Altöttinger Liebfrauenbote
Blick auf Maria Schmolln.
Blick auf Maria Schmolln.

Neuer Marienwanderweg führt von St. Marienkirchen nach Altötting

Verbunden in Maria

Verbunden in Maria: Am 4. Oktober ist ein neuer Marien-Wanderweg von St. Marienkirchen am Hausruck über Maria Schmolln nach Altötting eröffnet worden. Der rund 130 Kilometer lange Weg verbindet neun Wallfahrts- bzw. Marienkirchen. Beeindruckend ist vor allem auch die landschaftliche Schönheit des Inn- und Hausruckviertels und Oberbayerns.

Herrlicher Ausblick: Friedenskreuz und Kirche in Kirchberg.
Herrlicher Ausblick: Friedenskreuz und Kirche in Kirchberg.

Das sollen andere auch einmal erleben können!" – als die 62jährige Maria Wimmer aus Eggelsberg in Oberösterreich an "einem frühlingshaften Februartag" im Winter vergangenen Jahres auf einer Wanderung zur Wallfahrtskirche "Unserer Lieben Frau vom Guten Rat" in Gstaig bei Feldkirchen die "fantastische Fernsicht" genoss, kam ihr die Idee zu einem Projekt, die sie fortan nicht mehr losließ: Viele Jahrhunderte alt ist die Wallfahrtstradition in dieser Region, tief verankert der Marienglaube, bekundet in Marienkirchen und -kapellen, und atemberaubend schön ist darüber hinaus die Landschaft auf dem Weg. Die ehemalige Natur- und Landschaftsführerin weiß wovon sie spricht, war sie hier doch oft unterwegs. Gerade Wanderungen durch den Wald böten eine "super Atmosphäre zum Entspannen", erzählt Maria Wimmer zum Beispiel. Die Strecke von St. Marienkirchen bis Mattighofen führt fast ausschließlich durch Waldgebiet, mit Hilfe des ortsansässigen Alpenvereins hat sie den bereits bestehenden Weitwanderweg erkundet und für "ihr" Projekt erschlossen. Auch auf weitere bestehende Wanderwege konnte sie zurückgreifen und mit Unterstützung von fünf Tourismusverbänden –  "Seelentium – Wohlfühlregion Oberes Innviertel", Burghauser Touristik GmbH, "S'Innviertel"-Geinberg, Mattighofen und Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting (WuVB) – einen neuen Marien-Wanderweg ins Leben rufen. Auch Ulrike Kirnich, Leiterin des WuVB, ist begeistert: "Wir freuen uns sehr, dass durch den neuen Marien-Wanderweg das Pilgerwegenetz für Individualpilger rund um unsere Wallfahrtsstadt nochmals erweitert wird, und der Weg die alten Wallfahrtstraditionen zwischen dem Innviertel und Altötting weiter belebt."

Lange Wallfahrtstradition

Maria Wimmer und Ulrike Kirnich bei der Vorstellung des neuen Marien-Wanderwegs im Altöttinger Rathaus.
Maria Wimmer (r.) und Ulrike Kirnich bei der Vorstellung des neuen Marien-Wanderwegs im Altöttinger Rathaus.

Nicht nur die schöne Landschaft, auch die religiöse Motivation spielt für die Projektinitiatorin Maria Wimmer eine große Rolle. Sie ist selbst sehr häufig gepilgert, wie sie erzählt. Je mehr sie sich mit dem Weg beschäftigt habe, desto mehr sei ihr auch die Bedeutung der Wallfahrt in der Region bewusst geworden. Die Wallfahrt nach St. Marienkirchen etwa sei "Tausend Jahre alt", und auch die jahrhundertealte Wallfahrt von St. Marienkirchen nach Altötting existiere noch – alle drei Jahre finde diese statt –, berichtet Maria Wimmer. Nicht allein der Weg sei das Ziel, betont auch Ulrike Kirnich. Altötting kümmere sich darum, Pilger am Ziel entsprechend willkommen zu heißen. Am Eröffnungstag des neuen Weges fand unter dem Motto "Entschleunigtes Wandern für Augen und Seele" eine Sternwanderung statt. In Altötting hatten Pilger die Gelegenheit nachmittags an einer Andacht in der Gnadenkapelle teilzunehmen. Abends fand eine hl. Messe in der Basilika mit anschließender Lichterprozession statt. Altötting bot am Eröffnungstag eine "begleitete Pilgerwanderung" mit spirituellen Impulsen von Burghausen nach Altötting an.

"Dom des Innviertels" und "Rokokoperle des Salzachtales"

Übersicht, Marien-Wanderweg.
Übersicht, Marien-Wanderweg.

Dabei waren die Pilger u.a. vom spätgotischen Flügelaltar in der Filialkirche St. Nikolaus in Hohenwart sehr angetan, wie Pilgerbegleiterin Claudia Heuwieser berichtete. Insgesamt befinden sich viele "Schmuckstücke" und Zeugnisse einer jahrhundertalten Wallfahrtstradition auf dem Weg. Dieser beginnt bei der um das Jahr 1450 errichteten, denkmalgeschützten Wallfahrtskirche in St. Marienkirchen und führt bis zur Gnadenkapelle in Altötting. Eine Alternativroute auf österreichischer Seite führt zur gotischen Marien-Wallfahrtskirche nach Waldzell, deren Hochaltar von der berühmten Bildhauerfamilie Schwanthaler stammt. Etwa auf halbem Weg befindet sich Maria Schmolln, der bedeutendste Wallfahrtsort des Innviertels, wo Pilger nicht nur die 1863 eingeweihte Wallfahrtskirche, sondern auch ein Franziskanerkloster mit schönem Klostergarten besichtigen können. Die Propsteikirche in Mattighofen, dem nächsten Ziel der Wanderung, ist eine der ältesten Marienkirchen Österreichs, und die Pfarrkirche Auerbach besticht durch einen schönen Marienaltar. Weiter geht es zu der um das Jahr 1150 geweihten Wallfahrtskirche "Unsere Liebe Frau vom Guten Rat" in Gstaig - ein "Herzstück auf dem Weg", wie Projektinitiatorin Maria Wimmer betont - und zu der als "Dom des Innviertels" bezeichneten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Eggelsberg. Die um das Jahr 1420 errichtete Kirche beherbergt mit dem lebensgroßen Kruzifix und einer "Madonna mit Kind" zwei der schönsten Schnitzwerke der Familie Zürn aus Braunau. Vorbei an der Wallfahrtskirche Maria Ach mit Deckenfresken von Johann Nepomuk della Croce geht es hinüber ins bayerische Raitenhaslach – die dortige Klosterkirche gilt als "Juwel des bayerischen Barock". Nicht weit davon entfernt liegt die Wallfahrtskirche Marienberg, auch "Rokokoperle des Salzachtales" genannt. Es sind dies die Höhepunkte auf dem Weg, auf dem sich darüber hinaus aber auch weitere Marienkapellen sowie eine Mariengrotte in Kirchberg befinden.

Glaube und Natur

Mariengrotte in Kirchberg.
Mariengrotte in Kirchberg.

Wie eng Glaube und Naturerfahrung zusammenhängen, lässt sich unweit der Mariengrotte im Hildegard-Naturhaus samt Schaukräutergarten erfahren. Hier wurden auch Beete mit Marienpflanzen angelegt und diese spielen eine besondere Rolle auf dem Weg: Kleine Tafeln entlang des Marien-Wanderweges informieren über sogenannte "Marienkräuter" wie Madonnenlilie, Akelei oder das Gänseblümchen. Diese Blumen wachsen teilweise am Marien-Wanderweg und sie sollen Wanderer dazu animieren, die Landschaft bewusster wahrzunehmen. Im besten Fall so bewusst wie Projektinitiatorin Maria Wimmer, die beim Wandern durch die Natur eine besondere Idee hatte.

Text: Michael Glaß, Fotos: Fotos: Arbeitsgemeinschaft Marien-Wanderweg 6,  Mühlleitner 2, Heine 1, Burghauser Touristik GmbH 1, Glaß 1

Nähere Informationen zum neuen Marien-Wanderweg finden Sie im Internet unter www.seelentium.at und www.altoetting.de. Unter www.seelentium.at finden Sie auch eine GPS-basierte Tour-Info des rund 130 km langen und in sieben Tagesetappen eingeteilten Weges. Die Broschüre mit Informationen zum Weg sowie Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten erhalten Sie u.a. beim Wallfahrts- und Verkehrsbüro Altötting, Kapellplatz 2a, Tel. 08671/5062-19,  E- Mail: touristinfo@altoetting.de.

Impressionen

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Ausgangspunkt der Wallfahrt: Der Altar in St. Marienkirchen...
Ausgangspunkt der Wallfahrt: Der Altar in St. Marienkirchen...
... und die Kirche in St. Marienkirchen von außen.
... und die Kirche in St. Marienkirchen von außen.
Entspannende ist die Wanderung durch den Wald.
Entspannende ist die Wanderung durch den Wald.
Innenansicht der Wallfahrtskirche in Gstaig.
Innenansicht der Wallfahrtskirche in Gstaig.
Blick auf die Wallfahrtskirche Marienberg.
Blick auf die Wallfahrtskirche Marienberg.
Lichterprozession in Altötting.
Lichterprozession in Altötting. Foto: Heine