Altöttinger Liebfrauenbote

Mosaike aus der Wallfahrt

Der August ist kein traditioneller Pilgermonat, eher ruhig ist es zu dieser Zeit auf dem Kapellplatz in Altötting. Die wenigen Wallfahrten aber sind besondere ihrer Art – z.B. die der Bergleute und eine Reiterwallfahrt aus Peiting...

"Marias Herz schlägt hier" – Bayerische Bergmannswallfahrt

Im Vier-Jahres-Turnus pilgern die Bergmannsknappen aus ganz Bayern, aus allen Himmelsrichtungen zur Muttergottes nach Altötting. Zurück geht die Pilgertradition auf das Jahr 1910, als die Bergmänner aus Peißenberg den Beschluss fassten, mit dem Zug zum Gnadenort zu fahren, so Rudolf Tuscher, Organisationsleiter und im Vorstand des Landesverbands/Knappenverein e.V. 2002 wurde der Wallfahrtsgedanke wieder aufgegriffen und in die Tat umgesetzt, so auch am Sonntag, 31. August.

Treffpunkt war heuer am letzten Augustsonntag gegen 9.30 Uhr der Altöttinger Busparkplatz Gries. Die Knappenmusikkapellen aus Bodenmais, Kropfmühl, Schnaittenbach-H. sowie Wackersdorf spielten die 350 Wallfahrtsteilnehmer in Knappenuniform – darunter auch der Präsident des Landesverbands Arno Jäger und die Fahnenabordnungen, schneidig voran die beiden Taferlbuben Johannes (12) und Max (10) – während des festlichen Kirchenzugs zum Kapellplatz und dann den Kapuzinerberg hinunter zur Wallfahrtsbasilika. Hier hatten sich bereits die Familienangehörigen und Freunde der Bergmänner versammelt um am gemeinsamen Gottesdienst teilzunehmen.

Der "bayerische" Bergmannspfarrer Gotthard Weiß, Hofkirchen, dankte dem stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker für die herzlichen Grußworte und empfahl die Bergleute dem besonderen Schutz der Gnadenmutter von Altötting. "Sie ist es, die uns den Erlöser geschenkt hat! Maria zu Ehre sind wir hier, bei unserer Fürsprecherin, um den Beistand unseres Herrgotts zu erbitten."

Anerkennung galt insbesondere auch den Bergleuten für ihren unermüdlichen Einsatz "unter Tage". Pfr. Weiß bedauerte, dass wegen billiger Importware, Erschöpfung der Vorräte aber auch mangelnder Nachfrage (Silber, Braun- und Pechkohle) viele Bergwerke in Bayern schließen mussten. Glück auf wünschte er allen Bergleuten, die heute durch ihre Wallfahrtsteilnahme zeigten, dass sie an ihrer alten Tradition festhielten und natürlich den im Bergbau immer noch Tätigen, wie etwa beim Graphitabbau in Kropfmühl bei Hauzenberg, dem einzigen Graphitbergwerk Deutschlands.

In feierlicher Prozession zogen dann die Bergmannsknappen nach dem Gottesdienst zum Kapellplatz. Bevor die vier Musikkapellen zum Wallfahrtsabschluss den "Glückaufmarsch" und die Bayernhymne erklingen ließen, dankte Pfr. Weiß allen Beteiligten fürs Kommen, verbunden mit der Bitte an die Gnadenmutter: "Muttergottes schau herab auf uns! Schütze die Bergmänner und -frauen! Erhalte die Welt!" Maria throne zwar als Patrona Bavariae auf der Münchner Mariensäule, "aber ihr Herz schlägt hier in Altötting", bekräftigte der Bergmannspfarrer. Die Gottesmutter hatte im Himmel droben wohl auch wettermäßig wirklich Fürsprache für die Bergmänner eingelegt: Denn eigentlich wurde für den letzten August-Sonntag schauerartiges Regenwetter prognostiziert. Es spannte sich zwar kein Himmel in den Farben weiß und blau über den Gnadenort (wie in der Bayernhymne erbeten) – jedoch setzte erst Regen ein, als alle Bergleute bereits ein schützendes Dach in einer ihnen zugeteilten Gaststätte gefunden hatten um auch das "leibliche Wohl" nicht zu kurz kommen zu lassen.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Wetterglück und Tiersegnung – 10. Reiterwallfahrt Peiting-Poing bei München

Ideales Wetter für Roß und Reiter war dem 10. Pilgerritt von Freitag, 22. bis Sonntag, 24. August ab Poing bei München heuer beschieden. Aus ganz Bayern und darüber hinaus waren die Wallfahrtsteilnehmer zum Pilgerritt angereist. Dank der guten Organisation von Georg Kirchbichler aus Peiting wurde der heurige 90 km lange Pilgerritt für die 17 Teilnehmer, darunter auch zwei "Neuzugänge" (Elli und Julia auf ihren Warmblütern "Captain" und "Harnas") zu einem unvergessenen Erlebnis.

So kündeten am Sonntagmittag gegen 12.45 Uhr die Kirchenglocken von der Ankunft der Reiter auf ihren edlen Tieren wie Araber, Achal-Tekkiner, Süddeutsche Kaltblüter, Warmblüter, Criollo, Friesen und Trabern, angeführt von Georg Kirchbichler auf Araberhengst "Azar" und mit dem erhobenen Pilgerkreuz in Händen Georg Bosch aus Ulm auf seinem Achal-Tekkiner "Dzuzi". Letzterer verlas auch dieses Jahr jeden Morgen vor Abritt "Gedanken zum Tag". Irmgard Bosch, die eigentlich immer an der Pilgerspitze neben ihrem Mann ritt, wurde heuer zum ersten Mal ohne Pferd am Kapellplatz gesichtet: Sie musste, wie sie traurig erzählte, heuer im Frühjahr einen herben Verlust hinnehmen: ihr treuer, tierischer Begleiter, der 13-jährige Achal-Tekkiner "Aitmatow" musste wegen einer schweren Erkrankung eingeschläfert werden.

Kapuzinerbruder Ernst-Konrad Mackenbrock verwies bei der kurzen Statio auf dem Kapellplatz auf den hl. Bruder Konrad, der auf seinem Rottaler Hof auch mit Pferden zu tun gehabt hätte. Nach Anrufung der Heiligen und Tierpatrone um Schutz vor Seuchen und Krankheit, nach dem Segen für Ross und Reiter ging's hinunter zum Bauernhof von Konrad Anzenberger und dessen angrenzender Wiese am Gries zur verdienten Rast und Mittagspause.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner