glaube, sondern der Kommerz in den Vordergrund rücke. Kirche stehe zurzeit allzu oft im Kreuzfeuer der Kritik. Fehler und Versagen, teils durch Vertreter und Mitarbeiter führten zu Widerspruch, Vorurteilen, Einseitigkeit, Voreingenommenheit, verbreiteten ungute Stimmung - Reibungsflächen zum Wahrheitsgehalt des Glaubens würden verstärkt, die geforderte Lebensgestaltung nach der Lehre des Evangeliums verkümmere immer mehr.

"Was wird aus der Kirche der Zukunft?", hinterfragte der Abt. Angesichts der Unstimmigkeiten außerhalb und innerhalb der Kirche falle es uns sichtlich schwer "Ein Haus voll Glorie" anzustimmen. Renovierungspläne brächten nicht die gewünschten Veränderungen. Jedoch sollte uns klar und bewusst werden: "Durch Kirche, in der Kirche geschieht viel Gutes in der Welt!" Was wir brauchen, forderte Abt Schütz, sei eine neue Freude an Kirche. "Die Kirche Jesu Christie zu werden und zu sein, die Er wollte und will", die weit über alle ökumenischen Bestimmungen hinausreiche, solle unser aller Ziel und Bestreben sein. Das beginne ganz unten, bei uns, der Familie als "Hauskirche" bzw. Kirche im Kleinformat, wachse weiter in der Pfarrgemeinde, wachse zusehends zu einem Sympathien-Sammeln für eine "positive Kirche" in der Welt. Die Gottesmutter helfe uns dabei. Abt Schütz erinnerte an Papst Paul VI., der im Jahr 1964 Maria als "Mutter der Kirche" ausgezeichnet habe.

"Gute Mutter"

Altabt Christian Schütz mit dem Vorsitzenden des Altöttinger Marienwerks, Prälat Alois Furtner und Geschäftsführer Reinhard Ernst.
Altabt Christian Schütz (M.) mit dem Vorsitzenden des Altöttinger Marienwerks, Prälat Alois Furtner (l.) und Geschäftsführer Reinhard Ernst (r.).

"Die Kirche und Maria sind auf ihre Art und Weise Mütter" – keine Konkurrenz, betonte der Altabt. Sie ergänzten sich, reichten sich die Hände in jeder Notlage. "Bitten wir die Mutter Maria, dass sie der Mutter Kirche zu Hilfe kommt!" Für eine "gute Mutter" gebe es keinen Ersatz: Betend erinnerten wir uns im Credo "Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche..." In der Kirche und mit ihr sein und leben sei auch mit Vorzügen verbunden und man solle sich nicht mit ein wenig Zugehörigkeit, wie Zahlung der Kirchensteuer, begnügen. Dem Glauben Raum schenken in christlicher Gemeinschaft sei ein Schritt, uns den "vergessenen Himmel" nahe zu bringen – denn Glaube reiche weiter und tiefer, als Wissen und Erkennen. Kirche verwandle Menschen, durch christlichen Einsatz und Hilfe entstehe viel Gutes vor und hinter den Kulissen der Gesellschaft.

Aber, so forderte Abt Schütz, es werde heute dringlicher denn je, dass die Kirche "gelüftet" wird. Nicht nur die Bauten: vielmehr müsse die verbrauchte, ungute Luft in den kirchlichen Gemeinden durch gesunde Frischluft ersetzt werden, damit sich Glauben erneuere. Abt Schütz empfahl, sich der Gottesmutter anzuvertrauen: "Sie ist den positiven Spuren der Hl. Schrift gefolgt; es lohnt sich, bei ihr in die Schule zu gehen!" Maria zeige uns den Ausweg aus einer müden und lauen Kirche und führe uns in eine frohe, gesunde Zeit des Glaubens, Helfens und Liebens.

Nach dem Gottesdienst bestand die Möglichkeit der persönlichen Begegnung der Marienwerks-Mitglieder beim gemütlichen Beisammen sein im Haus des Marienwerks. Gerne wurde diese Einladung angenommen, mit dabei auch wieder "Großfamilie Winz aus Bad Kohlgrub", die eine vierstündige Zugfahrt nicht scheute, um dabei zu sein. Auch der Krankenhausseelsorger i.R. aus Altdorf, Otto Belle, der alljährlich bei der Wallfahrt der Ukrainer in Altötting zugegen ist, zeigte sich als langjähriges Marienwerks-Mitglied von diesem Begegnungstag angetan. Die ganz Neugierigen durften schon Mal vorab einen Blick in die neuen und renovierten Räumlichkeiten werfen, bevor diese am 24. Oktober von Diözesanbischof Stefan Oster gesegnet und ihrer Bestimmung übergeben werden.

Wegen des regnerischen Wetters am Nachmittag musste der Ave- bzw. Mariengruß vor der Gnadenkapelle in die Stiftspfarrkirche St. Philippus und Jakobus verlegt werden. Die Altöttinger Hofmusik gestaltete die nachmittägliche Andacht, bevor der Marienwerks-Vorsitzende Prälat Alois Furtner mit der Gnadenbild-Kopie die "Freunde und Förderer des Marienwerks" segnete. Die alljährliche Jahreshauptversammlung fand dann anschließend im neuen Chorsaal des Marienwerks statt.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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Blau-weiße Fähnchen weisen auf den festtag hin, im Hintergrund die Basiilika.
Blau-weiße Fähnchen weisen auf den festtag hin, im Hintergrund die Basiilika.
Die Altöttinger Hofmusik gestaltete die Marienandacht in der Stiftspfarrkirche am Nachmittag.
Die Altöttinger Hofmusik gestaltete die Marienandacht in der Stiftspfarrkirche am Nachmittag.
Marienwerks-Geschäftsführer Reinhard Ernst zeigte Besuchern den neuen Chor-Saal im sanierten Marienwerksgebäude.
Marienwerks-Geschäftsführer Reinhard Ernst (M.) zeigte Besuchern den neuen Chor-Saal im sanierten Marienwerksgebäude.
Viele Familien kamen zum traditionellen "Tag des Marienwerks nach Altötting.
Viele Familien kamen zum traditionellen "Tag des Marienwerks nach Altötting.
Am Nachmittag erteilte Prälat Alois Furtner in der Stiftspfarrkirche den Segen mit der Kopie des Altöttinger Gnadenbildes.
Am Nachmittag erteilte Prälat Alois Furtner in der Stiftspfarrkirche den Segen mit der Kopie des Altöttinger Gnadenbildes.
Gottesdienst in der St. Anna-Basilika.
Gottesdienst in der St. Anna-Basilika.