Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Triduum: Predigt von Kapuzinerpater Norbert Schlenker am 9. Oktober

Riten und Symbole der Weihe von Ambo und Altar

Bischof Stefan Oster feiert nach der Weihe des Altares die Eucharistie. Im Vordergrund (v.l.) sind Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Bischof em. Wilhelm Schraml, der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, P. Marinus Parzinger, und Kapuzinerpate
Bischof Stefan Oster feiert nach der Weihe des Altares die Eucharistie. Im Vordergrund (v.l.) sind Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Bischof em. Wilhelm Schraml, der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, P. Marinus Parzinger, und Kapuzinerpater Norbert Schlenker zu sehen.

"Nachdem wir über die Bedeutung von Ambo und Altar als Tisch des Wortes und Tisch des Mahles nachgedacht haben, wollen wir uns mit den Riten und Symbolen befassen, die uns bei der Segnung des Ambo und der Altarweihe begegnen werden. Wie alle gottesdienstlichen Feiern ist auch die Altarweihe reich an Zeichen und Symbolen, die teils aus sich sprechen bzw. im deutenden Text erklärt werden.

Grundsätzlich gilt für die Altarweihe: die Eucharistiefeier selbst, die das erste Mal auf dem neuen Altar gefeiert wird, ist das wichtigste Element der Altarweihe, denn der eigentliche Zweck, für den ein Altar errichtet ist, erfüllt sich in der Feier des eucharistischen Opfers und Mahles.

So heißt es in der pastoralen Einführung zur Altarweihe: 'Die Eucharistie heiligt nicht nur die Herzen der Gläubigen, sondern in gewisser Weise auch die Stätte, an der sie gefeiert wird, wie die Kirchenväter wiederholt versichern: 'Wunderbar ist dieser Altar, denn er ist zwar nur aus Stein, aber er wird geheiligt, wenn der Leib Christi auf ihm liegt'.'

Tauferinnerung

Bischof Oster segnet den Ambo.
Bischof Oster segnet den Ambo.

Schauen wir uns nun die Riten der Reihe nach an: Jeder Gottesdienst beginnt damit, dass die Gemeinde sich versammelt. Diesen Satz finden wir als ersten bei den Rubriken für jede Messfeier. Wir sind versammelt als Kirche, als Ekklesia, d.h. wörtlich: als 'die vom Herrn Gerufenen'. Und da werfen wir zunächst einen Blick an den Anfang unserer Berufung zurück, das ist die Taufe. Wie bei jedem Sonntagsgottesdienst eine Tauferinnerung das Schuldbekenntnis und den Bußakt ersetzen kann – dass dies öfters geschieht, ist sehr sinnvoll – so erinnert uns auch die Feier der Altarweihe zunächst an unsere Taufe.

Der Bischof wird das Wasser segnen und über uns aussprengen und mit diesem geweihten Wasser auch den neuen Altar segnen. Im Segensgebet über das Wasser heißt es: "Segne und heilige dieses Wasser, mit dem wir den Altar dieser Kirche und uns besprengen. Es ist ein Zeichen des heilenden Bades der Taufe, das uns in Christus gereinigt und zum Tempel des Heiligen Geistes gemacht hat."

Wir erinnern uns, wenn das geweihte Wasser über uns ausgesprengt wird, dass wir in der Taufe von der Erbschuld befreit wurden und wir seitdem Glieder des Volkes Gottes sind. Im Tauflied, das wir während der Aussprengung des Wassers gemeinsam singen, danken wir für das Geschenk der Taufe und erneuern gleichzeitig unser Taufversprechen und bekennen unseren Glauben.

Wort Gottes

Bischof Oster überreicht dem Lektor das Lektionar.
Bischof Oster überreicht dem Lektor das Lektionar.

Nach dem Gloria und Tagesgebet segnet der Bischof den neuen Ambo und überreicht dem Lektor das Lektionar, aus dem zum ersten Mal am neuen Ambo das Wort Gottes vorgetragen wird.

Diese Segnung geschieht auf sehr einfache Weise mit einem kurzen Gebet und mit dem geweihten Wasser. Es wird dabei erinnert, dass in den Schriften des Alten und Neuen Bundes uns Gottes Wort geschenkt ist, das wir nicht nur hören, sondern auch befolgen und tun sollen. Vom neu gesegneten Ambo wird dann auch der Diakon zum ersten Mal die Frohe Botschaft des Evangeliums verkünden und das Evangeliar wird dann seinen Platz finden, sichtbar für die Gemeinde, vor dem Ambo, flankiert von zwei Leuchtern, die darauf hinweisen, dass Christus, der uns im Evangelium angesprochen hat, das Licht der Welt ist.

Bruder Konrad-Reliquie

Bischof Oster mit der Br. Konrad-Reliquie.
Bischof Oster mit der Br. Konrad-Reliquie.

Nach der Predigt des Bischofs beginnt die Liturgie der Altarweihe mit der Heiligenlitanei. Zur Kirche gehören nicht nur wir, die wir zufällig an Anfang des dritten Jahrtausends leben, zur Kirche gehören auch die vielen, die vor uns gelebt haben, die die Schwelle des Todes überschritten haben und jetzt bei Gott leben. Die Heiligen sind unsere Fürsprecher am Throne Gottes. In dieser großen Gebetsgemeinschaft wissen wir uns bei jedem Gottesdienst und an dieser Stelle werden nun einige wichtige Heilige angerufen. Die Heiligenlitanei mündet in das Fürbittgebet ein.

Danach wird die Reliquie des hl. Kapuzinerbruders Konrad im neuen Altar beigesetzt. Darauf werde ich speziell morgen Abend in meiner dritten Predigt des Triduums eingehen.

Als nächstes umschreitet der Bischof den neuen Altar und besprengt ihn mit dem geweihten Wasser. Dabei zitiert er das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium: "Wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt. Aus seinem Inneren werden Ströme lebendigen Wassers fließen." Von diesem Geist sollen alle erfüllt werden, die von diesem Altar mit Christi Leib und Blut gestärkt werden.

Heiliges Chrisam

Bischof Oster salbt den Altar mit Chrisam ein.
Bischof Oster salbt den Altar mit Chrisam ein.

Danach salbt der Bischof den Altar mit dem heiligen Chrisam. Das Chrisam wird in der Mitte des Altares und an den vier Ecken, an denen die sogenannten 'Weihekreuze' in den Stein der Altarmensa eingraviert sind, ausgegossen und von dort aus wird der ganze Altartisch gesalbt. Damit wird der Altar zum Symbol für Christus, dessen Name übersetzt ja 'der Gesalbte' bedeutet. Ihn hat der Vater mit Heiligem Geist gesalbt und zum Hohenpriester eingesetzt, der sich auf dem Altar des Kreuzes für das Heil aller Menschen als Opfer dargebracht hat.

Fünf brennende Kreuze

Bischof Oster entzündet den Weihrauch am Altar.
Bischof Oster entzündet den Weihrauch am Altar.

Auf diese fünf Weihekreuze werden dann Wachsdochte gelegt, die mit Weihrauchkörnern überschüttet und mit dem Licht von der Osterkerze entzündet werden. Das ist wohl einer der eindrucksvollsten Riten der Altarweihe, wenn diese Feuer auf dem Altar brennen. Die fünf brennenden Kreuze symbolisieren die fünf Wundmale des Gekreuzigten. Auf diese Weise wird nochmals an die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi auf dem Altar erinnert. Der Bischof deutet dieses Geschehen mit der Gebetsbitte: "Gott, wie Weihrauch steige unser Gebet zu dir empor. Und wie dieses Haus mit wohlriechendem Duft sich füllt, so erfülle Christi Geist deine Kirche." Der aufsteigende Weihrauch ist weiterhin ein Zeihen dafür, dass die Gebete der Gläubigen Gott angenehm sind und zu seinem Thron emporsteigen. Davon, dass die Gebete wie Weihrauch zu Gott emporsteigen sollen, sprach ja auch unsere Lesung vorhin aus der Vision des Johannes in der Geheimen Offenbarung.

Die Gemeinde singt dazu das Hl.-Geist-Lied: "Komm Heil'ger Geist, der Leben schafft..." Die Kraft des Heiligen Geistes wirkt auf diesem Altar. Immer, wenn wir die Eucharistie feiern, bittet der Priester zu Beginn der Wandlungsworte den himmlischen Vater: "Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus." Immer, wenn wir Sakramente feiern, geschieht dies in der Kraft des Heiligen Geistes, den Jesus uns verheißen und gesendet hat und der uns an alles erinnert, was Jesus gesagt und getan hat.

Thron für Christus

Die Kapuzinerbrüder Vinzenz Müller (l.) und Ernst-Konrad Mackenbrook bedecken den Altar mit einem Wachstuch.
Die Kapuzinerbrüder Vinzenz Müller (l.) und Ernst-Konrad Mackenbrock bedecken den Altar mit einem Wachstuch.

Im feierlichen vom Bischof gesungenen Weihegebet wird dann der Bogen von den Altären des Alten Bundes zum Altar des Kreuzes im Neuen Bund gezogen, der zum Tisch wird, an dem die Gemeinschaft des Glaubens erfahrbar wird. Darin wird u.a. der Wunsch formuliert: "Für immer sei dieser Altar die Stätte des Opfers Christi und für immer der Tisch des Herrn, an dem dein Volk gestärkt wird im heiligen Mahl... Dieser Altar sei die festliche Tafel, um die sich die Tischgenossen Christi freudig versammeln. Mögen sie hier ihre Sorgen auf dich werfen und neue Kraft schöpfen für den Weg, auf dem du sie führen willst."

Nach diesem Weihegebet, wenn der Weihrauch abgebrannt ist, wird der Altar gereinigt und mit den weißen Altartüchern bedeckt. Der Diakon entzündet mit dem Licht von der Osterkerze die Altarkerzen, die in unserer Basilika künftig neben dem Altar stehen und auch als Prozessionsleuchter z.B. für die Evangelienprozession verwendet werden. Der Altar in sich ist Thron für Christus, der in den Gaben von Brot und Wein, die in seinen Leib und in sein Blut gewandelt werden, hier gleichsam Platz nimmt. Er selber schmückt durch seine Gegenwart den Altar und so ist es nach dem Liturgieverständnis des II. Vatikanischen Konzils auch unangebracht, wenn der Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird, wie das in manchen Kirchen anzutreffen ist, mit Kerzen, Blumen, Büchern und manchmal noch mit anderen Dingen überladen ist. Auch soll der Altar kein Abstellplatz für Messkännchen, Lavabogeschirr und ähnliches sein, dafür gibt es den Gabentisch.

Gabenbereitung

Bischof Oster bei der Gabenbereitung.
Bischof Oster bei der Gabenbereitung.

Es wird dann noch die Weiheurkunde verlesen. Danach beginnt die Gabenbereitung mit der Gabenprozession.

Bei der Gabenbereitung werden die Gaben, der Altar, Bischof und Priester und alle Mitfeiernden mit dem Weihrauch beräuchert. Überall da ist Christus anwesend. In den Gaben Brot und Wein, die in Christi Leib und Blut gewandelt werden, im bischöflichen und priester-lichen Amt und in den Gläubigen des Gottesvolkes wird Christus geehrt, denn das Volk Gottes ist der lebendige Tempel Gottes, ein Haus aus lebendigen Steinen und jeder Gläubige ist eine lebendige Opfergabe in Christus.

Der Bischof feiert in Konzelebration mit den anwesenden Priestern jetzt die erste Eucharistiefeier auf dem neuen Altar und das ist, wie eingangs schon gesagt, das wichtigste und auch älteste Element der gesamten Feier der Altarweihe.

Sie sehen, das ist eine sehr an Symbolen und Zeichen reiche Liturgie und wir dürfen gespannt darauf sein, das, was ich Ihnen hier nun vorgetragen und Sie damit auf diesen Festgottesdienst vorbereitet habe, ja, wir dürfen gespannt darauf, sein, das am Sonntag zu erleben und zu feiern."

Fotos: Roswitha Dorfner

Weitere Impressionen

(Zum Vergrößern auf ein Bild klicken)

Bischof Oster verteilt Weihrauchkörner an fünf Stellen auf dem Altar.
Die fünf Feuer am Altar brennen...