Altöttinger Liebfrauenbote

Kolping-Landeswallfahrt der sieben bayerischen Diözesanverbände am 3. Oktober

"Damit der Welt die Luft nicht ausgeht"

"Treu Kolping - Kolping treu!" zeigten sich etwa 4.000 Teilnehmer aus 570 bayerischen Kolpingfamilien, die am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, unter dem Motto "Mit Gottvertrauen Welt gestalten" an der Landeswallfahrt nach Altötting teilnahmen. Mit diesem Aufruf möchte der weltweit tätige katholische Sozialverband Kolpingwerk ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung setzen. An die Landeswallfahrt  schlossen sich am Gnadenort Unserer Lieben Frau auch die Jugendtage der Kolpingjugend Bayern vom 3.-5. Oktober an.

Kolping-Diözesanvorsitzender Gerhard Alfranseder überreicht Administrator Prälat Günther Mandl die Votivtafel. Diese zeigt Pilger mit Kolpingfahnen, die um die Gnadenkapelle in Altötting ziehen.
Kolping-Diözesanvorsitzender Gerhard Alfranseder (Bild oben, l.) überreicht Administrator Prälat Günther Mandl (Bild oben, r.) die Votivtafel (Bild unten).

Es war ein farbenprächtiges Bild bei der großen Kolping-Landeswallfahrt der sieben bayerischen Landesverbände: Der Altöttinger Kapellplatz war bei herrlichem "Altweibersommer" in ein orange-schwarz-farbenes "Bannermeer" getaucht – um die 255 Banner wurden gezählt. Die Kolping-Musikkapelle aus Mering bei Augsburg stimmte zur Pilgerbegrüßung vor der Gnadenkapelle "Lobet den Herren" an und die zahlreichen anwesenden Kolpingfamilien-Mitglieder sangen aus ganzem Herzen mit. Es gab an diesem Tag Grund genug zu danken und gedenken: des 200. Geburtstags (2013) von Gesellenvater Adolph Kolping und vorgreifend dessen 150. Todestags im kommenden Jahr. Aus diesem Anlass, und im 525. Jahr des Bestehens der Wallfahrt zur Gnadenmutter von Altötting, hat die hiesige Kolpingfamilie mit Vorstand Franz Steiner eine Votivtafel beim Marktler Kirchenmaler Helmut Stöhr in Auftrag gegeben, um das Lebenswerk des Gründervaters entsprechend zu würdigen.

Herzliche Grußworte an die anwesenden Kolping-Präsides und die zahlreichen Pilger entboten Altöttings Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Prälat Günther Mandl, Landespräses Msgr. Christoph Huber, der stellvertretende Wallfahrtsrektor Kapuzinerpater Norbert Schlenker wie auch Landesvorsitzende Dorothea Schömig. Ihr war es gerade am Tag der Deutschen Einheit wichtig, das Beispiel des Zusammenwachsens der Menschen nach der friedlichen Revolution und dem Mauerfall in den Vordergrund zu rücken und sie empfahl das Gebet als Strategie für Frieden und Versöhnung. Nachdem Administrator Mandl die Votivtafel gesegnet hatte, wurde ihm diese vom Diözesanvorsitzenden Gerhard Alfranseder und dem Vorsitzenden der Altöttinger Kolpingsfamilie, Franz Steiner, überreicht. In einer feierlichen Prozession zogen die Kolpingpilger, voran die Bannerträger, dann hinunter zur St. Anna-Basilika um mit ihrem Landespräses und den Konzelebranten, darunter auch Diözesanpräses Peter Meister, einen Fest- und Dankgottesdienst zu feiern.

"Mit Gottvertrauen Welt gestalten"

Hauptzelebrant Msgr. Huber.
Hauptzelebrant Msgr. Huber (M.).

"Angesichts gewaltiger Herausforderungen in unserer Zeit fragt man sich manchmal, ob der Welt nicht die Luft ausgeht", so Hauptzelebrant Msgr. Huber in seiner Predigt. Dabei verwies er auf die Kriege rund um den Erdball, die Verschwendung von Ressourcen, die Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern – symbolisch versinnbildlicht durch eine große, aufblasbare Weltkugel im Altarraum, der nach und nach Luft entwich. Verweisend auf das Wallfahrtsmotto "Mit Gottvertrauen Welt gestalten" war es dem Landespräses ein großes Anliegen, Maß zu nehmen an Adolph Kolping. Dieser habe mit Zuversicht angepackt in einer eigentlich aussichtslosen Zeit, weil auch er an Gott und seine Menschenfreundlichkeit geglaubt habe.

Wie dies zu schaffen war, darauf hatte Msgr. Huber sogleich eine Antwort: "Nicht durch verfasste Resolutionen, geschriebene Petitionen, entworfene Lehrgebäude, sondern durch Zusammenführen von Menschen, durch die Ermutigung junger Menschen sich selbst zu helfen: Adolph Kolping war mit dabei!" Durch die Gründung von Gesellenvereinen, zeigte der Festprediger auf, gebe es heute Kolpingfamilien, "die sich der Asylbewerber annehmen, die zusammenkommen, um Geselligkeit, soziales Engagement und Frömmigkeit zu pflegen, die Altkleider und Altpapier sammeln, um den Erlös für andere zur Verfügung zu stellen, die sich durch Engagement wesentlich in Pfarrei und Pfarrverband einbringen."

Lobende Worte fand Msgr. Huber auch für die Kolpingbildungswerke, die sich im staatlichen Auftrag um Jugendliche kümmerten, für die Stiftungen und Familienferienwerke, Diözesanverbände, die für die Vernetzung untereinander sorgten, die sich in Diözesen-Gremien einbrächten und darauf verwiesen "dass Kirche nur dann richtig betet, wenn daraus Einsatz für andere erwächst." Denn: Glauben und Vertrauen halte die Welt zusammen. Dabei blies der Landespräses einen Luftballon auf mit den Worten: "Geben wir in unsere Welt Gottes Geist, damit der Welt die Luft nicht ausgeht!"

"Wir FAIRändern Bayern"

Kolping-Jugendtage.
Kolping-Jugendtage.

An die Landeswallfahrt schlossen sich die Jugendtage der Kolpingjugend Bayern vom 3.-5. Oktober im Kultur + Kongress Forum und im Begegnungszentrum Altötting an. In Workshops und Aktionen behandelte die Kolpingjugend unter dem Motto "Losgelöst 2014 – Wir FAIRändern Bayern" die Themen "Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Erfolg und Weltwirtschaft", "Fairer Konsum" sowie "Klimawandel". "Mit unserer Aktion möchten wir im Kleinen einen Anfang wagen, um die Welt in Bayern ein Stück fairer, gerechter und besser zu gestalten", erklärte Sven-Marco Meng, der Landesleiter der Kolpingjugend Bayern und nahm dabei Bezug auf Adolph Kolpings Zitat: "Was man im Großen nicht kann, soll man im Kleinen nicht unversucht lassen!"

Übrigens: Die Jugend-Kolping-Kapelle aus Mering/Diözese Augsburg gab am Samstagnachmittag ein einstündiges Standkonzert auf dem Kapellplatz mit meist modernen Musikstücken und aktuellen Hits, das bei den Pilgern, den Jugendlichen, die bei den Kolping-Tagen teilnahmen, wie auch bei den sonstigen anwesenden Kapellplatzbesuchern so gut ankam, dass sie gleich mehrere Zugaben spielen mussten.

Text und Fotos: Roswitha Dorfner

Impressionen

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