Altöttinger Liebfrauenbote

Bruder Konrad-Triduum: Predigt von Kapuzinerpater Norbert Schlenker am 8. Oktober

Ambo und Altar – Tisch des Wortes und Tisch des Mahles

Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei der Predigt.
Kapuzinerpater Norbert Schlenker bei der Predigt.

"Wir stehen wenige Tage vor der Altarweihe unserer Basilika. Der Sonntag (12. Oktober) wird ein Höhepunkt in der Geschichte der Generalsanierung der Basilika sein und ein ganz wichtiges Ereignis für die Basilika selbst, ebenso für uns Kapuziner, die wir für die Basilika verantwortlich sind und für alle, die sich diesem imposanten Gotteshaus, dem größten Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in unserem Lande, verbunden fühlen.

So ist es gut, dass wir uns auf diesen Festtag auch innerlich vorbereiten und uns etwas vertraut machen mit dem, was am Sonntag geschehen wird. So möchte ich mit ihnen heute Abend über die Bedeutung von Ambo und Altar, die wir auch als Tisch des Wortes und Tisch des Mahles bezeichnen, nachdenken.

Mit dem II. Vatikanischen Konzil wurde die Bedeutung des Wortes Gottes und auch des Wortgottesdienstes in der Eucharistiefeier aufgewertet. Gemäß der Liturgiekonstitution des Konzils soll den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher gedeckt werden. Tatsächlich hören wir seit dem Konzil, das sind jetzt schon gut 50 Jahre, viel mehr Texte aus der Heiligen Schrift als in der vorkonziliaren Liturgie, manchmal auch, gerade an Werktage, nicht ganz einfach verständliche Texte.

Während vor dem Konzil auch die biblischen Texte vom Priester am Altar gelesen wurden – es gab da die Epistel- und die Evangelienseite –, gibt es seit dem Konzil für die Verkündigung des Gotteswortes einen eigenen festen Platz im Altarraum, den Ambo.

Die Beschaffenheit des Ambos soll, um seine Bedeutung zu unterstreichen, immer aus dem gleichen Material wie der Altar sein und es soll nicht irgendein Lesepult sein, wie die bisher sehr provisorische und unbefriedigende Übergangslösung.

Das Wort 'Ambo' kommt aus der griechischen Sprache: 'anabainein' das bedeutet so viel wie: 'hinaufsteigen'. Es ist also eine Art Kanzel, aber nicht im Sinn unserer früheren Kanzeln, von der der Prediger auf die Köpfe der Gläubigen und auch oft über sie hinweg gepredigt hat. Das war wohl zwar immer kirchen-architektonisch der akustisch beste Ort in der Kirche. Aber der Ambo heute hat seinen Platz im Altarraum oder aus dem Altarraum ein Stück in die Gemeinde hinein gebaut, wie wir das nun auch in der Basilika antreffen werden. Es wird an ihm – wie bereits in vielen Kirchen – auch bei uns nun eine Vorrichtung geben, an der das Evangelienbuch, das Evangeliar, nach der Verkündigung des Evangeliums, das ja Höhepunkt des Wortgottesdienst ist, gleichsam wie auf einen Thron gestellt wird und den Gläubigen sichtbar bleibt und nicht irgendwo abgelegt wird.

Bevor der Lektor die erste Lesung vorträgt, wird am Sonntag im Weihegottesdienst unser Bischof den Ambo segnen und dem Lektor das Lektionar überreichen, aus dem dieser dann zum ersten Mal am neuen Ort Gottes Wort verkünden wird. Auf die Riten der Segnung des Ambos und der Weihe des Altares werde ich noch näher eingehen.

"Unser Gott meint es gut mit uns"

Basilika-Mesner Kapuzinerbruder Vinzenz Müller bei der Lesung.
Basilika-Mesner Kapuzinerbruder Vinzenz Müller bei der Lesung.

Kommen wir nun zum Altar, dem Tisch des Mahles: In allen Religionen gibt es Altäre. Wir kennen das aus der Reli­gionsgeschichte der verschiedenen Völker und auch aus den Götter- ­und Heldensagen der Antike. Meist wollten die Menschen durch ihr Opfer auf dem Altar die Götter versöhnlich stimmen. Es gab da Brand- und Speiseopfer, Trank- und Dankopfer und Versöhnungs­opfer.

Auch bei den Juden, dem Volk des Alten Bundes, gibt es Altäre. Noach war der erste, von dem die hl. Schrift berichtet, dass er nach der Sintflut einen Altar erbaut habe. Wir haben diese Erzählung vorhin in der Lesung gehört. Dasselbe wird von Abraham berichtet, von Josua, von König Salomon und vielen anderen.

Es gab da auch genaue Vorschriften, wie und wann die Opfer dargebracht werden durften. Die Altäre waren aus Stein und wurden besonders da errichtet, wo Menschen die Nähe Gottes in ihrem Leben erfahren haben.

Im Neuen Bund ist das anders geworden. Wir kennen nur ein einziges Opfer, das Opfer Jesu Christi am Holz des Kreuzes. Wir brauchen Gott nicht immer von Neuem versöhnlich stimmen, denn sein Sohn selbst, Jesus Christus, hat durch sein Opfer am Kreuz uns ein für allemal Versöhnung erwirkt. Das Opfer Jesu Christi am Altar des Kreuzes hat uns Menschen die Erlösung geschenkt und die sichere Zusage gegeben: Unser Gott meint es gut mit uns, wir brauchen uns vor ihm nicht zu fürchten.

Und das, was da am Kreuz in blutiger Weise an jenem Karfreitag geschah, das hat Jesus am Abend zuvor bildhaft angedeutet und mit seinen Jüngern gefeiert: Das Brot, das gebrochen wird: sein Leib! – der Wein; sein Blut, das vergossen wird für die vielen, ja, für alle.

Das hat Jesus mit seinen Jüngern gefeiert im Zeichen des Mahles und er hat sie aufgefordert, dies immer wieder zu tun. Der Tisch im Abendmahlsaal wurde damit zum Altar des Neuen Bundes und weil Christus hier in unüberbietbarer Weise sich selbst dem Vater geopfert hat, brauchen wir nicht mehr wie die Juden und die anderen Völker Altäre erbauen, auf denen wir unsere Opfer darbringen. Dieses Opfer Jesu Christi war eine einmalige Sache und doch hat der Herr uns aufgetragen: Tut dies zu meinem Gedächtnis! Immer wieder sollen wir es tun.

Gottesdienst und Bruderdienst, Liturgie und Caritas

Kapuzinerpater Norbert Schlenker verliest am Tag der Altarweihe die Weiheurkunde
Kapuzinerpater Norbert Schlenker verliest am Tag der Altarweihe die Weiheurkunde.

Die frühen christlichen Gemeinden haben das verstanden und sie haben sich am Sonntag, am Herrentag, in ihren Häusern versammelt, um dieses Mahl, die Eucharistie zu feiern, um den Tisch in ihren Häusern. Sie trafen sich, wie sie so schön sagten, zum 'Brotbrechen'. Das Mahl der Eucharistie verstanden sie als Vergegen­wärtigung des einmaligen Opfers Jesu, als Begegnung mit dem auferstandenen Herrn und als immer wieder erneute Zusage der Nähe Gottes in dieser intensiven Form des Mahles. Und das Brotbrechen der Eucharistie und Brot und Leben miteinander teilen im Alltag, das gehört untrennbar zusammen und ist die Erfüllung des Hauptgebotes des Herrn, des Doppelgebotes der Gottes- und der Nächstenliebe. Gottesdienst und Bruderdienst, Liturgie und Caritas ergänzen einander in einem tiefen Sinn. Das ist ein wichtiger Auftrag des Evangeliums und der frühen Kirche auch für unsere heutige Zeit. Die Kraft, die Liebe zu leben, geht letztlich vom Altar aus.

Als dann die Gemeinden größer wurden, war es nicht mehr möglich, die Hausmessen zu feiern. Man baute Kirchen. Der Altar wurde immer weiter von der Gemeinde weggerückt bis dahin, dass der Priester mit dem Rücken zum Volk den Gottesdienst feierte. Die Gemeinde war weniger Mitfeiernde. Man 'hörte' die Messe. Man betete nebenher den Rosenkranz oder sogenannte 'Messandachten'. Man achtete mehr auf die Verehrung der hl. Eucharistie, als dass man am eucharistischen Mahl teilnahm. So ging der Charakter des gemeinsamen Mahles mehr und mehr verloren und während des Gottesdienstes stellte man sogar die Monstranz auf den Altar.

So sinnvoll und wertvoll die Verehrung der hl. Eucharistie ist – das alles führte zur Distanz, zur Distanz zwischen Priester und Gemeinde, zur Distanz der Gemeindemitglieder untereinander, weil man da eben so Bank für Bank hintereinander saß – da ist wenig Kommunikation möglich – und auf die verzichtete man. Nur an hohen Feiertagen fühlte man sich eingeladen an den Tisch des Herrn. Einen wichtigen Schritt hat hier Papst Pius X. zu Beginn des 20. Jahrhunderts getan, als er die häufigere Kommunion und auch die Frühkommunion der Kinder empfahl, der Papst, der ja auch unsere St. Annakirche zur päpstlichen Basilika erhoben hat und der auf dem Hochaltarbild verewigt ist.

Über 50 Jahre sind es nun auch her, dass die Bischöfe sich auf dem II. Vatikanischen Konzil mit den Fragen des Gottesdienstes beschäftigt haben In vielen Dingen versuchten sie, wieder zum Ursprünglichen zurück zukommen. Eine wesentliche Erneuerung ist, dass die Eucharistie wieder zur Gemeinde hin gefeiert wird, wie wir das inzwi­schen gewohnt sind.

Zeichen der Nähe Gottes zu uns Menschen

Blick auf Altar und Ambo in der Basilika.
Blick auf Altar und Ambo in der Basilika.

Der Altar soll uns an einen Tisch erinnern, an den Tisch des Abendmahlsaales, an dem Jesus mit seinen Jüngern das erste Mal Eucharistie gefeiert hat. Und weil in diesem Mahl intensivste Christusbegegnung geschieht, will der Tisch des Altares Mittel­punkt des gesamten kirchlichen Raumes sein, Zeichen der Nähe Gottes zu uns Menschen.

In der Einführung ins Messbuch lesen wir: "Der Altar, an dem das Kreuzesopfer unter sakramentalen Zeichen gegenwärtig wird, ist auch der Tisch des Herrn, an dem das Volk Gottes in der gemeinsamen Messfeier Anteil hat. Er ist zugleich Mittelpunkt der Danksagung, die in der Eucharistiefeier zur Vollendung kommt."

Und in der Einführung zur Altarweihe ist zu lesen: "Der Altar ist Tisch für Opfer und Mahl. An diesem Tisch repräsentiert der Priester Christus, den Herrn, und tut, was dieser getan und den Jüngern zu seinem Gedächtnis zu tun aufgetragen hat."

Der Altar ist also seinem Wesen nach eine einzigartige Stätte für das Opfer Christi und für das österliche Mahl mit ihm. Er ist eine Opferstätte besonderer Art, weil auf ihm das Kreuzesopfer durch alle Zeiten in der Feier der Eucharistie vergegenwärtigt wird bis Christus wiederkommt und er ist Tisch für das österliche Mahl, weil sich an ihm die Gläubigen versammeln, um Gott Dank zu sagen und um Christi Leib und Blut zu empfangen. Und so ist der Altar auch ein starkes Bild für Christus selbst, wie es in einer Präfation der Osterzeit von Christus formuliert: "Er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm."

So ist der Altar Mittelpunkt der versammelten Gemeinde und wie die Kirche ein Haus aus lebendigen Steinen ist, so sind auch die Christen, die sich dem Gebet widmen und ihre Fürbitten vor Gott tragen, selber lebendige Steine, aus denen der Herr Jesus den Altar der Kirche erbaut. Dieses Bild verwenden verschiedene alte Kirchenschriftsteller.

Der Altar soll in der Regel feststehend sein. Nur ein feststehender mit dem Boden verbundener Altar kann in feierlichem Ritus geweiht werden, wie wir es am Sonntag erleben werden, für bewegliche Altäre, die natürlich auch möglich sind, ist eine einfachere Segnung vorgesehen, die auch nicht unbedingt vom Bischof vollzogen werden muss.

Wenn nun unser Bischof unseren neuen Altar weiht mit Weihwasser und Weihrauch und ihn mit Chrisam salbt, dann soll uns in dieser feierlichen Handlung von Neuem gesagt werden: das ist der Mittelpunkt unserer Gottesdienstgemeinschaft, der Tisch, um den wir uns immer wieder versammeln sollen, um das Opfer Christi im gemeinsamen Mahl zu feiern und darin Gemeinschaft zu erfahren. Hier ist der Ort, wo Gott uns nahe ist und wo wir ihm immer wieder begegnen können und Kraft schöpfen für unseren gelebten Glauben im Alltag."

Fotos: Roswitha Dorfner