Altöttinger Liebfrauenbote

Über 1.500 Hallertauer Fußwallfahrer am Gnadenort

"Helden der Wallfahrt"

Pilgerführer Ludwig Hierl hatte genau mitgezählt: 1.576 Wallfahrer aus der Hallertau um Wolnzach machten sich am 3. Oktober zu Fuß auf den 115 Kilometer langen Weg nach Altötting, wo sie am Sonntagmittag, 5. Oktober erschöpft eintrafen. Zum Abschluss der Hopfenernte feierten die Hallertauer dann nach der Einbegleitung über die Gnadenkapelle einen Dankgottesdienst in der Basilika St. Anna.

Eindrucksvoll waren der Einzug und die von Hopfen umrankten Pilgerkreuze der Hallertauer.
Eindrucksvoll waren der Einzug und die von Hopfen umrankten Pilgerkreuze der Hallertauer.

Nach der Begrüßung der Pilger in der Basilika durch den stellvertretenden Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker dankte Pilgerführer Ludwig Hierl dafür, dass "wir ohne Unfall glücklich angekommen sind" – und weiter: "Wir freuen uns über die Basilika, zu deren Renovierung wir mit unseren Spenden auch beitragen konnten." Besonders freute sich Hierl seinen Vorgänger im Amt, Ehrenpilgerführer Alfons Winter, unter den Gottesdienstteilnehmern zu wissen – Winter singt übrigens auch beim Wallfahrerchor mit, der die hl. Messe musikalisch gestaltete. Neben allen anderen, die wieder zum Gelingen der Wallfahrt beigetragen hatten, würdigte der Pilgerführer vor allem die Gruppenführer: "Ihr seid die wahren Helden der Wallfahrt!"

Glücklich zeigte sich Hierl aber vor allem, dass an die 50 Pilger mehr unterwegs waren als im vergangenen Jahr, darunter viele neue und junge Pilger. Auch die Gundelsdorfer Fußwallfahrer (sie legen sogar 175 Kilometer in vier Tagen zurück) habe man sehr gerne in den eigenen Reihen aufgenommen – diese standen nach dem tragischen Unfalltod ihres Mitgründers und Pilgerführers Leonhard Hundseder im Februar dieses Jahres zunächst vor der Frage wie und ob es überhaupt weitergeht.

Beifall für den langjährigen Pilgerleiter

Beifall der Pilger in der Basilika für den langjährigen Pilgerleiter Ludwig Hierl.
Mit großem Beifall dankten die Pilger...

Die Wallfahrt im kommenden Jahr vom 2.-4. Oktober 2015 werde schon sein noch zu wählender Nachfolger leiten, schloss Hierl, der das Amt nach neun Jahren abgibt. Seinen Dank für das Vertrauen der Pilger quittierten diese mit großem Applaus und stehenden Ovationen.

Hauptzelebrant Pfr. Johann Braun verwies zu Beginn des Wallfahrtsgottesdienstes auf die am selben Tag in Rom beginnende Bischofssynode, an die viele – aber gerade auch die Geistlichen, die täglich mit der Lebenswirklichkeit der Gläubigen konfrontiert würden – große Erwartungen hätten. Diese Erwartungen und alle anderen Sorgen und Nöte wolle man nun vor den Altar bringen.

Prediger Pfr. Franz Stadler wiederum nahm Bezug auf den Festtag "Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz – Maria Rosa" am Dienstag, 7. Oktober. Der Rosenkranz sei mindestens genauso gut geeignet sich zu konzentrieren, Stärkung zu erfahren wie etwa eine tibetanische Gebetsmühle – "aber heutzutage muss es ja immer etwas möglichst exotisches sein". Der Rosenkranz lasse die Menschen zur Ruhe kommen, so Pfr. Stadler. Aber man versammle sich ja lieber vor dem Fernseher als im Herrgottswinkel. Und: "Den Rosenkranz muss man beten, um seine Kraft zu spüren!"

"Was beten Sie?"

Pilgerführer Ludwig Hierl und sein Vorgänger Alfons Winter.
... und auch sein Vorgänger Alfons Winter (r.) Pilgerführer Ludwig Hierl (l.).

Mit einer Anekdote vom Pfarrer von Ars schloss Stadler seine Predigt. Dieser habe über längere Zeit einen alten Bauern beobachtet, der immer wieder ganz still in der Kirche verharrte – worauf er ihn fragte: "Was beten Sie?" Darauf habe der Bauer zur Antwort gegeben: "Er schaut mich an, und ich schaue ihn an". Nicht mehr und nicht weniger. "Versuchen wir das doch auch einmal", so Pfr. Stadler an die Gläubigen gewandt.

Als dann das Schlusslied "Schwarze Madonna" erklang hatte so mancher Pilger Tränen in den Augen – Tränen der Erschöpfung genauso wie Tränen des Danks und der Geborgenheit.

Text: Wolfgang Terhörst, Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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