Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Trduum: Predigt von Kapuzinerpater Norbert Schlenker am 10. Oktober

Bruder-Konrad-Reliquie für den neuen Altar der Basilika

P. Norbert gibt bei der Lichterprozession den Segen mit der Br. Konrad Reliquie.
P. Norbert gibt bei der Lichterprozession den Segen mit der Br. Konrad Reliquie.

"Am Sonntag (12. Oktober) wird zu Beginn der Altarweihe eine Bruder Konrad Reliquie im neuen Altar beigesetzt. Die Beisetzung von Reliquien in den Altären kommt von dem frühchristlichen Brauch, dass die Eucharistie bevorzugt an den Gräbern der Märtyrer gefeiert wurde, so z.B. in den Zeiten der Christenverfolgung auch in den Katakomben. Später errichtete man über den Gräbern der Märtyrer Altäre und Gedächtniskirchen und daraus entwickelten sich der Brauch und später die Vorschrift, dass in die Tischplatte jedes Altares eine Reliquie eines Heiligen oder Seligen einzumauern ist.

Für uns Kapuziner lag es nun ganz nahe, für den neuen Altar unserer Basilika eine Reliquie unseres heiligen Mitbruders und Stadtheiligen Konrad von Parzham zu verwenden, hat er doch über 40 Jahre im damaligen St. Anna Kloster gelebt und gewirkt und das Jahr 2014, in dem unsere Basilika einen neuen Altar anlässlich des Abschlusses der Generalsanierung bekam, ist ja auch ein Bruder-Konrad-Jubiläumsjahr.

Und Bruder Konrad steht ja auch mit dem Bau der Basilika in sehr enger Verbindung. Der für die Erbauung der Basilika damals verantwortliche Kapuziner und Guardian P. Joseph Anton Keßler berichtete öfters über diesen Zusammenhang, u.a. im Sportpalast in Berlin, als er im November 1934 dort eingeladen war zu einer Festveranstaltung zu Ehren des neuen deutschen Heiligen. Die Tageszeitung der deutschen Reichshauptstadt hat dies folgendermaßen dokumentiert: 'Die Vorsehung Gottes benutzte zur Erreichung ihres Zieles einen scheinbar geringfügigen Anlass. In Altötting sollte eine große Wallfahrtskirche gebaut werden. Nachdem verschiedene Versuche gescheitert waren, erhielt P. Joseph Anton Keßler im Jahre 1908 den Auftrag, die Kirche zu bauen. Da erhoben sich aber solche Schwierigkeiten, dass auch dieses Projekt unausführbar erschien. Eines Tages begegnete ihm eine einfache, schlichte Person und sagte dem Pater in treuherziger bayrischer Art: 'Du hast einen drunten in der Gruft, der hilft dir schon, das ist der Bruder Konrad, zu dem musst du gehen.' Von dieser Stunde an stieg er jeden Tag hinab in die Gruft und betete an seinem Grabe. Von da an wurden alle Schwierigkeiten leicht überwunden. Der Kirchenbau verschlang viel Geld. Am 17. Todestag, d. h. am 21. April 1911, sagte er beim Besuch in der Gruft: 'Bruder Konrad, ich brauche Geld. Schick mir heute 1000 Mark, wenn du ein Heiliger bist!' Und siehe, am Mittag brachte ihm ein Mann die gewünschte Summe. Er schloss nun mit dem Verstorbenen einen Vertrag: 'Wenn du mir hilfst, die Kirche bauen, werde ich deinen Seligsprechungsprozess führen.' – Und Bruder Konrad half.'

Mit Golddrähten und Perlen verziert

Die Reliquie auf dem Altar der St. Konradkirche.
Die Reliquie auf dem Altar der St. Konradkirche.

Die neue Kirche St. Anna wurde am 13. Oktober 1912 eingeweiht. Der Guardian musste sein Versprechen halten. Bereits am Tag danach löste P. Joseph Anton sein Wort ein und setzte mit der Erhebung der Gebeine des Br. Konrad aus der Klostergruft den Auftakt für den Seligsprechungsprozess. 1930 erfolgten dann nach zwei Wunderheilungen die Seligsprechung und vier Jahre später die Heiligsprechung, beide durch Papst Pius XI.

Die Reliquien des hl. Bruders Konrad waren in den letzten Jahrzehnten an verschiedenen Stellen in der Klosterkirche St. Anna, die 1953 zur Br. Konradkirche umbenannt wurde, beigesetzt, in neuester Zeit hier unter dem Altar in der Silberfigur. Hier ist auch sein Haupt zu sehen, das jedes Jahr am Bruder-Konrad-Fest in einer Prozession durch unsere Stadt getragen wird.

Aus diesen Reliquien haben wir nun im Juli dieses Jahres im Rahmen einer schlichten dafür vorgesehenen Zeremonie einen Mittelfußknochen entnommen als Reliquie für den neuen Altar in der Basilika. Dies entspricht den liturgischen Vorgaben für die Altarweihe, in denen Wert darauf gelegt wird, dass die Reliquie so groß sein soll, dass man sie als Teil eines menschlichen Körpers erkennen kann. Kleine Knochensplitter, wie früher oft verwendet, sind dafür nicht mehr vorgesehen. Besonderen Wert wird auf die Echtheit der Reliquien gelegt, die in unserem Fall natürlich vollständig garantiert ist. Dieser Mittelfußknochen wurde von Sr. Theresia vom hiesigen Kloster der Congregatio Jesu in weiße Seide eingenäht und Herr Reinhard Zehentner, ein Fachmann für Reliquien, der mit den Reliquien des hl. Bruders Konrad in unserem St. Konradkloster bestens vertraut ist und für neue Altäre in unserem Land schon zahlreiche Reliquien vorbereitet und die verschiedensten Reliquiare mitgestaltet hat, hat nun auch diese unsere Bruder Konradreliquie Reliquie kunstvoll gefasst. Als Unterlage verwendete er dafür braunen Wollstoff aus der ehemaligen Weberei der Kapuziner, aus dem früher die Habite der Kapuziner geschneidert wurden. Diese gefasste Reliquie ist in einer Kreuzform gestaltet, hinweisend auf das Wort des hl. Bruders Konrad: 'Das Kreuz ist mein Buch.' Verziert ist diese Reliquie in einer barocken Technik mit Golddrähten und Perlen.

Wie ein Weizenkorn

Kapuzinerpater Norbert Schlenker inzensiert Reliquie und Altar.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker inzensiert Reliquie und Altar.

Am vergangenen Dienstag (1. Oktober) waren wir in Passau bei unserem Bischof Stefan. Dort wurde diese Reliquie zusammen mit einer Urkunde in den ovalen Reliquienbehälter, den wir hier jetzt auf dem Altar sehen, eingelegt. Der mit roten Fäden verschlossene Behälter wurde dann vom Bischof mit seinem roten Wachssiegel versehen.

Dieser ovale Reliquienbehälter soll an ein Weizenkorn erinnern. So deutet es der Künstler Friedrich Koller aus Laufen an der Salzach, der den neuen Altar und den neuen Ambo aus hellem Muschelkalk aus den Steinbrüchen von Savonnières im französischen Lothringen geschaffen hat.

Die Öffnung für diesen Reliquienbehälter am Altar befindet sich zwischen Altarfuß und der Altarplatte und wird mit einer Metallplatte verschlossen werden, auf der ein Ährenfeld zu sehen ist. So liegt die Grabkammer – auch das deutet der Künstler und Bildhauer Friedrich Koller so – wie eine Weinpresse zwischen Altarfuß und Altartisch. Der Grabdeckel verweist auf neues Leben in der Gestalt des Weizenfeldes. Korn und Ähre verweisen auf Brot. Brot hat Bruder Konrad in reichem Maß an der Klosterpforte verteilt, auf dem Altar feiern wir in Zeichen des Brotes die heilige Eucharistie. So wird hier wiederum ein Bogen gezogen vom Brot, das Bruder Konrad verteilt hat hin zum Brot der Eucharistie, das vom Altar aus verteilt wird, und die Eucharistie hat Bruder Konrad ja so innig verehrt.

Der Blick zum Kreuz und zum Tabernakel hat ihm immer wieder Kraft gegeben für seinen nicht einfachen Dienst an der Klosterpforte und die Anliegen und den Dank, den die Wallfahrer ihm an der Klosterpforte anvertrauten, hat er umgekehrt immer wieder vor das Kreuz und den Tabernakel gebracht.

Im Zeichen des Tau-Kreuzes

Altar und Ambo in der Basilika sind im Zeichen des Tau-Kreuzes gestaltet.
Altar und Ambo in der Basilika sind im Zeichen des Tau-Kreuzes gestaltet.

Nun möchte ich in einem zweiten Teil der Predigt noch auf eine weitere Symbolik eingehen, die wir beim neuen Altar und neuen Ambo in der Basilika finden: Bruder Konrad war Kapuziner, d.h. er lebte die Spiritualität des heiligen Franziskus von Assisi. Ein Zeichen, das der heilige Franz von Assisi besonders geliebt hat und vielen Menschen auch unserer Zeit als Erkennungszeichen dient für ein Leben aus dem Geist des Heiligen von Assisi, ist das Tau-Kreuz.

Sowohl Altar wie Ambo in unserer Basilika sind im Zeichen des Tau-Kreuzes gestaltet. Welche Bedeutung steckt dahinter? Im hebräischen Alphabet ist das Taw (griechisch: Tau) der letzte Buchstabe und hat somit den Charakter des Endgültigen und kann so auch als Segenszeichen verstanden werden. Das Tau ist auch der Anfangsbuchstabe des griechischen Wortes "tapeinos", was so viel wie "demütig, niedrig" bedeutet und ist von daher für Franziskus auch Ausdruck einer ganz bestimmten Haltung und Lebensweise. Er, der sich selber als "Minderbruder" bezeichnet, der in demütiger Hingabe an seinen Schöpfer und dessen Schöpfung lebt, der das Leben des Niedrigsten, Geringsten und Einfachsten führt – er liebt und verwendet das Zeichen T, oft eben auch als Segenszeichen.

Wir haben einen Brief mit einem Segenswunsch, den Franziskus an Bruder Leo geschrieben hat, und den er mit dem Tau-Zeichen gleichsam unterschrieben hat. Er bezeugte durch dieses Zeichen, dass er sich von Gott getragen wusste, von Jesus Christus geliebt und erlöst, und dass er durch ein Leben in Hingabe, in Einfachheit, in Vertrauen und Liebe die Nachfolge Jesu zu leben versuchte.

Der Biograph des Franziskus, Thomas von Celano, berichtet außerdem, dass das Ordenskleid des heiligen Franz in der Gestalt eines Tau-Kreuzes geschnitten war. Nicht zu Unrecht also ist das T heute ein Symbol für franziskanisches Leben.

Zeichen der Erwählung

Die Kapuzinerbrüder Berthold Öhler, Ernst-Konrad Mackenbrock und Christian Landes mit der Br. Konrad-Reliquie.
Die Kapuzinerbrüder Berthold Öhler, Ernst-Konrad Mackenbrock und Christian Landes mit der Br. Konrad-Reliquie.

Vielleicht hat Franziskus auch gehört, was Papst Innozenz III. in seiner Eröffnungspredigt auf dem vierten Laterankonzil in Rom gesagt hat. Er ging damals in einer Predigt auf das Tau-Zeichen ein. Im Buch Ezechiel wird das T all denen auf die Stirn gezeichnet, die gerettet werden sollen. Die Stadt war von Gott abgefallen und sollte vernichtet werden. Es ist von einem drohenden Strafgericht die Rede. Aber Gott hat Erbarmen und gibt den Auftrag: 'Von denen, die das T auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren!' (Ez 9,6) Wer mit einem T auf der Stirne bezeichnet ist, soll verschont bleiben. Und Israel macht tatsächlich die Erfahrung: Wer das Zeichen T auf der Stirn trägt, der wird gerettet, der bleibt von der Vernichtung verschont und darf leben. Der Papst rief damals dazu auf, die Kirche im Zeichen des T zu erneuern.

Für Franziskus war das eine offizielle Bekräftigung seiner Be­rufung. Seitdem war das T sein Siegel. Er bezeichnete damit Häuser, Bäume, Tiere, Menschen. Er schrieb es unter seine Brie­fe. So wurde das T zum Symbol für die Franziskanische Familie: ein Vermächtnis des heiligen Franziskus, ein Zeichen der Erwählung, ein Siegel der Buße und des in Christus erneu­erten Lebens, ein Aufruf zur Erneuerung der Kirche.

In diesem Sinn soll auch von Altar und Ambo der Basilika, die ja auch von franziskanischem Geist geprägt ist, nicht zuletzt durch den Bezug zum heiligen Kapuzinerbruder Konrad und seine Reliquie im Altar, reicher Segen ausgehen für all die Menschen, die vom Ambo aus Gottes Wort hören und sich um den Altar zur Feier der Eucharistie versammeln."

Fotos: Roswitha Dorfner